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Seit zehn Jahren gibt es die Palliativeinheit im Höchstadter Krankenhaus

Gründer Hans-Joachim Laugwitz berichtet, wie das Team Bedürfnisse erfüllt - 20.04.2019 06:57 Uhr

Oft sehnen sich Sterbende nach dem Kontakt zu Tieren: Besuchshund „Sunny“ nimmt auf der Palliativeinheit „Lichtblick“ in Höchstadt gerne den Platz am Krankenbett ein. © Foto: Palliativeinheit Lichtblick


"Ich kann sie nicht zählen", sagt der 68-Jährige, der im Jahr 2009 gegen viele Widerstände in Höchstadt die Palliativeinheit "Lichtblick" am Kreiskrankenhaus St. Anna aufgebaut hat. Seit 2015 ist er in Rente und seine Kollegen Martin Grauer und Marcus Troyke sind zuständig, Laugwitz übernimmt die Urlaubsvertretung.

Die Einheit umfasst drei Betten und widmet sich Patienten mit unheilbaren Krankheiten im fortgeschrittenen Stadium. Ein multiprofessionelles Team sorgt für eine Verbesserung der Lebensqualität: Speziell geschulte Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Hospizhelfer, Seelsorger, Psychologen und Mitarbeiter vom Sozialdienst. Der Bereich ist gut ausgelastet, im vergangenen Jahr wurden rund 65 Patienten betreut. "Wir streben eine Entlassung in die vertraute häusliche Umgebung an", sagt Laugwitz. In 40 bis 45 Prozent der Fälle ist das möglich, schätzt der Mediziner. Andere ziehen um ins stationäre Hospiz nach Erlangen, ins Pflegeheim oder versterben vor Ort.

In der Verwaltung des Krankenhauses war vor zehn Jahren die Befürchtung groß, eine Palliativeinheit könnte dem Ruf von St. Anna schaden – frei nach dem Motto: "Nach Höchstadt geht man um zu sterben." Inzwischen hat sich herausgestellt, dass diese Bedenken unbegründet waren. "Lichtblick" wird auf sechs Betten erweitert, die Umbauarbeiten laufen mindestens noch bis zum Ende des Jahres.

"Ich finde, ein Arzt darf seinen Patienten nie alleine lassen", sagt Hans-Joachim Laugwitz, "auch wenn er ihn nicht mehr heilen kann." Diese Einstellung war sein Ansporn, die Palliativeinheit zu schaffen. "Wir können nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben."

Deswegen ist es wichtig, dass die Todkranken möglichst früh in Kontakt kommen mit der Palliativmedizin. Kommt beispielsweise ein Patient mit Gehirntumor, dann setzt das Team alles daran, die Symptome erträglicher zu machen. Es bekämpft Schwindel, Übelkeit, Depression oder Schmerzen — "so lange bis wir eine stabile Einstellung finden." Die Angehörigen werden dabei eng mit einbezogen, können rund um die Uhr dasein und auch auf der Station übernachten.

Laugwitz erinnert sich an einen Betroffenen mit dem Traum, noch eine große Motorradtour durch Südafrika zu machen. "Wir konnten helfen und haben ihm empfohlen, dass auch zu machen." Das ist natürlich ein großer Wunsch, kleinere sind leichter erfüllbar. "Viele Sterbende wünschen sich Kontakt zu Tieren", berichtet der Arzt. Dafür gab es zum Beispiel "Sunny", den Begleithund des ASB, der auch ans Krankenbett kam. Er ist inzwischen durch einen jüngeren Kollegen ersetzt worden. Auch das eigene Tier kann zum Patienten kommen, wenn es die erforderlichen Impfungen hat. Sonst wird als Treffpunkt das Zuhause gewählt. Sehr hilfreich dabei sind der ASB-Wünschewagen oder das Palliativmobil des BRK, die Sterbende an ihren Wunschort fahren. Das kann Zuhause sein, der Schrebergarten oder der Lieblingsplatz am Weiher.

Auch vor Ort erfüllt das Palliativ-team immer wieder Wünsche. Neben den leckeren Erdbeeren mit Sahne kann das spezielle Musik sein oder eine bunte Geburtstagsfeier. "Wir machen auch das Rauchen möglich, wenn das jemand dringend möchte", sagt Laugwitz. Einen Frisörtermin hat das Team ebenfalls schon organisiert. Die Patientin wollte gepflegt aussehen, wenn sie geht und ist tatsächlich am Tag nach dem Haarschnitt verstorben.

Häufig möchten die Todkranken noch Dinge in Ordnung zu bringen – dafür kommt unter Umständen der Notar ins Haus. Auch wenn es darum geht, späten Frieden zu finden mit Angehörigen helfen die Mitarbeiter bei der Suche oder vermitteln Gespräche. Diese Wünsche haben aber natürlich Grenzen. "Zu einer Aussöhnung gehören immer zwei." sagt Laugwitz. Am Sterbebett aber sind die meisten Menschen bereit dazu.

Wir wollen

den Tagen

mehr Leben geben 

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