Schloss Hemhofen: In Corona-Zeiten boomt die Abokiste

4.4.2021, 06:00 Uhr
Fertig für die Tour Richtung Eggolsheim und Pödeldorf: Sidney Roberts am Steuer eines Lieferfahrzeugs der Abokiste vor dem barocken Schlossgebäude des Landguts. Neben ihm Hannah Winkler von Mohrenfels, kurz mal ohne Maske fürs Bild.

Fertig für die Tour Richtung Eggolsheim und Pödeldorf: Sidney Roberts am Steuer eines Lieferfahrzeugs der Abokiste vor dem barocken Schlossgebäude des Landguts. Neben ihm Hannah Winkler von Mohrenfels, kurz mal ohne Maske fürs Bild. © Foto: Edith Kern-Miereisz

Vorreiter der Idee mit der "Abokiste" war die Familie Winkler von Mohrenfels bereits seit 1982, somit deutschlandweit der erste Frei-Haus-Lieferant ökologisch erzeugter Lebensmittel.

Morgendliches Packen ist in den Nebengebäuden des Schlosses und im Keller des ehemaligen Ritterguts, 1724 als barocke Schlossanlage umgebaut, angesagt.

Eigentlich Messebauer

Norbert Popp, eigentlich als Messebauer von Beruf Schreiner, mit Ausbruch der Pandemie zu Untätigkeit verurteilt, stapelt die grünen Abo-Kisten in den Transporter, mit dem er seine Tour zu 71 Stationen abfährt. Er ist einer von vier festen und drei Vertretungsfahrern.

Im Großraum Nürnberg, Fürth und Fränkische Schweiz fand die Abokiste über die Jahre oftmals treue Freunde. Die Kundschaft ist so verschieden, wie die möglichen Kombinationen an Lebensmitteln, die in die individuell zusammengestellten Kisten sortiert werden.

Beliefert wird die ernährungsbewusste junge Familie verpackungsarm mit den grünen Kisten genauso wie das ältere Paar, das sich die Einkaufsstrapaze sparen will oder der vegane Youngster.

Es gibt frische Backwaren, Wurst regionaler Herstellung, Milchprodukte, Bioweine, Käse. Fleisch von den 200 Schweinen des Landguts, die in ihren Familien aufwachsen, ebenso wie Lammbraten als saisonales Angebot zu Ostern. Geordert werden kann per Internet, telefonisch, es gibt die Abokiste mit saisonalem Gemüse und fair hergestellten Produkten aus überseeischen Ländern.

Hausschlüssel ausgehändigt

Die Abwicklung des Kaufs erfolgt so niederschwellig wie möglich. Es gibt festgelegt Abstellorte für die Abokiste, manche treue Kunden händigten sogar den Hausschlüssel aus.

"100 Prozent Umsatzplus" wurde vor einem Jahr verzeichnet, blickt Hannah Winkler von Mohrenfels zurück. Sie ist Erbin und als Studierte Wirtschaftskauffrau seit 2013 Geschäftsführerin des Landguts, arbeitete als Investment-Bankerin in London und entschied sich dann doch für die Heimat: "Es hat sich ergeben, hat Sinn gemacht."

Die Eier, die mit der Abokiste geliefert werden, stammen von einem Bruderhahn-Projekt. Auch für exotische Früchte und Gemüsearten gibt es Lieferkontrakte.

Die Eier, die mit der Abokiste geliefert werden, stammen von einem Bruderhahn-Projekt. Auch für exotische Früchte und Gemüsearten gibt es Lieferkontrakte. © Foto: Edith Kern-Miereisz

Ihr zur Seite steht Landwirtschaftsmeister Tobias Kübler. Das Schloss wurde seither auch als Fest-Location ausgebaut, für Hochzeiten im September 2022 gibt es bereits wieder Anfragen. Über den Ausfall der Events "will ich mich nicht beschweren", sagt Hannah Winkler von Mohrenfels: "Die Abokiste überkompensiert das."

In Vor-Pandemie-Zeiten wurden bereits das Traditions-Hoffest im September und die Schlossweihnacht ausgerichtet. Mit dem Öko-Landbau und auch nachhaltiger Holzwirtschaft in den Wäldern begann ihr Vater Haiko Winkler von Mohrenfels in den 1980ern, damals Pionierarbeit. Mit regionalen Erzeugern und Anbauern biozertifizierter Produkte etwa in Costa Rica wurden in der Folge Verträge geschlossen.

Hannah Winkler von Mohrenfels, seit 2013 Geschäftsführerin des Landguts, zeigt Krautkisten auf dem Rollband fürs Packen im Schlosskeller.

Hannah Winkler von Mohrenfels, seit 2013 Geschäftsführerin des Landguts, zeigt Krautkisten auf dem Rollband fürs Packen im Schlosskeller. © Foto: Edith Kern-Miereisz

In der Packstation herrscht Betrieb, die Kisten werden je nach Bestellung kombiniert. Konzentriert wiegt Peter Römmelt erst das Gemüse ab, stellt den Preis fest, legt es in die Box. Unten das Schwere, oben das Leichte: Kohlrabi, Auberginen, Bananen, Radieschen. Nebenan die Eier von einem Bruderhahn-Projekt, um die Ecke die Milchprodukte.

Im Sommer helfen Saison-Arbeitskräfte aus Polen bei der Ernte. Auch in Corona-Zeiten konnten sie einreisen, wohnten auf dem Hof.

"Das Morgenläuten gehört"

Viele kleine Dinge gehören nach Meinung der Geschäftsführerin zum Erfolgsprinzip. Es ist genauso das handgeschriebene Kärtchen "Brokkoli heute leider aus" wie der Kontakt zum freundlichen Fahrer. Es ist die Zuverlässigkeit, die Güte und Frische der Ware – immer zitiert mit dem "Salat, der das Morgenläuten noch gehört hat".

In Pandemie-Zeiten komme dazu, dass der Wert der Gesundheit erst wieder erkannt wurde. Und schließlich sei das Abokisten-Liefersystem bequem und zeitsparend.

"Es wächst und wächst und wächst und hört nicht auf", schließt Sidney Roberts, der sein Lieferfahrzeug fertig gepackt hat und nun die Tour nach Pödeldorf und Eggolsheim antritt. Ein Stück Lammfleisch ist in einer seiner Kühlboxen – Vorfreude auf Ostern für den Kunden.

INFO

Das Schloss Hemhofen feierte 2015 seine 300-jährige Geschichte mit einem großen Fest und überregional bekannten Künstlern. In Corona-Zeiten rückten andere Aspekte des Geschehens auf dem barocken Landadelssitz in den Fokus.

Laktosefrei, glutenfrei – oder auch nur für Lust am Genuss: das Landgut Hemhofen packt die Kisten nach Wunsch und Bedarf. Es gibt handliche Kisten mit Obst für Meetings im Büro, regionale Kisten, Gemüseklassiker oder Mixkisten. Man kann sich ein Eier-Abo holen oder Biowein und Käse ins Haus liefern lassen. Es gibt Feinkost, Frisches, haltbare Lebensmittel, Kosmetik und Geschenke. Der Mindestbestellwert beträgt 23 Euro. Liegt eine Bestellung darunter, so wird eine Liefergebühr von 5 Euro berechnet. Die meisten Kunden bestellen per Internet im Onlineshop abokiste.de

Unter Telefon (0 91 95) 83 81 kann man sich beraten lassen und eine Kiste "maßschneidern". Den Lieferrythmus bestimmt der Kunde.

 

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