Von Laich und Larven: Wie der Aischgründer Karpfen aufwächst

26.4.2021, 08:59 Uhr
Mitarbeiter gießen zweijährige Karpfen in ein Hälterbecken.

Mitarbeiter gießen zweijährige Karpfen in ein Hälterbecken.

Im Hauptsitz von Walter Jakob in Mühlhausen sowie in der Bayerischen Landesanstalt für Fischerei in Höchstadt werden für die Brut ein großer weiblicher Fisch mit reifen Eiern (Rogner) und zwei Milchner (männliche, geschlechtsreife Fische) mit Samen eingesetzt. Wenn die Wassertemperatur stimmt kommen rund eine Million Eier heraus, die an Gummibürsten hängen bleiben und aus denen dann die Larven schlüpfen– wieder vorausgesetzt, die Bedingungen in der Umgebung sind gut.

"Weil das Ganze mit einem solch großen Arbeitsaufwand einhergeht, werden es immer weniger Fischbauern, die diese Arbeit auf sich nehmen", glaubt Jakob.

Kurzer Kopf, hoher Rücken

Nur fünf entsprechende Betriebe im Landkreis gibt es noch. Schon bei der Auswahl der Laichkarpfen schaut man genau auf das Aussehen der Muttertiere, wie auch Martin Oberle, der Leiter der Höchstadter Einrichtung, bestätigt. So will man wieder zurück zum ursprünglichen Karpfen kommen: Ein kurzer Kopf und ein hoher Rücken mache den echten Aischgründer Karpfen aus.

Rund eine Million Eier kommen bei der Vereinigung von Rogner und Milchner heraus, aus denen dann wiederum solche Larven schlüpfen.

Rund eine Million Eier kommen bei der Vereinigung von Rogner und Milchner heraus, aus denen dann wiederum solche Larven schlüpfen. © Foto: Paul Neudörfer

Nach einer Woche schlüpfen aus den Eiern die Larven. Auf einen Teelöffel gehen 2500 bis 3000 Larven. Nun haben sie eine Schwimmblase und schweben im Wasser.

Die Tiere kommen dann in einen speziellen Teich mit Naturnahrung. Mit zerkleinertem Futter wird nachgeholfen. Ist dieser Aufzuchtteich trüb, ist dies ein gutes Zeichen für den Teichwirt, denn dann gründelt der Kleinfisch und fühlt sich wohl. Bis zum Frühjahr hat der einjährige Karpfen ein Gewicht von 25 bis 40 Gramm.

Wenn die Räuber kommen

Fischreiher, Kormoran und Tauchenten sind die größten Feinde der Fischnachzucht. Jakob zeigt einen kleinen Karpfen, an dem Hackspuren zu sehen sind. Von diesen Jungtieren kommen nur zehn Prozent durch, weil die anderen von Vögeln gefressen werden.

So klein wirkt er fast putzig: Ein Karpfen im Alter von einem Jahr. Er wächst noch zwei Jahre bis er auf dem Teller landet.

So klein wirkt er fast putzig: Ein Karpfen im Alter von einem Jahr. Er wächst noch zwei Jahre bis er auf dem Teller landet. © Foto: Paul Neudörfer

Aus Angst verstecken sie sich in den Schilfgürteln, gelangen nicht mehr heraus und stellen das natürliche Fressen ein. Im zweiten Jahr kommen die Karpfen in einen Streckteich. Neben dem Naturfutter erhalten sie nun Getreide, das zunächst grob geschrotet ist. Im Herbst haben die Fische 250 bis 500 Gramm Gewicht und eine Größe von 20 bis 30 Zentimetern. Im Frühjahr werden diese Karpfen verkauft bzw. kommen in die normalen Weiher. In der Fischereischule züchtet man diese Fische zur Forschung und in eigenen Teichen.

Aus ganz Deutschland reisen angehende Fischwirte zur Höchstadter Einrichtung, um hier etwas von der Aufzucht bis zum Besatz über Karpfen zu lernen. Als dreijährige Fische werden diese dann in den Gastwirtschaften angeboten. 

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