Donnerstag, 06.05.2021

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Steinbacher Unternehmen: Erfolg mit Paradeprodukt der Saatzucht

115 Jahre alt: Traditionsfirma Breun arbeitet an klimaresistenten Sorten wie "Avalon" - 19.04.2021 06:00 Uhr

Seniorchef Josef Breun und sein Sohn Martin (r.) inmitten von Getreidefeldern. Mit Saatzucht jenseits von Gentechnik bauten die Breuns über Generationen ihr Geschäft auf.

18.04.2021 © Foto: Max Danhauser


Schon seit Februar des vergangenen Jahres gibt es einen Pandemieplan: Masken, Lüften, Luftreiniger. Und, wenn möglich, Homeoffice.

Vor 115 Jahren gründete Martin Breuns Urgroßvater Johann Baptist Breun das Unternehmen am Galgenhof, selektierte zunächst Sommergerste im Auftrag der Landessaatzuchtanstalt Weihenstephan, bis er eigene Sorten züchtete. 1928 übernahm Ulrich Breun, dessen Sohn Josef 1964, der Vater von Martin Breun. Der steht nun seit 2007 in vierter Generation an der Spitze des Unternehmens.

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Mittlerweile hat es drei Standorte in Deutschland. Neben Steinbach noch in Lenglern bei Göttingen und in Morgenrot bei Quedlinburg. Das Unternehmen züchtet neue Sorten von Winterweizen, Sommer- und Wintergerste und platziert sie am Markt – weltweit.

Linzenz pro Tonne

Doch wie verdient man damit Geld? "Von jeder Tonne verkauftem Saatgut bekommen wir eine Lizenz", sagt Martin Breun. Doch bis das verkauft werden kann, ist es ein weiter Weg. Und ein kostspieliger.

Die Entwicklung einer neuen Sorte koste bis zu 1,5 Millionen Euro. Aus jedem Korn einer Ähre wird der Staubbeutel in Handarbeit entfernt, einer aus einer anderen eingesetzt. Mehrere Generationen werden daraus gezüchtet und selektiert. Nur die Pflanzenlinien mit den gewünschten Eigenschaften gelangen weiter. Samen kommen zum Beispiel nach Neuseeland, wo sie im Winter angepflanzt werden.

„Saatzucht Breun“ hat 2017 mit einem Fest an die Gründung des Familienunternehmens vor 111 Jahren erinnert. In Steinbach war ein großes Zelt aufgebaut worden. Kunden und Vertriebspartner, alte Weggefährten, Politiker und Agrarexperten wurden von Firmenchef Martin Breun (Foto) begrüßt.

27.06.2017 © F.: Kronau


So verliert das Unternehmen weniger Zeit. Wenn das Ergebnis nach ein paar Jahren zufriedenstellend ist, beantragt Breun die Zulassung.

"Nur wenn die Sorte besser ist als alles bisher, bekomme ich die Zulassung", sagt er. Bis man die hat, sind im schnellsten Fall sechs Jahre vergangen.

Mit den Standorten kann Breun alle Klimata in Deutschland abdecken. Alleine schon auf den rund 120 Feldern, die rund um Herzogenaurach liegen. Eines ist mehr auf einer Anhöhe, das nächste liegt im Windschatten eines Waldes. Gute Bedingungen für die Sortenzüchtung. "So hat jedes Feld sein eigenes Mikroklima", erklärt Breun.

Klimata abbilden

Um Klimata aus anderen Ländern zu testen, gibt es internationale Kooperationen. In 50 Länder wird Saatgut von Breun exportiert, 120 Partner helfen dabei. Mit Erfolg. Denn mit Braugersten wie "Scarlett" hat sich das Unternehmen international einen Namen gemacht. Auch in Deutschland.

Die "Avalon" sei die "Königin unter den Braugersten", wie es gerne heißt. Eine Zucht aus Steinbach. Und sie findet sich in gut 30 Prozent aller deutschen Biere wieder, schätzt Martin Breun.

Seit 2007 ist auch das Markerlabor in Betrieb, in dem das Genmaterial der Pflanzen auf Krankheitsresistenz untersucht wird. Breun betont: "Wir verändern nichts." Es wird quasi nur ausgelesen, ob bei einer Pflanze Gene zum Beispiel für Krankheitsresistenz vorhanden sind. Wenn nicht, wird sie aussortiert.

Nicht nur im Labor allein ist das Unternehmen aktiv. Auch mit der Forschung gibt es eine enge Zusammenarbeit. Mehrere Projekte laufen jährlich. Wo ist für einen Mittelständler wie Breun da der Antrieb?

"Dem Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein und dem Landwirt bessere Sorten zu bieten", sagt er. Wenn alles glatt läuft, kommt eine möglichst krankheitsresistente Sorte raus. Dann muss auch weniger gespritzt werden. "Das ist ein Antrieb, den wir haben", sagt Breun. Kosteneinsparung für Landwirte. Und etwas für die Umwelt.

Trockenheit wird schlimmer

Den Klimawandel bekommt auch Saatzucht Breun zu spüren. "Die Trockenheit wird immer schlimmer", sagt Martin Breun. Die Erträge schwinden, wenn Niedrigwasser oder Trockenheit herrschen. Sorten würden zudem immer frühreifer.

Kann man mit der Saatzucht dem Klimawandel etwas entgegensetzen? "Ja, aber nur bedingt", sagt Breun. Er selbst lebe klimabewusst. Gebäude würden gedämmt, er sei seit fünf Jahren Tesla-Fahrer und setze auf sparsame Maschinen.

Auch mit den richtig gezüchteten Sorten lässt sich Energie sparen. Mit der Braugerste "Leandra" beispielsweise, eine weitere Kreuzung der Avalon. Bei der Verarbeitung ließen sich mit solchen sogenannten Fleximalz-Braugersten sieben Prozent Wasser sparen.

Mit Team durch Pandemie

Pro verarbeiteter Tonne entspräche das einer Energiemenge von 210 Kilowattstunden. Bei der angebauten Menge der Sorte könnte ein Elektrofahrzeug mit der eingesparten Energie über 8700 Mal um die Erde fahren, rechnet Breun in einer Schätzung vor.

Doch alle diese Entwicklungen wären nicht ohne die Mitarbeiter möglich. 54 sind es, von Juni bis Oktober kommen noch mal 40 bis 50 Erntehelfer dazu. "Ein Team, mit dem man durch dick und dünn gehen kann", sagt Breun. Auch durch eine Pandemie.

Vielleicht auch wegen der frühen Vorsichtsmaßnahmen im Februar 2020. Bislang habe es im Unternehmen keine Infektion gegeben.

MAX DANHAUSER

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