Mittwoch, 23.10.2019

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"Vieles wird zu schlecht geredet"

Herzogenauracher Trainer Peter Müller findet für die Leichtathletik-WM in Doha viele lobende Worte. - 09.10.2019 06:16 Uhr

Ein „Herzoman“ in Arabien: Creve Armando Machava (mit dem Helfershirt des Kurztriathlons an der Aurach) und sein Trainer Peter Müller genossen die WM-Atmosphäre.


Für Peter Müller war die Weltmeisterschaft am Persischen Golf nämlich durchaus gelungen. Die Bedingungen für die Sportler seien dank des gekühlten Stadions sogar exzellent gewesen, was die Leistungen unterstrichen hätten: "Noch nie gab es eine WM auf solch einem hohen Niveau."

Anders sei es natürlich für die Langstreckler gewesen, die teils mitten in der Nacht auf die Straßen der Stadt geschickt wurden. Müller hatte den Marathon der Frauen verfolgt. "Ich bin nur zehn Minuten vom Hotel dorthin spaziert und war pitschnass." Die Athletinnen hingegen mussten bei immer noch 30 Grad und extremer Luftfeuchtigkeit alles geben - mit der Konsequenz, dass die Ausfallquote so hoch und die Siegerzeit so langsam wie noch nie war.

Bei den Disziplinen im Oval von Doha hingegen habe es fantastische Ergebnisse gegeben. Zwar seien in der Tat gerade an den Anfangstagen viele Tribünenplätze leer geblieben, aber die Stimmung sei trotzdem gut gewesen. Gerade an den ersten beiden Tagen seien die echten Fans angesichts des noch nicht gedrängten Programm halt immer zu den "Hot Spots" gepilgert und hätten dort gemeinsam angefeuert.

Der Höhepunkt war für Müller der Montag, als zunächst im Hochsprung der Frauen die Zwei-Meter-Marke gleich serienweise fiel, das Diskuswerfen der Männer für Spannung sorgte, dann Gesa-Felicitas Krause im Lauf über die 3000 Meter Hindernis die erste Medaille für Deutschland holte und zum krönenden Abschluss der katarische Lokalmatador Abderrahman Samba über 400 Meter Hürden Bronze gewann.

Gerade dieses Finale habe ihm, Müller, gezeigt, wie viel Arbeit noch vor ihm und seinem Schützling Creve Machava stehe. Der hätte selbst bei einer nochmaligen Steigerung seiner Bestzeit wohl keine Endlaufchance gehabt. Aber nach einer sehr langen Saison mit dem eigentlichen Höhepunkt African Games war der Akku des Mozambikaners leer. Seine normale Stärke, das Stehvermögen, konnte er nicht mehr aktivieren. Müller. "Dennoch war es eine überragende Saison. Jetzt soll er sich in der Heimat erholen und gern austoben – ab Ende Oktober beginnt dann die Vorbereitung auf Olympia 2020 in Tokio." Die Norm von 49,30 Sekunden ist das große Ziel.

"Olympia ist schließlich nochmal eine ganz andere Nummer als eine WM", betont Müller. Der hatte jedoch auch in Doha schon ein paar unvergessliche Erlebnisse. So quetschte sich beim Weitsprung ein Koloss im Dress der indischen Delegation vor ihn. Minutenlang unterhielten sich die beiden auf Englisch – bis sich herausstellte, das Deutsch für beide leichter war: Der Koloss war der einzige Mensch, der den Speer je über 100 Meter geschleudert hat: Uwe Hohn ist nun über einige Umwege als Wurdtrainer beim indischen Verband gelandet.

HOLGER PETER

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