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Sonntag, 22.09.2019

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Schuler AG: Standort Heßdorf noch nicht betroffen

Maßnahmenprogramm des Anlagenbauers reagiert auf anhaltende strukturelle Probleme der Branche - 06.08.2019 06:54 Uhr

Blick in das Heßdorfer Werk: Hier soll es trotz des Zukunftskonzepts der Schuler AG vorläufig weitergehen wie bisher. © Foto: Ralf Rödel


Sprecher Hans Obermeier: "Das bis 2022 angelegte Zukunftskonzept betrifft den Firmensitz in Göppingen und den großen Standort Erfurt. Kleinere Standorte sind in diese Planungen für die nächsten drei Jahre nicht einbezogen."

Die Heßdorfer Filiale ist vor allem zuständig für kleinere Pressen für Industriekunden (nicht aus der Automoblibranche). Im Seebachgrund werden Komponenten, die in anderen Standorten (vor allem Erfurt) hergestellt werden, für den Kunden zusammengesetzt und "maßgeschneidert". Obermeier: "Automatisierung und Digitalisierung spielen da eine immer größere Rolle. Es gibt immer mehr Spezialwünsche für Steuerungselemente. Pressen sind inzwischen viel mehr als Stahl und Mechanik."

Die Entwarnung im Zusammenhang mit dem Maßnahmenprogramm der Schuler AG sei jedoch "relativ", wie Obermeier betont. Denn insgesamt leide die Branche Anlagenbau. "Das ist derzeit ein schweres Geschäft."

Zwei Punkte machen Schuler und seinen Mitstreitern auf dem Markt große Probleme. Das erste ist ein konjunkturelles: Die Nachfrage ist geringer, als sich das die Hersteller wünschen. Das zweite ist ein strukturelles: Der Trend bei den Käufern geht eindeutig in die Richtung Billiganbieter. Obermeier: "Da herrscht ein enormer Kosten- und Margendruck."

So sei es bis vor drei, vier Jahren undenkbar gewesen, dass deutsche Premium-Autohersteller die betreffenden Elemente nicht bei deutschen Premium-Zulieferern kaufen. Heute sei es üblich, dass die großen Autobauer sich in Korea, China, Japan oder Spanien bedienen. Zwar achte man auch da auf gewisse Qualitätsmerkmale, aber diese nachhaltige Entwicklung habe zur Folge, dass man auch bei Schuler umdenken müsse.

Um im harten Konkurrenzkampf bestehen zu können, müsse man eben diverse Komponenten (Obermeier: "Diejenigen, bei denen es Sinn ergibt") zukünftig auch in Ländern produzieren lassen, in denen die Herstellungskosten niedriger sind. So werde unter anderem die eigene Neumaschinen-Produktion in der Zentrale in Göppingen geschlossen.

Für Obermeier greife die Kommentierung der Medien gelegentlich zu kurz: Da werde kritisiert, dass die Branche wegen einer Konjunkturdelle viele Arbeitsplätze zerstöre. "Das strukturelle Problem wird dabei übersehen." In manchen Dingen sei die Entwicklung wohl nicht mehr umkehrbar. Schuler könne da nicht "weiter so" machen.

So wird bei dem Unternehmen, das Ende 2018 konzernweit 6574 Beschäftigte hatte (darunter 4195 in Deutschland), vermutlich auch 2022 die Umstrukturierung noch nicht abgeschlossen sein. 500 Arbeitsplätze sollen bis dahin im Stammland entfallen – auch mit betriebsbedingten Kündigungen. Spätestens ab 2021 rechnet Schuler mit einer schrittweisen Verbesserung der operativen Rentabilität im Konzern. 

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