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Südumgehung: BN ist entsetzt über Flächenverbrauch

Naturschützer starteten Etappenwanderung entlang der geplanten Südumgehung - 07.02.2017 06:00 Uhr

Christian von Reitzenstein (Mitte) führte eine Gruppe entlang der Trasse. Gekommen waren viele Gegner der Südumgehung, aber auch manche neutrale Beobachter. © Foto: Matthias Kronau


Ausgangspunkt der „Wanderung“ war in der Nähe des Schaeffler-Osttores, auf Höhe des Aurachtal-Radweg, also ungefähr dort, wo in Zukunft einmal der „Anstich“ der Umgehung an die Hans-Maier-Straße erfolgen soll.

Von Osttor auf die Anhöhe

Da an einem Nachmittag das Abgehen der gesamten Trasse unmöglich war, plant der BN mehrere Etappen. Am Sonntag ging es vom Osttor lediglich bis hinauf auf die Anhöhe, von der aus man schon wieder ins Tal des Litzelsbaches blicken kann. Doch schon diese kurze Strecke bot Diskussionsstoff genug.

Vielen der rund 300 Mitgliedern der BN-Ortsgruppe Herzogenaurach sträuben sich die Haare angesichts der Ressourcen-Vernichtung entlang der geplanten Südumgehung, fassten die Organisatoren der „Trassen-Begehung“, Ortsvorsitzender Gerhard Häfner, sein Stellvertreter Horst Eisenack und Christian von Reitzenstein, zusammen.

Demnach, so Eisenack, würden für die komplette Trasse  22,3 Hektar Fläche benötigt; für die Straße selbst rund fünf Hektar. Die Weglänge, fuhr Eisenack fort, betrage 5,29 Kilometer und die führe durch eine weitgehend (noch) intakte Landschaft.

Eisenack, Häfner und Reitzenstein sprachen von verschiedenen Fledermausarten, von 19 Vogelarten, Zauneidechsen, Libellenarten, Heuschrecken, Schmetterlinge. „Sucht man da vielleicht nur den einfachsten Weg auf Kosten der Natur? Ich bin mir sicher, dass es Alternativen für die Umgehung gibt“, meinte BN-Kreisvorsitzender Helmut König.

Ulrike Schröder (Mitte) im Gespräch mit BN-Vorsitzenden Gerhard Häfner: Wie sieht es aus mit den Flächen, die für den Bau der Südumgehung benötigt werden? © Foto: Spörlein


Mit der „Trassen-Wanderung“ wollte der BN den Betroffenen, auch jenen, die voraussichtlich Grundstücke abtreten müssen, „ein Gefühl dafür geben, was da auf uns zukommt“, hieß es. Weil am Sonntagnachmittag unerwartet viele Bürger kamen, mussten drei Gruppen gebildet werden, um die einzelnen „Brennpunkte“ anzusteuern.

Artenreiche Wiesen

Vom Ausgangspunkt weg werde laut Eisenack für die zweispurige Umgehung ein Damm für die Umfahrung gebaut, der rund drei Meter hoch sein müsse und an der Basis zirka 20 Meter breit sein wird. Gegenüber der INA-Warenanlieferung verwies Eisenack auf das bestehende Landschaftsschutzgebiet mit einer artenreichen Wiese zwischen alten Bahngleisen und der Galgenhofer-Straße. Hier gebe es zwei geschützte Biotope gemäß Bayerischem Naturschutzgesetz; und vier Verkehrswege würden sich an dieser Engstelle treffen: die neue Umgehung, die alte Bahnlinie, die Galgenhofer Straße und ein Fahrradweg. Die alte Bahnlinie soll an dieser Stelle hier für die Südumgehung weichen.

Straße statt Wald

Der sowieso schon enge Bereich solle bei einer Realisierung mit einer drei Meter hohen Stützmauer gesichert werden, berichtete Horst Eisenack seiner Gruppe. Kurz vor den Toren von Hauptendorf (Höhe Wasserhäuschen) sei ein Kreisverkehr wegen der flüssigen Verkehrsführung hin zu INA in Planung; ein Brückenbauwerk über den Schleifmühlbach sei hier auch noch nötig. Das kleine Wäldchen oberhalb vom Ortseingang zu Hauptendorf müsse zumindest am Rand wohl gerodet werden. Eisenack: „Das ist ein wichtiger Lebensraum geschützter Arten.“ Eichen, Kiefern, Buchen, Hainbuchen, Wildkirsche und nicht zuletzt der Holunder würden hier einen bedeutsamen Mischwald bilden.

Ungefähr hier befindet sich auch ein rund 4000 Quadratmeter großes Grundstück von Ulrike Schröder, die befürchtet, dass sie ihre Flächen im Zuge der weiteren Planungen abgeben müsse. Das stehe überhaupt noch nicht fest, meinte Silke Stadter vom Planungsamt der Stadt, die sich intensiv mit der Südumgehung beschäftigt und ebenfalls bei der Begehung dabei war. Aktuell, so Stadter, sei man noch in einer frühen Phase der Entwurfsplanung und beschäftige sich längst noch nicht mit Grundstücksverhandlungen.

Wann das mit dem Erwerb von nötigem Grund soweit sei, „das wissen wir derzeit noch nicht genau“, betonte sie. Erst wenn das Planfeststellungsverfahren im Herbst 2017 bei der Regierung vorgelegt werde, dann sei auch ein auf den Quadratmeter genauer Grunderwerbsplan fertig.

„Tiefe Einschnitte, lange Brücken, hohe Dämme verschandeln die Natur“, betonten viele Mitwanderer, und sie waren sich sicher, dass dies nicht die letzte Aktion gegen die in dieser Form geplanten Südumgehung gewesen war.

  

NIKO SPÖRLEIN

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