Schachbretter aus Weisendorf: Edle Hölzer für König und Dame

8.3.2021, 06:00 Uhr
Das große Lager bei „Ulbrich Spieledesign“. Um den Einkauf des wichtigen Furniers kümmert sich Chefin Corinna Ulbrich selbst.

Das große Lager bei „Ulbrich Spieledesign“. Um den Einkauf des wichtigen Furniers kümmert sich Chefin Corinna Ulbrich selbst. © Foto: Jeanette Seitz

"Als im Herbst 2020 die Serie ,Das Damengambit‘ auf Netflix startete, erlebten wir einen regelrechten Boom." In der US-amerikanischen Miniserie, die viele gute Kritiken bekam, geht es um eine Frau in den 1950er Jahren, die als Waise aufwächst, ihr Talent zum Schachspiel entdeckt und in diesem damals männerdominierten Sport Weltmeisterin werden möchte.

"Diese Serie war wie ein zündender Funke weltweit, die Nachfrage nach Schachspielen war enorm", berichtet Corinna Ulbrich. Hinzu kamen natürlich auch Corona und die diversen Lockdowns. "Die Menschen hatten einfach mehr Zeit, eben auch Zeit zum Spielen." Und die Nachfrage hält bis heute an.

Natürlich bekommt man auch für kleines Geld ein Schachspiel. Wer aber Wert auf Qualität legt, der sollte einen Blick auf die Ulbrich‘schen Schachbretter werfen – aus hochwertigen Hölzern, optisch sehr ansprechend und in Handarbeit gefertigt.

Kunstvolle Intarsien

Ins Leben gerufen hat die Firma einst Rudolf Ulbrich. Er hatte im tschechischen Reichenberg zwei Warenhäuser, war also ein erfolgreicher Kaufmann. Auf der Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg landete er 1945 erst in Nürnberg, dann in Vestenbergsgreuth. Und die Frage: "Was gibt es hier noch nicht, was braucht die Welt?", beantwortete er mit: hochwertige Schachbretter mit kunstvollen Intarsien, abseits jeglicher Massenware. Rudolf Ulbrich setzte auf Qualität, Exklusivität und Individualität. 1954 übernahm Sohn Rolf die Firma und führte sie im Sinne seines Vaters fort, entwickelte aber auch neue Ideen, etwa die magnetischen Reise-Schachbretter. Auch das Design der abgerundeten Kanten geht auf sein Konto.

So sieht ein fertiges Schachbrett aus: optisch ansprechend, aus hochwertigen Hölzenr. Bei den Ulbrichs legt man eben Wert auf Qualität und Exklusivität.

So sieht ein fertiges Schachbrett aus: optisch ansprechend, aus hochwertigen Hölzenr. Bei den Ulbrichs legt man eben Wert auf Qualität und Exklusivität. © Foto: Jeanette Seitz

Irgendwann folgte der Umzug nach Weisendorf, 1995 schließlich kaufte Rolfs Sohn Gottfried seinem Vater die Firma ab. Zu dieser Zeit war auch Corinna Ulbrich schon involviert – sie ist Schreinerin und hat außerdem Holztechnik studiert.

Und deshalb ist es auch heute noch Corinna Ulbrich, die sich um den Holzeinkauf kümmert. Denn die Ulbrich‘schen Schachbretter werden zwar inzwischen in Serie gefertigt, Auswahl und Zuschnitt des entscheidenden Furniers aber findet vor Ort und persönlich durch die Chefin statt, ist also nach wie vor Handarbeit. Auch auf Heimarbeiterinnen in Weisendorf, die das Furnier dann weiterverarbeiten, kann Corinna Ulbrich sich verlassen.

Chefin kauft nur das beste Holz

0,6 Millimeter dick ist so ein Furnier, aus dem die aufwändigen Einlegearbeiten – Intarsien – gefertigt werden. Das Holz kauft Corinna Ulbrich in Karlstadt und wählt nur das beste aus: Kirsche, Ahorn, Nuss, Zeder, pazifische Eibe, tibetanischer Apfel. Der Preis eines Schachbrettes hängt maßgeblich von der Holzart ab. "Klassische Schachspieler bevorzugen Palisander-Ahorn", weiß Corinna Ulbrich. "Viel geht über die Optik."

Besonders schön findet sie selbst den Vogelaugenahorn, kombiniert mit Nusswurzel. Liebevoll streicht sie über das Furnier. Nicht einmal, als Corona kam und die weitere Entwicklung nicht abzusehen war, hatte sie Angst um die Firma. Sie war sich sicher: "Wenn ich mit Herzblut und Liebe etwas Gutes mache, dann wird das überdauern."

Kaum hinterhergekommen

Und so ist es dann ja auch gekommen. Schachbretter boomen. "Wir hätten im vergangenen Jahr das Dreifache verkaufen können", erzählt Corinna Ulbrich. Man sei mit der Produktion kaum hinterher gekommen. "Ulbrich Spieledesign" vertreibt die Schachbretter über die eigene Homepage, über die Firma "Manufactum" und beliefert Großhändler etwa in der Schweiz und in den USA. Die Figuren werden übrigens zugekauft und stammen aus Indien.

Und eine Besonderheit gibt es bei den Ulbrichs auch noch: Sie haben als einzige die schwarz-weißen Schachbretter, wie sie in "Das Damengembit" verwendet werden, im Sortiment – aus Ahorn und schwarz gefärbter Elsbeere. "Die waren letztes Jahr natürlich besonders beliebt."

Zirka 120 Euro muss man für ein Intarsien-Schachbrett hinblättern. Dann hat man aber auch ein ästhetisches, hochwertiges Naturprodukt. Auch ebenso schöne Backgammon-Koffer sind in Weisendorf im Angebot.

INFO: www.ulbrich-spieledesign.de

Keine Kommentare