Stunde der Wintervögel: Der Spatz macht das Rennen

15.1.2021, 12:00 Uhr
Der LBV freut sich über eine Rekordbeteiligung bei der „Stunde der Wintervögel“. Am häufigsten wurde der Haussperling (Spatz) gesichtet.

Der LBV freut sich über eine Rekordbeteiligung bei der „Stunde der Wintervögel“. Am häufigsten wurde der Haussperling (Spatz) gesichtet. © Foto: LBV/Ingo Rittscher

"Dank der großen Unterstützung von vielen 1000 interessierten Naturfreundinnen und Naturfreunden erklärt die ,Stunde der Wintervögel‘ mit dem vermehrten Auftreten von Erlenzeisigen und Wacholderdrosseln einmal mehr winterliche Naturphänomene", so die LBV-Biologin Annika Lange.

Nach einer ersten Zwischenbilanz ist derzeit der Haussperling bzw. Spatz der am häufigsten beobachtete Wintervogel in Bayern und rangiert klar vor dem Feldsperling auf Platz zwei und der Kohlmeise auf Platz drei.

Nach dem Eingang von ungefähr einem Drittel der Meldungen zeichnete sich eine neue Rekordbeteiligung ab – wohl auch bedingt durch den Corona-Lockdown, weil dadurch mehr Menschen die Gelegenheit haben, die Natur vor der eigenen Haustür zu entdecken. Noch bis zum 18. Januar können Teilnehmende dem LBV ihre Beobachtungen vom vergangenen Wochenende schriftlich oder online melden unter www.stunde-der-wintervoegel.de

Zwar fällt der Einflug der Erlenzeisige aus Nordeuropa nicht ganz so stark aus wie vor zwei und vor fünf Jahren, trotzdem ist der kleine gelb-grün gestreifte Fink diesen Winter im Schnitt in jedem fünften bayerischen Garten zu sehen.

Zweite Brut der Erlenzeisige

"Wahrscheinlich wurde einigen Erlenzeisigen durch günstige Bedingungen eine zweite Brut und eine erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungen ermöglicht. Wegen des gestiegenen Bestands in ihren nördlichen Brutgebieten reicht derzeit die Nahrung dort nicht für alle, weshalb ein Teil der Vögel zum Überwintern zu uns nach Süden ausweichen musste", erklärt Lange. Durch den kleinen Einflug aus dem Norden schafft der Erlenzeisig mit Platz sieben auch den Sprung in die Top Ten der am häufigsten im Freistaat gemeldeten Wintervögel.

Während der Erlenzeisig fast bayernweit vermehrt gesichtet wird, wobei aktuell die Schwerpunkte im Osten und Süden des Freistaats zu liegen scheinen, stammt die Mehrheit der Meldungen von Schwärmen der Wacholderdrossel bisher aus Nord- und Westbayern. Verglichen mit den anderen Drosseln Mitteleuropas ist sie auffallend bunt, denn ihr oberer Rücken ist rötlich braun, der Kopf und der untere Rücken sind hellgrau und die Brust ist schwarz gestrichelt.

Von gutem Obstjahr profitiert

"Wie auch alle anderen Drosselarten profitiert sie von einem guten Obstjahr, und so beschert ihr die Natur diesen Winter zahlreiche Früchte, die immer noch an den Bäumen hängen und den Vögeln als wertvolle natürliche Nahrung dienen", so die LBV-Biologin. Normalerweise ist die Wacholderdrossel eine Vogelart, die es gerade so unter die 30 am häufigsten beobachteten Wintervögel schafft. Derzeit rangiert sie in Bayern unter den Top 15.

Weniger häufig hingegen wurden Kohlmeise und Blaumeise, aber auch weitere Meisenarten wie Hauben- und Tannenmeise gesichtet. Ob dies auch an der vor allem für zahlreiche Blaumeisen tödlichen Vogelkrankheit vom Frühjahr 2020 liegt, müssen genauere regionale Betrachtungen noch zeigen. Hauptursache für die geringen Meldungen von Meisen dürfte allerdings der europaweit relativ milde Winter sein. "Oft verbringen auch viele Meisen aus Nord- und Osteuropa die kalte Jahreszeit bei uns. Finden sie in ihrem Brutgebiet aber noch genügend zu fressen, ziehen im Winter weniger Vögel bis zu uns", sagt Lange.

Insgesamt wurden bisher durchschnittlich nur 32 Vögel pro Garten gezählt, so wenige wie noch nie bei der Mitmachaktion. "Typische Waldvögel wie Buntspecht, Buchfink, Eichelhäher, Gimpel und Kernbeißer wurden dieses Mal weniger beobachtet, was auf eine gute Verfügbarkeit von Nahrung in der Natur zurückzuführen ist, schließlich war der Dezember bei uns sehr warm", erklärt die LBV-Biologin weiter.

Vorläufige Top Ten

In den vorläufigen Top Ten landet nach Haussperling, Feldsperling und Kohlmeise die Amsel auf Platz vier und schiebt sich damit im Vergleich zum Vorjahr vor die Blaumeise (5). Auf Position sechs fliegt der Buchfink, dahinter rangiert der Erlenzeisig (7). Platz acht belegt der Grünfink vor der Elster (9). Das Rotkehlchen beschließt die Top Ten.

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