Sonntag, 25.10.2020

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Schaeffler in Herzogenaurach: Mitarbeiter kämpfen weiter gegen Stellenabbau

Bei einer Kundgebung am Nordtor rückt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende den Nachwuchs in den Mittelpunkt. - 14.10.2020 15:36 Uhr

Arbeitskampf im Regen: Insgesamt sind auf den aufgestellten Tafeln am Schaeffler-Nordtor 1211 rote Kreuzchen zu sehen. Jedes steht für einen Arbeitsplatz, der in Herzogenaurach wegfallen soll.


"Und alle fragen sich: Bin das ich?", meint Ismene Bialkowski, Vertrauensfrau der Gewerkschaft IG-Metall. Sie ergänzt: "Schaut auf das Parkhaus gegenüber, es hat 950 Plätze, die brauchen wir dann nicht mehr."

1211 Beschäftigte – das seien mehr als zehn Prozent der Belegschaft, denn am Schaeffler-Standort Herzogenaurach arbeiten 9500 Menschen. Rund 250 von ihnen sind ans Nordtor gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Es ist die zweite Kundgebung nach dem Start des Protests im September.

Grigore Beutura geht es vor allem um den Nachwuchs. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende hat seine beiden Töchter mitgebracht. Sie halten das mit der Aufforderung: "Transformation bei Schaeffler: Alle mitnehmen!"

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Schaeffler-Mitarbeiter kämpfen um Arbeitsplätze in Herzogenaurach

Es geht um 1211 Arbeitsplätze: Am Nordtor beim Automobilzulieferer Schaeffler in Herzogenaurach trafen sich rund 250 Mitarbeiter zur Kundgebung gegen den geplanten Stellenabbau. Ans Mikrofon traten neben Vertretern des Betriebsrats und der Gewerkschaften auch die Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich und Uli Grötsch (beide SPD).


Beim Stellenabbau gehe es nicht nur um Einzelschicksale, sondern um die Existenzgrundlage ganzer Familien. Außerdem sei noch unklar, ob beziehungsweise wie viele von den 133 Azubis aus 2019 und 97 aus 2020 in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden. "Ich erwarte vom Arbeitgeber, dass er in die Zukunft investiert", ruft Beutura.

Und zwar trotz Corona. "Die Pandemie darf nicht als Deckmäntelchen dienen für einen strategischen Unternehmensumbau", meint Uli Grötsch, Generalsekretär der Bayern-SPD. Schließlich habe der Bundestag viele Millionen Euro an Soforthilfen und für die Finanzierung der Kurzarbeit zur Verfügung gestellt, betont seine Genossin, die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich.
 


Stellenabbau bei Schaeffler: Schock oder Chance?


Am meisten vom Stellenabbau betroffen ist in Herzogenaurach der Werkzeugbau. Die komplette Abteilung soll nach Höchstadt verlagert werden, betroffen sind voraussichtlich 420 Mitarbeiter. "Aus meiner Sicht ein Schlag ins Gesicht", meint Grigore Beutura. Schließlich habe man in den letzten Jahren gerade hier viele Umstrukturierungen durchgedrückt und den Mitarbeiten Flexibilität und Modernisierung abverlangt. "Es ist sicher nicht das letzte Mal, dass wir hier stehen für eine Kundgebung." Die Kollegen am Standort Höchstadt tun sich am Donnerstag zum Protest zusammen. Sie möchten am Werk eine Menschenkette bilden.

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Expansion in Herzogenaurach: Schaeffler kauft Adidas-Gebäude

Ab dem vierten Quartal 2019 können die Mitarbeiter von Schaeffler in das neue Büro in Herzogenaurach einziehen. Das neue Gelände bietet Platz für rund 1000 Büroarbeitsplätze und 250 Parkplätze. Bis dahin sollen auch die letzten Adidas-Mitarbeiter, die dort arbeiten, in andere Büros umgezogen sein.


CLAUDIA FREILINGER

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