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Veranstaltungstechniker in der Corona-Krise: Live ist ersatzlos

Perspektive mit Schnelltests erhofft - 30.11.2020 06:00 Uhr

Die Bühne der Musikinitiative, 2019 am Kirchenplatz in Herzogenaurach, wurde von Florian Spiegel-Schmidt über Jahre beim Altstadtfest betreut. Verschiedenste Musikgruppen zeigten dort ihr Können.

29.11.2020 © Foto: Edith Kern-Miereisz


Das Altstadtfest Herzogenaurach mit der Bühne der Musikinitiative lange Jahre im Schlosshof, dann am Kirchenplatz oder die Herzogenauracher Kulturtage im Vereinshaus – Tontechniker Spiegel-Schmidt war im Hintergrund dabei.

Band-Auftritte von Fiddler’s Green, Konzerte im Löwensaal Nürnberg, Touren mit Theatergruppen oder Musikern ins europäische Ausland, in den Nahen Osten, nach Russland, Japan, Indien oder Südamerika – Spiegel-Schmidt verhalf den Akteuren zu Klang und Stimme, baute die Bühnentechnik auf.

"Die Veranstaltungsbranche hat goldene Jahre hinter sich, die Leute hatten Geld", so seine Rückschau. Manchmal waren die Events – seine Arbeitszeit war am Wochenende – so dicht gedrängt, dass man zu Beginn des März-Lockdowns sogar froh war, "dass alle runterfuhren".

Viel Nachdenklichkeit

Einige Zeit lang wurde aufgeräumt, repariert. Mit der Zeit jedoch kam viel Nachdenklichkeit. "Im März 2020 hatte ich die letzten Jobs, bis vor kurzem habe ich Solarmodule auf Dächer montiert", bilanziert der Veranstaltungstechniker, einer der oft zitierten Soloselbstständigen, die vergangenen Monate.

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Viele seiner Kollegen hätten übergangsweise solche Jobs angenommen, die Baubranche sei aufnahmefähig. Daran schloss sich die Erfahrung harter Arbeit an und eines Monatseinkommens, das bei einem Fünf-Tage-Job unter dem eines Drei-Tage-Einsatzes als Veranstaltungstechniker lag.

"Nicht rentabel"

Etwa fünf Aufträge hatte er seit Ausbruch der Corona-Pandemie – ein Online-Konzert, das mit Crowdfunding aufgezeichnet wurde, eine Konferenz bei Siemens, ein Open Air mit Fiddler’s Green, bestuhlt und auf Abstand, in Pegnitz.

"Finanziell ist das nicht rentabel", macht sich Spiegel-Schmidt keine Illusionen: "Einen Ersatz für Live gibt’s nicht." Fast erschreckend sei gewesen zu beobachten, wie schnell eine Branche passivgestellt war, auch Museen, Theater.

Veranstaltungstechniker Florian Spiegel-Schmidt montierte 2020 Solarmodule.

29.11.2020 © Foto: Edith Kern-Miereisz


Und auch diese Befürchtung treibt viele um: "Dass es ein So-wie-Vorher nicht mehr geben wird." Es sei damit zu rechnen, dass Firmen pleitegehen. Als Langzeit-Perspektive wird "in der schon immer kreativen Branche" diskutiert, größere Plätze zu buchen und Publikum nach Schnelltests einzulassen.

Gehofft wird zeitnah auf Verfügbarkeit eines verträglichen Impfstoffs – so wie in der ganzen Welt, um das alte Leben zurückzugewinnen." Wo sieht sich Florian Spiegel-Schmidt in einem Jahr? "Auf Tour. Selbst wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich den Beruf weitermachen."

EDITH KERN-MIEREISZ

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