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Donnerstag, 20.06.2019

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Uehlfelderin ist Vize-Europameisterin im Eisstockschießen

Antonia Kachelmann ist eine Pionierein auf dem Eis - 21.02.2019 06:57 Uhr

© Foto: Beate Purucker


Aus der Ruhe konnte der Temperaturunterschied Kachelmann nicht bringen, im Gegenteil. Kälte sind Eisstockschützen gewohnt, über den Sonnenschein hat sie sich gefreut. "Wenn man weniger Kleidungsschichten übereinander hat, ist es auch angenehmer zu schießen", sagt sie.

In Südtirol erfolgreich: Antonia Kachelmann. © Foto: Purucker


Für die Uehlfelderin war es eine besondere Premiere: Es war nicht nur ihr erster internationaler Einsatz. Es war auch die erste Eisstock-Europameisterschaft in der Disziplin Weitschießen für Frauen überhaupt. Der Hintergrund: Möglichst schon 2022 soll der Sport olympisch werden. Der Verband muss dazu aber internationale Wettbewerbe in allen Disziplinen und für alle Geschlechter veranstalten.

Zusammen mit elf weiteren Sportlerinnen aus Deutschland, Österreich und Italien war Kachelmann also eine echte Pionierin. Und auch noch eine erfolgreiche: Auf 118,19 Meter feuerte sie ihren Eisstock. Die Siegerin, ebenfalls aus Deutschland, kam auf knapp 121 Meter. Kachelmann wurde Zweite.

Neben Titeln wie Frankenpokalsiegerin oder Bezirkspokalsiegerin kann sie sich jetzt auch Vize-Europameisterin nennen. Dabei ist sie es als Eisstockschützin ironischerweise gar nicht so sehr gewohnt, ihren Stock auf Eis zu schießen.

Dafür ist es in Uehlfeld die meiste Zeit des Jahres einfach nicht kalt genug. Stattdessen üben sie und ihre Vereinskameraden vom ESC in der Regel auf Asphalt. Viele der Top-Eisstockschützen aus Deutschland kommen aus Süddeutschland, weil hier das Wetter in der Regel frostiger ist. Dass eine Sportlerin aus Mittelfranken so weit vorne landet, darf als Überraschung gewertet werden. Zumal Kachelmann selbst im eigenen Team nicht die Top-Favoritin war.

Um sich auf die EM vorzubereiten, hat Kachelmann deshalb sogar extra das Höchstadter Eisstadion gemietet oder mit einem Bekannten in der Selber Eishockey-Halle geübt, um zu sehen, wie ihr Stock auf dem gefrorenen Nass am besten flitzt.

Eisstockschießen mag eine Randsportart sein, aber dafür eine der ältesten Wintersportarten der Welt. Schon im 13. Jahrhundert haben die Menschen in Gebieten, in denen im Winter die Seen gefroren – in Skandinavien, im Alpenraum, in Holland – ihre Stöcke übers Eis schießen lassen.

Antonia Kachelmann, 22 Jahre alt, macht das seit mittlerweile neun Jahren. Ein Bekannter hatte sie überredet, es doch einmal beim ESC Uehlfeld zu probieren. "Man braucht viel Konzentration, eine gute Hand-Augen-Koordination und viel Training", erzählt Kachelmann.

Eisstockschießen ist ein Präzisionssport, bei dem es drei Sparten gibt. Nur bei einer geht es um die beste Weite, beim Zielwettbewerb müssen Ringe möglichst genau getroffen werden, im Mannschaftsspiel treten zwei Teams gegeneinander an. Kachelmann beherrscht alle drei Sparten, aber das Weitschießen ist ihre Paradedisziplin.

Und jetzt nach Peking?

Eine gute Mischung aus Mentalität, Technik und körperlicher Anstrengung biete ihr der Sport, sagt die Uehlfelderin: "Wenn man zu aufgeregt ist, kommt man auch mit der Technik ins Schwimmen. Aber man braucht Technik und Kraft, um den Eisstock weit zu bringen." Zwei- bis dreimal die Woche trainiert Kachelmann deshalb, dazu kommen Laufeinheiten und Krafttraining für Rücken und Arme.

Noch ist nicht klar, ob das Eisstockschießen wirklich schon bei den Spielen in Peking 2022 olympisch wird. Möglich ist es. Für Antonia Kachelmann wäre es ein Traum. Das nächste Ziel sind aber erst mal die Weltmeisterschaften. Und für Olympia sind noch mindestens drei Jahre Zeit, um sich auf dem Uehlfelder Asphalt vorzubereiten. 

Alexander Pfaehler E-Mail

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