Expansion

Schlüsselfeld: Craftbeer-Brauer Hertl hat große Pläne

17.6.2021, 10:54 Uhr
Der Thüngfelder Craftbeer-Brauer David Hertl ist stolz auf sein fantasievolles Portfolio - sogar

Der Thüngfelder Craftbeer-Brauer David Hertl ist stolz auf sein fantasievolles Portfolio - sogar "Hopfen-Gin" gibt es im Brauereishop. © Hans von Draminski, NN

Der 31-Jährige hat viel vor. Und mittelfristig wird die "kleinste und geilste Brauerei Frankens", wie Hertl den Betrieb im Werbeslogan nennt, wohl größer werden. Aber das hat noch ein paar Jahre Zeit. Was der Familienbetrieb derzeit anstrebt, nennt man in der Sprache der Wirtschaft Konsolidierung: Das Erreichte halten, stabilisieren und dann behutsam darauf aufbauen.

Kult am Craftbeer-Markt

Mit normalen Bierbrau-Unternehmen mögen sich David Hertl und seine Familie - Papa Bernd und Mutti Vroni arbeiten kräftig mit, auch David Hertls künftige Frau ist aktiv dabei - sowieso nicht vergleichen. Im Mittelpunkt standen immer Craftbeer-Sorten, bei denen das Reinheitsgebot weit weg erscheint, weil Sorten wie "Omas Betthupferl" oder "Opas Liebling" zumindest teilweise mit anderen als den üblichen Zutaten hergestellt werden. Auf dem wachsenden Craftbeer-Markt ist Hertl gerade dabei, internationaler Kult zu werden - weil auch die Fachmagazine und Craftbeer-Blogger die Biere aus dem Schlüsselfelder Stadtteil Thüngfeld entdeckt haben. Und sie entsprechend "hypen".

Die Zufahrt zur Lagerhalle der Brauerei Hertl soll künftig auch schwere Lastkraftwagen aushalten.

Die Zufahrt zur Lagerhalle der Brauerei Hertl soll künftig auch schwere Lastkraftwagen aushalten. © Hans von Draminski, NN

Kneipen für Bierkultur

Deshalb findet man die Erzeugnisse der Brauerei Hertl auch eher selten in der üblichen Gastronomie, zumal viele Lokale "Brauereizwang" haben und sich deshalb auf eine Biermarke beschränken müssen. Abnehmer für die Kreationen des ausgebildeten Brau- und Malzmeisters David Hertl sind eher auf Bierkultur spezialisierte Kneipen, wie man sie inzwischen recht oft auch in fränkischen Altstädten findet. Im nahen Bamberg ist die Brauerei Hertl Franchise-Nehmer der "Bierothek"-Kette, die Läden in ganz Deutschland und in Österreich hat und damit wirbt, mehr als 350 Sorten Bier im Portfolio zu haben. Hier gibt es Verkostungen und Spezial-Events ganz im Stile einer Craftbeer-Szene, die vielfältig und bunt ist, in der unkonventionell gedacht wird und man gängige Lehrmeinungen über das Bier gerne auf die Probe stellt.

Vater ist Weinsommelier

David Hertls Vater Bernd ist übrigens Weinsommelier. Da wundert es wenig, dass bei Hertl in Kooperation mit anderen Craftbeer-Brauereien auch mit Wein-Bier-Hybriden experimentiert wird, in denen dann auch einmal eine Grapefruit eine Rolle spielen darf. Wenn David Hertl von der Arbeit an solchen Exotensorten berichtet, grinst er über das ganze Gesicht. Es lässt sich ahnen, wie viel Freude es ihm gemacht haben muss, als er eines seiner Biere mitten in der Corona-Pandemie "Impfstoff" nannte und damit nicht nur in seiner Heimatgemeinde zum Tagesgespräch wurde.

Hier soll die neue Toilettenanlage entstehen.

Hier soll die neue Toilettenanlage entstehen. © Hans von Draminski, NN

Impfzentrum unterstützt

An den auf diese Weise kräftig angekurbelten Verkäufen ließ David Hertl auch jene teilhaben, denen er diesen Erfolg indirekt verdankte: "Wir konnten in zwei Monaten über 800 Euro für das Impfzentrum Schlüsselfeld sammeln. Pro verkauften Kasten unseres Impfstoff-Bieres gingen vier Euro direkt ans Impfzentrum, um die lokalen Behörden zu unterstützen", erzählt er mit hörbarem Stolz.

Vier Auftragsbrauereien

Längst reichen die Kapazitäten der Mini-Brauerei, die in Thüngfeld auf der Fläche eines kleinen Wohnzimmers aufgebaut ist, für die Nachfrage nicht mehr aus.

Sogar einen Whiskey-Doppelbock gibt es bei der Brauerei Hertl.

Sogar einen Whiskey-Doppelbock gibt es bei der Brauerei Hertl. © Hans von Draminski, NN

Deshalb sind vier Brauereien in der Umgebung Auftragsnehmer, die Craftbeer nach David Hertls Rezepten produzieren und für rund 80 Prozent der Gesamtmenge zuständig sind. Insgesamt seien es pro Jahr rund 1000 Hektoliter Hertl-Bier, die in die Kehlen durstiger Bierfreundinnen und -freunde rinnen. "Wir sind während der Corona-Krise sogar gewachsen", gibt Hertl zu. Craftbeer könne man eben auch daheim genießen, deshalb hingen die Umsätze nicht daran, ob die Gastronomie geöffnet hat oder nicht.

Veranstaltungen mit Publikum

Der Hertl-Brauereishop prunkt mit 44 verschiedenen Biersorten plus Gin plus Rum plus Tonic Water.

Der Hertl-Brauereishop prunkt mit 44 verschiedenen Biersorten plus Gin plus Rum plus Tonic Water. © Hans von Draminski, NN

Nun werden die Corona-Vorschriften gelockert, Veranstaltungen mit Publikum wie etwa Verkostungen sind wieder möglich - und dem trägt Familie Hertl Rechnung, indem sie die Brauerei, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch eine Schäferei war, sicht- und spürbar aufhübscht. Die Umwidmung zu einer "Brauerei und Eventlocation" ist formaljuristisch notwendig, konkret geplant sind der Bau einer neuen Toilettenanlage und eine stabile Zufahrtsrampe zum hinteren Gebäudeteil, um die Lagerhalle auch mit Lastern problemlos anfahren zu können. Diese Arbeiten sollen zum Jahresende abgeschlossen sein. Mittelfristig stehen die Zeichen durchaus auf Expansion - "aber dazu müssen wir erstmal Hektoliter machen, damit die Bank auch mitspielt", führt David Hertl augenzwinkernd aus. Sein derzeit wichtigstes Projekt erblickt übrigens Mitte August das Licht der Welt: sein erster Sohn.

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