Mittwoch, 21.04.2021

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Ungeliebte Rückkehr zum Präsenzunterricht in ERH

Scharfe Kritik an der Regelung für Abschluss-Klassen - 02.02.2021 10:57 Uhr

Zumindest in den Abschlussklassen sind die Plätze in den Klassenzimmern nicht länger verwaist. Die teilweise Rückkehr in den Präsenzunterricht wird allerdings von Lehrkräften wie Schülervertretern heftig kritisiert.

01.02.2021 © Soeren Stache/dpa


Die Rückkehr der Q 12 in die Schulen kommt nicht nur aus Schells Sicht zur Unzeit. Die BayDV, Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien e. V., deren mittelfränkischer Bezirksvorsitzender Norbert Schell ist, nennt das Vorgehen des bayerischen Kultusministeriums "eine mehr als unglückliche Entscheidung zur falschen Zeit", die bei den Betroffenen – Lehrkräften, Schülern und Eltern – "Reaktionen von Unverständnis bis hin zu unverhohlen geäußerter Empörung" ausgelöst hätte.

Wichtigkeit des Infektionsschutzes betont

Der Landesschülerrat in Bayern ist sich in dieser Hinsicht mit den Lehrerinnen und Lehrern einig und betont die Wichtigkeit des Infektionsschutzes gerade im Hinblick auf die mutierten Varianten von Covid-19, die nach ersten Erkenntnissen auch jüngere Menschen leichter als das bisher bekannte Virus befallen können.

"Die allermeisten Schulen empfinden jetzt die Rückkehr zum Wechselunterricht in halben Gruppen als eindeutigen Rückschritt. Natürlich ist Präsenzunterricht besser als Distanzunterricht. Was sich der überwiegende Teil der Schulfamilie an den bayerischen Gymnasien aber wünscht, ist: Distanzunterricht für alle oder Präsenzunterricht für alle", schreibt die BayDV.

Strukturen kaputtgemacht

Norbert Schell ärgert, dass nun einige frisch geschaffene, nach seinen Worten "sehr gut funktionierende" Strukturen in Sachen Distanzunterricht ohne Not wieder kaputtgemacht würden. Denn: "Hybridunterricht lässt sich kaum umsetzen", das Lehrerteam müsse hin und her fahren, um beiden Unterrichtsformen gerecht zu werden.

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Am Gymnasium Höchstadt hat dessen Chef Roland Deinzer die zurückgekehrten Schülerinnen und Schüler der Q 12 – immerhin rund 50 junge Menschen, die bald Abitur machen sollen – persönlich mit Abstand und FFP2-Maske begrüßt. Die andere Hälfte war per Video zugeschaltet. Deinzer ist nach eigenem Bekunden froh, dass das Gymnasium Höchstadt beizeiten auf "Microsoft Teams" gesetzt habe, sodass der Fernunterricht nicht vom bekannt störanfälligen "Mebis"-Portal abhängt.

Spürbare Verunsicherung

Auch die Höchstadter Schulfamilie ist laut Deinzer "spürbar verunsichert", weil in der aktuellen Situation nicht abzuschätzen sei, ob der Präsenzunterricht nicht eine Verschlechterung im Vergleich zum Distanzunterricht darstellt. Die Stimmung sei den Umständen entsprechend dennoch gut und es sei auch der Wille da, die Situation zu meistern, obwohl das Sicherheitsbedürfnis durch die Rückkehr zum Präsenzunterricht eher einen Dämpfer bekomme, wie Deinzer zugibt.

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Mittel- und Realschulen haben noch ein wenig Zeit, ehe auch ihre Abschlussklassen nach ministerieller Order in den Präsenzunterricht zurückkehren. Herzogenaurachs Mittelschul-Leiter Nelmut Nicklas wird wie seine Kollegen an den Gymnasien dann tägliche Wechsel organisieren, um bei den Schülern keinen "Chill-Modus" aufkommen zu lassen. Wechsele man im Wochenrhythmus, dann sei die Gefahr groß, dass die Woche im "Homeschooling" als Ferienzeit aufgefasst werde.

Corona-Ausbrüche begrenzen

Die Einteilung in A- und B-Teams eint die Schultypen ebenfalls. Die Zweiteilung soll nicht zuletzt dafür sorgen, dass eventuelle Corona-Ausbrüche sich leichter begrenzen lassen und im Ernstfall nicht ganze Jahrgangsstufen außer Gefecht setzen.

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Norbert Schell preist den Distanzunterricht: Durchschnittlich 800 Videokonferenzen pro Woche seien ein Indiz dafür, dass Lehren und Lernen auf Distanz gut etabliert seien und nicht nur aus Schells Sicht die Pandemiephase überdauern werden.

"Vorbereitung auf Abi wird eher gebremst"

Deutliche Worte zur erneuten Umstellung des Unterrichtsprinzips findet die BayDV: "Der Distanzunterricht hat sich seit Ende der Weihnachtsferien dermaßen positiv entwickelt, dass der Wechselunterricht gerade für die Oberstufe nicht mehr die bessere Variante darstellt. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Vorbereitung auf das diesjährige Abitur durch die sich aus dem Wechselunterricht ergebenden Einschränkungen im Distanzunterricht eher gebremst wird", meint der Verein.

HANS VON DRAMINSKI

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