Freitag, 15.11.2019

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Über Grenzen hinweg gemeinsam aktiv

Beim internationalen Workcamp in Vestenbergsgreuth packen zwölf Freiwillige aus sieben Ländern an - 15.07.2016 06:00 Uhr

Internationale Zusammenarbeit in Vestenbergsgreuth: Die Französin Ludivine Birk und die beiden Italiener Simone Apostoli und Fabrizio Quaglia (v.l.) bauen beim Workcamp Bänke. © Foto: Schulte


Pau Jimenez kommen die Tränen, während er von den ersten Tagen im Jugendcamp erzählt. Das liegt allerdings daran, dass der 21-Jährige aus Barcelona gerade Zwiebeln schneidet. Gemeinsam mit seiner Campkollegin Ludivine Birk aus Frankreich ist er an diesem Tag fürs Mittagessen im Selbstversorgerhaus zuständig – ein leckerer vegetarischer Auflauf steht auf der Speisekarte. „Es ist mein erstes Workcamp“, berichtet Pau mit sichtbarem Enthusiasmus. „Die Atmosphäre ist toll, man lernt viele Leute kennen und kommt in Kontakt mit anderen Kulturen“, sagt der Student, der auch seine Deutschkenntnisse ein wenig festigen will. Die offizielle Campsprache allerdings ist Englisch. Die 18-jährige Ludivine, die schon an Workcamps in Finnland, Belgien und Estland teilgenommen hat, freut sich jedesmal darauf.

Verständigungsschwierigkeiten gibt es unter den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Serbien, der Ukraine, Russland, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland ohnehin nicht. Die Projekte, an denen die Freiwilligen rund fünf Stunden täglich arbeiten, schweißen die Gruppe zusammen. Gemeinsam wird gekocht, gestrichen und gepflastert, es werden Bänke gebaut und Zäune repariert. Wo fachliche Hilfestellung benötigt wird, packen Handwerker aus der Region mit an. „Das ist ein tolles Gesamtkonzept“, freut sich Susanne Körner, die sich für den Kreisjugendring Erlangen-Höchstadt um die Gruppe kümmert. „Eine örtliche Schreinerei hat zum Beispiel das Material für die Bänke zugeschnitten und vorbereitet“, erläutert sie.

Mit einem internationalen Workcamp hatte 1994 die Geschichte des Jugendcamps begonnen. Seitdem kamen in mehrjährigen Abständen immer wieder junge Leute zum Arbeiten im Geiste der Völkerverständigung nach Vestenbergsgreuth. „Wir führen die Workcamps in Zusammenarbeit mit der Organisation ijgd (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) in Bonn durch — heuer bereits zum fünften Mal“, erklärt Kreisjugendring-Geschäftsführer Traugott Goßler.

Teambetreuerin Ivana Markovic begleitet die Gruppe im Auftrag des ijgd. Die Lehramtsstudentin aus Serbien hat schon mehrere Workcamps geleitet, ist aber zum ersten Mal in Bayern und von Land und Leuten sehr angetan. Auch die Campteilnehmer Simone Apostoli (16) und Fabrizio Quaglia (17) aus Italien freuen sich schon auf die hiesige Folklore. Von den Kirchweihen haben sie jedenfalls schon viel gehört.

Darauf ist auch die 17-jährige Anna Kipp aus Nordrhein-Westfalen gespannt. Sie findet es „lustig, in Deutschland Englisch zu sprechen“, sagt sie, während sie gemeinsam mit den beiden italienischen Jungs ein Zimmer des Jugendcamps in fröhlichem Orange streicht. Der gleichaltrige Schüler Theo Couzon aus Frankreich und der 20-jährige serbische Student Vuk Radoicic montieren derweil ein Schuhregal, die ukrainische Studentin Julia Igina (19) sucht die passenden Garderobenhaken heraus.

Bei allem Fleiß kommt natürlich die Freizeit nicht zu kurz. Stadtbesichtigungen, Ausflüge und eine Fahrt in die Fränkische Schweiz stehen fest auf dem Programm. Fast noch schöner ist aber ist der Feierabend im Camp. Nach dem gemeinsamen Abendessen werden Filme geschaut, wird geplaudert oder am Lagerfeuer Musik gemacht. Spätestens dann spielen unterschiedliche Nationalitäten und Sprachen keine Rolle mehr.

SILVIA SCHULTE

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