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Seit 30 Jahren spielt Ingrid Geyer die Orgel

Schon als Kind hat die heute 51-Jährige das Instrument gelernt - 05.05.2017 14:00 Uhr

„Damit die Gläubigen schön singen können“, sorgt Ingrid Geyer durchschnittlich an zwei Sonntagen im Monat für den musikalischen Rahmen bei Gottesdiensten in der evangelischen Maria-Kilian-Kirche in Mühlhausen.

04.05.2017 © Foto: Maria Däumler


Schon als Kind hat Ingrid Geyer Klavierspielen gelernt. Dann ist ihre Klavierlehrerin aus Mühlhausen weggezogen. "Spiel doch Orgel", schlug ihre Mutter vor, denn der Kirchenmusikdirektor unterrichtete jede Woche Kinder vor Ort, aber eben nur an der Orgel. Mit zwölf Jahren wagte sich Ingrid daher an die Königin der Instrumente – und ist ihr bis zum heutigen Tag treu geblieben.

Der damalige Pfarrer Franz Winter habe sie hin und wieder bei einer Taufe spielen lassen und dann wurde es immer mehr, erzählt Ingrid Geyer. Schließlich sorgte das junge Mädchen auch bei Gottesdiensten, Trauungen und Beerdigungen für die passende musikalische Umrahmung.

Nebenher noch Chorleiterin

"Als Teenager habe ich auch nicht immer den Nerv gehabt, so intensiv zu üben", bekennt Geyer rückblickend. Doch weil bei den verschiedenen Anlässen und auch im Wechsel des Kirchenjahres immer unterschiedliche Lieder zu spielen waren, habe sie automatisch üben müssen. "Da hatte man ein Ziel vor Augen und musste quasi zwangsläufig sein Repertoire erweitern." 1986 absolvierte die ausgebildete pharmazeutisch-technische Assistentin dann die kleine Kirchenmusiker- sowie die Chorleitungsprüfung. Seit elf Jahren ist Ingrid Geyer neben ihrer Organistentätigkeit auch noch Chorleiterin beim örtlichen Gesangverein Liederkranz Frohsinn.

Beim Orgelspielen in der Kirche in Mühlhausen und auch im kleinen Gotteshaus in Weingartsgreuth wechselt sie sich mit ihrer Organisten-Kollegin Andrea Herbst ab. "Damit ich nicht jeden Sonntag ran muss." Denn Zeit für ihre Familie mit drei Kindern müsse schließlich auch noch bleiben, findet sie.

Obwohl Ingrid Geyer seit Jahrzehnten intensiv musikalisch aktiv ist, sagt sie bescheiden: "Ich bin kein Künstler, ich bin ein Handwerker." Selbst nach 30 Jahren sei sie jedes Mal nervös, wenn sie vor Publikum die Orgel spiele, gesteht sie. Ihr sei es auch lieber, mit dem Rücken zum Kirchenraum – und zu den Gläubigen — am Instrument zu sitzen wie eben in der schönen, alten Maria-Kilian-Kirche in Mühlhausen. "Da fühle ich mich viel wohler", sagt sie offen.

Ein Lieblingsstück habe sie nicht, erzählt die Organistin weiter, sie spiele alles gern — alte Stücke genauso wie neue Kirchenmusik. "Da hat man so seine Phasen." Aber virtuos wie ein Künstler sei sie nicht, manche Werke seien für sie einfach zu schwierig, schätzt sie ihr Talent selbst ein. "Ich bin niemand, der ein Konzert spielt. Ich begleite lieber meine Gemeinde, damit die schön singen können", macht Ingrid Geyer deutlich.

"Bei Trauungen spiele ich aber gar nicht mehr, weil die Leute so anspruchsvoll sind. Die hören ein Lied auf You Tube und wollen dann, dass ich das spiele. Doch da bin ich als Laienmusikerin überfordert." Vor allem Leute, die sonst nicht in die Kirche gehen, wollen bei ihrer Hochzeit oft die wildesten Sachen hören, hat sie die Erfahrung gemacht — und fügt leise an: "Da fehlt manchmal das Gespür für das, was möglich ist."

Strukturen verändern sich

In all den vielen Jahren, in denen Ingrid Geyer die Kirchenorgel spielt und nicht selten die Sonntagspredigt zweimal hört, hat sie beobachtet, wie sich die Strukturen verändern. "Es sind schwierige Zeiten für die Kirchen", stellt sie fest. Die Schar der Gläubigen werde immer kleiner. "Viele Eltern von Konfirmanden sieht man nur zur Einführung und zur Konfirmation. Die gehen selbst gar nicht zur Kirche, wie sollen ihre Kinder dann verstehen, dass der Glaube wichtig ist", fragt sich die Organistin.

Ein Wunsch liegt Ingrid Geyer zum Schluss des Gespräches noch am Herzen: "Wir bräuchten dringend Nachwuchs. Es wäre schön, wenn sich ein junger Mensch fürs Orgelspielen begeistern könnte." Der derzeitige Kantor Martin Wenzel aus Bamberg komme regelmäßig nach Mühlhausen und gebe Unterricht an der Orgel.

"Ein Pool an Leuten wäre gut", findet Ingrid Geyer, die dann noch anfügt: "Wenn man am Sonntag hier oben an der Orgel sitzt und die Morgensonne durch das Kirchenfenster leuchtet, dann ist das schon bereichernd."

MARIA DÄUMLER

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