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Tummelplatz für Dunkelmänner

Journalist Stefan Mey klärte über das "Darknet" auf - Daten geschützt - 10.10.2019 15:57 Uhr

Über den Browser „Tor“ kann man von jedem Computer aus ins Darknet gelangen und dort anonym surfen. © Archivfoto: Karl.josef Hildenbrand, dpa


Auf die Frage zu Beginn, wer denn schon mal im Darknet war, meldete sich nur ein Besucher. Es handle sich um ein digitales Netz, das sich vom "normalen" Netz abschirme, wie Vortragender Mey erklärte. Mittels des Browsers "Tor" könne ganz legal über drei Knotenpunkte, also andere Servern, die eigene IP-Adresse verschleiert werden, so sei anonymes Surfen im Internet möglich.

Marktplatz für Drogen

Wird auch die IP-Adresse der Zielwebsite verschlüsselt, spreche man vom Darknet. Die Seiten enden dann auf ".onion" (englisch für "Zwiebel"), denn die Anonymisierung erfolge ähnlich wie bei einer Zwiebel: Mit den Daten im Kern und den Knotenpunkten als Schale. Diese "Knoten" würden ehrenamtlich zum Beispiel von Vereinen und Initiativen zur Verfügung gestellt, eine Vielzahl davon auch in Deutschland.

Darknetspezialist Stefan May.


Doch Stefan Mey hat erfahren: "Vieles, was im Darknet passiert, ist illegal". So berichtete er von Kinderpornografie-Plattformen, Waffen- und Drogenkäufen. Gerade Drogenmarktplätze im Darknet, die größtenteils aussehen wie die gewohnten Onlinehandel-Plattformen, werden oft genutzt. Bezahlt werde mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen. Doch Postversand und Kundenbewertungen laufen wie beim normalen Onlinehandel.

Cybercrime finde nicht nur im Darknet statt, sondern überall im Netz. Facebook sei tausendmal größer als das Darknet, sagte Mey. Dort würden in geschlossenen Gruppen wohl mehr Drogen gehandelt als im Darknet.

Dennoch gäbe es eine Art Untergrundmoral im Darknet, Kinderpornografie, Organhandel und Ähnliches seien eigentlich tabu, kommen aber doch vor. Das Darknet sei kein rechtsfreier Raum. Manche Plattformen würden immer wieder von den Behörden weltweit dichtgemacht.

Auch ein politisches Darknet gebe es, dessen Inhalte aber auch im normalen Netz zu finden seien. Eine weitere Möglichkeit des versteckten Webs: Große Medienunternehmen wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) oder die "tageszeitung" (taz) bieten Whistleblower-Portale an. Insider können dort anonym Daten zu Skandalen übermitteln und können – anders als zum Beispiel einst Edward Snowden – anonym bleiben.

Hier kann einer anonym bleiben

Das Darknet, heißt es oft, sei viel größer als das uns bekannte "normale" Netz. Dieses "Eisbergbild" sei aber Unsinn, sagte Referent Stefan Mey. Täglich gebe es weltweit zwei Millionen Darknet-User (in Deutschland etwa 180 000), allein Facebook hätte täglich eine Milliarde User. Auch gebe es insgesamt gut 120 000 Darknet-Adressen. Allein unter ".de" fänden sich rund 16 Millionen.

Das Darknet schütze durch Anonymisierung auch die Daten jedes Einzelnen. Die fünf größten Digitalkonzerne Google, Facebook, Apple, Microsoft und Amazon hätten ein Datenmonopol, würden Unmengen sensibler Daten von Individuen speichern. Diese würde auch gerne von Geheimdiensten abgegriffen, wie spätestens seit Edward Snowden bekannt sei.

Mit einem Statement schloss Stefan Mey seinen Vortrag: "Wenn es das Darknet nicht gäbe, müsste man es erfinden."

MAX DANHAUSER

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