Vom Räuber entführt, vom Puppentheater fasziniert

6.3.2017, 19:00 Uhr
Isolde und Siegfried Sperlich erwecken beim

Isolde und Siegfried Sperlich erwecken beim "Räuber Hotzenplotz" nicht nur die Handpuppen zum Leben, sie schlüpfen auch selbst in Rollen des Stücks. © Christian Enz

"Die Menschen in Höchstadt lieben uns", sagt Isolde Sperlich. Sie und ihr Ehemann Siegfried sind die Leiter und Akteure des Puppentheaters Karfunkel. "Gespielt haben wir hier schon seit Jahrzehnten. Zunächst in der Aischtalhalle und nun in der herrlichen Kulturfabrik", berichtet sie. "Und eigentlich ist es immer voll".

Diesmal haben die Burgpreppacher Puppenspieler einen Kinderbuch-Klassiker im Gepäck. Punkt 15 Uhr öffnet sich der Bühnenvorhang für "Der Räuber Hotzenplotz und die Kaffeemühle". Eine bekannte Geschichte – auch für die Kinder. "Man merkt, dass Eltern wieder mehr vorlesen", vermutet Siegfried Sperlich.

Die jungen Zuschauer werden bei Karfunkel immer wieder mit Fragen aktiv in die Aufführung eingebunden. "Dabei stellt man fest, dass die Kinder die Antworten und die Charaktere genau kennen". Allerdings gibt es Abstufungen. "Klassische Seppel-Geschichten will kaum noch einer sehen. Der Räuber Hotzenplotz hat dagegen Hochkonjunktur."

Weil ein Puppentheater von der Gunst zahlender Zuschauer lebt, hat sich Karfunkel an eine Neuinszenierung gewagt. Die Kernhandlung geschieht dabei zwar auf einer typischen Puppenbühne. Mit nur vier Händen wird dort mit bis zu fünf Puppen gleichzeitig gespielt. Dazu kommt die Bedienung von Licht und Ton, was den beiden Akteuren einiges abverlangt. Aber zusätzlich haben sie eine zweite Erzählebene eingeführt. Neben den Puppen stehen Isolde und Siegfried Sperlich nun als Oma und Räuber Hotzenplotz selbst auf der Bühne.

Ein Konzept, das bei den Besuchern ankommt. Ermöglicht es doch echte Interaktion zwischen Märchenfiguren und Publikum. Beispielsweise, als ein junger Zuschauer Hotzenplotz zuruft, er solle mit seinem Revolver Kasper und Seppel totschießen. "Man schießt niemanden tot", sagt der – selbsternannt – gefährlichste Räuber der Welt daraufhin. "Die Pistole ist statt mit Kugeln nur mit schwarzem Pfeffer geladen."

Gleichzeitig bieten die kurzen schauspielerischen Einlagen den Akteuren die Möglichkeit, auch ihr Improvisationstalent unter Beweis zu stellen. Etwa als sich im gleißenden Scheinwerferlicht die berühmte rote Nase von Hotzenplotz verselbstständigt.

Alles in allem gelingt dem Puppentheater Karfunkel mit "Der Räuber Hotzenplotz und die Kaffeemühle" eine charmante, zeitgemäße Erzählung. Niemand spürt, dass die Geschichte bereits über 40 Jahre auf dem Buckel hat und die Hauptfigur selbst in diesem Jahr sogar 55. Geburtstag feiert.

Vielmehr sind die Kinder so gebannt, dass auch während der Umbaupausen keine Unruhe aufkommt. Wie im Flug vergeht eine Stunde. Und ehe man sich versieht, sind die gestohlene Kaffeemühle zurück bei Oma, Kasper und Seppel aus der Hand des bösen Zauberers befreit und Hotzenplotz von Wachtmeister Dimpfelmoser ins Feuerwehrhaus gesperrt.

Der Räuber kommt aber schnell wieder frei – wollen die Theaterbesucher doch Fotos mit dem Schurken machen lassen. Und der genießt das Bad in der Menge, bevor die Koffer gepackt werden.

Denn die Hotzenplotz-Tournee geht weiter. Sie führt das Puppentheater Karfunkel in diesem Frühjahr über Weißenburg und Ebermannstadt bis nach Köln.

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