Freitag, 10.04.2020

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Rückblick: Haus in Höchstadt explodiert

Am 18. Februar 2009 riss Gasverpuffung ein Haus am Karpfenkreisel in Stücke - 18.02.2020 06:00 Uhr

Zerstörerische Kraft: In Höchstadt hat eine Explosion ein Mehrfamilienhaus in ein Trümmelfeld verwandelt. Ein Mann starb, vier Personen wurden verletzt. © Huber-Altjohann


Der Heizkörper aus dem oberen Stockwerk baumelt vor den zerplatzten Fliesen im Badezimmer darunter. Es gibt keine Zimmerdecke mehr, die beide Etagen trennt. Nur noch ein paar Fetzen Dämmwolle wehen im Wind.

Die Explosion war heftig: Sie hat mehr als die Hälfte des Mehrfamilienhauses in der Bahnhofstraße einfach weggefegt. Die Außenwände liegen in Trümmern in den Aischwiesen, Reste des Daches hängen schräg und bedrohlich halbseitig über der Ruine.

Es ist noch Morgen, als am 18. Februar 2009 in vielen Höchstadter Wohnungen die Wände wackeln. Ein 48-Jähriger hat beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Er hat gerade im Haus an der Bahnhofstraße Propangas gezündet, das er vorher aus einer Flasche entweichen ließ. Das Gas verpufft. Der Mann stirbt in den Trümmern. Rettungskräfte bergen ihn nach zwölfstündiger Suche.

Ein rettender Kühlschrank

Vier weitere Menschen werden – teils schwer – verletzt. Sein neuer Kühlschrank rettet einem 51-Jährigen das Leben. Weil in der Küche nicht genug Platz war, hat er ihn im Schlafzimmer abgestellt. Bei der Explosion verkeilt sich das Gerät quer über dem Bett, in dem der Hausbewohner gerade liegt. Dadurch können ihn die meisten Trümmer nicht treffen, er verletzt sich "nur" am Fuß. Seine Nachbarin ruft zu diesem Zeitpunkt schon draußen um Hilfe. Als das Gas verpuffte, saß sie am Frühstückstisch und wurde durch die Wucht nach draußen geschleudert. Sie kommt stationär ins Krankenhaus, ebenso wie zwei weitere Bewohnerinnen aus dem Dachgeschoss.

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Rückblick ins Jahr 2009: Haus in Höchstadt explodierte

Das Bild der Zerstörung ist vielen noch in Erinnerung: Am 18. Februar 2009 riss eine Gasverpuffung ein Höchstadter Wohnhaus in Stücke und forderte einen Toten und mehrere Verletzte.


Sie liegen noch in ihren Betten, als das Haus explodiert, und stürzen dann in die Tiefe. Die Jüngere von beiden, eine 22-Jährige, ist unter Steinbrocken eingeklemmt. Darauf liegt ihre 34-Jährige Lebensgefährtin, die zu diesem Zeitpunkt schon schwanger ist, davon aber noch nichts weiß. Mit Verletzungen an Kopf, Armen, Rücken und Beinen bringt der Sanitätswagen die Frauen später ins Krankenhaus. Als die äußerlichen Wunden längst verheilt sind, wirkt das Trauma immer noch nach. Die 34-Jährige verdrängt den Tag, leidet zehn Monate lang an einer Amnesie. Die Jüngere wird von den Erlebnissen im Traum verfolgt.

Bewohner haben viel verloren

Eine Woche nach der Gasverpuffung rücken Bagger an und machen das zerstörte Haus dem Erdboden gleich. Kurz vorher findet eine Bewohnerin in den Trümmern noch ihren Geldbeutel. Auch Katze "Trixie" taucht wieder auf, sie war tagelang an der Unglücksstelle umher geirrt. Der Besitzer des Unglückshauses schaut zu, wie die Maschinen die Trümmer wegschaffen.

Er war elf Jahre alt, als sein Vater das Haus an der Bahnhofstraße im Jahr 1956 bauen ließ. Er ist darin aufgewachsen. Am Tag der Explosion lebte er in Wiesbaden. Für das Gebäude in Höchstadt zahlt die Versicherung. Die Bewohner aber haben viel verloren. Etwas abgemildert wird dieser Verlust durch eine große Spendenbereitschaft in Höchstadt.

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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