Dienstag, 22.10.2019

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Sogar der Landesbischof kommt zur Feier in Hemhofen

Vor 50 Jahren wurde die Heilandskirche in Hemhofen eingeweiht. - 20.09.2019 17:15 Uhr

Aus Anlass des Jubiläums ist in der Heilandskirche eine Ausstellung aufgebaut – darin zu sehen sind auch die Osterkerzen der vergangenen Jahre, die hier Kantor Erich Koch, Pfarrerin Heike-Andrea Brunner-Wild und Martina Zunker (Kirchenvorstand) ansehen. © Foto: Katrin Bayer


Erich Koch, Kantor der evangelischen Gemeinde, erinnert sich noch gut an die Bauzeit der Heilandskirche vor gut 50 Jahren, die er als Kind miterlebt hat. Die Freude der Gemeindemitglieder, bald eine eigene Kirche zu haben. Die staunenden Blicke der Menschen, die sich eines Tages vor der Baustelle versammelt haben, um mitzuerleben, wie der Kran die große Glocke in den Turm hebt – und die letztlich unberechtigten Zweifel dabei, ob die Glocke denn wirklich durch das kleine Loch passen würde.

Mit einem Kran wurde seinerzeit das Dach auf die Heilandskirche gehoben. © Archivfoto: Evangelische Kirchengemeinde


Am 5. Oktober 1969 fand die große Einweihung des aus Kirche, Pfarrhaus und Saal bestehenden Gemeindezentrums statt, bestanden hatte die evangelische Pfarrei zu diesem Zeitpunkt schon 150 Jahre. Noch viel länger, nämlich seit 1716, hatten sich die evangelischen Christen mit Erlaubnis der Patronatsherren Winkler von Mohrenfels zum Gottesdienst im Betsaal des Hemhofener Schlosses getroffen, dort Taufen und Hochzeiten gefeiert.

Doch irgendwann wurde klar, dass die Protestanten eine eigene Kirche brauchten. "Der Betsaal im Schloss war zu klein geworden", weiß Pfarrerin Heike-Andrea Brunner-Wild aus Erzählungen und alten Aufzeichnungen.

Flüchtlinge und Menschen aus dem Umland waren nach Hemhofen gezogen, hatten die Kirchengemeinde, zu der auch Zeckern, Röttenbach sowie Heroldsbach samt Ortsteilen gehören, in den 1950er und 60er Jahre wachsen lassen. Zwar hatte man den Betsaal durch das sogenannte "Stübla" erweitert, doch konnten die meisten Gläubigen von diesem Raum aus den Pfarrer zwar hören, aber nicht sehen. "Das war wie Radiogottesdienst", erinnert sich Erich Koch.

Kalt sei es im Winter im Betsaal zudem gewesen und baufällig war er auch. "Ein Teil der Decke hatte sich gelöst, der Fußboden war löchrig", sagt Pfarrerin Brunner-Wild. Außerdem hätten die Katholiken des Dorfes bereits einige Jahre zuvor eine eigene Kirche gebaut – der Wunsch nach einem ebenfalls eigenen Kirchengebäude wuchs also.

Zudem entsprach das Pfarrhaus nicht mehr den Bedürfnissen einer Pfarrersfamilie, die Gruppen, die sich in der Kirchengemeinde gegründet hatten, brauchten mehr Platz. Ein richtiges Gemeindezentrum musste her. "Die Zustände insgesamt sind untragbar", hieß es 1964 in einem Brief an das Landeskirchenamt.

Die Landeskirche erhörte den Wunsch. Sie übernahm die gesamten Baukosten, lediglich für die Innenausstattung musste die Gemeinde selbst aufkommen. Bei Haussammlungen erwiesen sich die Gläubigen dann auch als überaus spendenfreudig.

Die alte Orgel jedoch nahm man vorerst aus dem Schloss mit. "Da trauten sie sich anfangs nicht, gleich eine neue zu bestellen", so Kantor Koch. Auch wenn man damals schon gewusst hätte, dass dies nur eine Übergangslösung sein könnte. 1983 wurde schließlich die neue Jann-Orgel eingeweiht. Sieben Jahre später folgte eine weitere große Investition: der große farbenfrohe Wandteppich, der seither die vorher weiße Wand hinter dem Altar ziert.

Die Gläubigen fühlen sich in ihrer Kirche nach wie vor offensichtlich sehr wohl: Eine "richtige Gemeindekirche" sei sie, lobt Brunner-Wild. Koch hat es ihre "zeitlose Schlichtheit" angetan und Martina Zunker, die Vertrauensperson im Kirchenvorstand, lobt "die tolle Akustik".

Das große Jubiläumsfest zu "50 Jahre Heilandskirche" findet am Erntedank-Sonntag, 6. Oktober, statt. Ehrengast wird dabei Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sein. "Der Kirchenvorstand hat sich vor zwei Jahren getraut, den Landesbischof einzuladen", sagt Brunner-Wild. Eigentlich hatte man bereits die Absage auf dem Tisch, aber dann entschied sich Bedford-Strohm doch nach Hemhofen zu kommen – auch wenn für Termine dieser Größenordnung sonst eigentlich Geistliche niedrigerer Hierarchieebenen zuständig sind. Darüber hinaus wird beim Fest unter anderem Pfarrer Heinrich Plößel dabei sein, der den Bau vor 50 Jahren als Gemeindepfarrer begleitete.

Geplant ist in Erinnerung an die alte Zeit ein kleiner Festzug vom Schlosshof zur Heilandskirche. Dort beginnt um 10 Uhr der Festgottesdienst, bei dem Bedford-Strohm predigen wird. "Und dann wäre es super, wenn uns die Plätze in der Kirche nicht ausreichen", so Brunner-Wild. Der Vorplatz der Kirche wird deshalb überdacht, um mehr Platz für Gottesdienstbesucher zu schaffen.

Nach dem Gottesdienst geht es weiter in die Mehrzweckhalle, wo nach einem Empfang mit Grußworten das Mittagessen serviert wird. Gegen 14 Uhr ist eine Fragerunde mit dem Landesbischof geplant, für die bereits Fragen der Gemeindemitglieder gesammelt werden.

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