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"Waldkrankenhaus" schließt seine Pforten

Obermembacher Biergarten mit Kultstatus öffnet nicht mehr — Gasthaus nur mit eingeschränktem Betrieb - 18.02.2019 19:00 Uhr

Ende eines Biergarten-Idylls: Das "Waldkrankenhaus" schließt. © Archivfoto: Hofmann


Ein kleiner Lichtblick sei aber vorab schon genannt: Die Wirtsleute Hans und Elfriede Gumbrecht planen, ab und zu das Gasthaus am Abend noch zu öffnen. Doch den Biergarten wird es nicht mehr geben. Aus Altersgründen wird der Betrieb eingestellt. Schließlich sind beide schon jenseits der 65. Außerdem habe man mit immer mehr Bürokratie und Auflagen zu kämpfen, klagt Hans Gumbrecht.

Seit beinahe 150 Jahren gibt es das Gasthaus Gumbrecht in Obermembach schon. Seit Anfang war es in Familienbesitz. Bis 1974 gab es im "Waldkrankenhaus" im Herbst auch noch eine eigene Kerwa. Und zweimal in seiner Geschichte wurde das Gasthaus von verheerenden Blitzeinschlägen heimgesucht: 1969 und Anfang der 2000er.

Legendär die Geschichte, wie es zum Namen "Waldkrankenhaus" kam: Früher kamen bei Krankmeldungen noch Detektive der Krankenversicherung zu den Arbeitern ins Haus, um die Krankheiten zu kontrollieren. Wenn Patienten aus Herzogenaurach und Umgebung zu Hause nicht anzutreffen waren, dann wussten die Detektive sofort, wo die Krankfeiernden zu finden waren: jenseits des Birkenbühl-Walds in Obermembach.

Bei Beutelsdorf ist der Weg ins „Waldkrankenhaus“ sogar beschildert. © Foto: Danhauser


Heute noch laufen oder radeln viele Herzogenauracher gerne durch den Birkenbühl in den Biergarten jenseits des Waldes. Nahe Beutelsdorf gibt es sogar ein Schild, das den Weg zum Biergarten ausweist. Ebenso kommen viele Routen von ausgeschilderten Fahrradwegen durch das Biergarten-Dorf. Und weil es eines der beliebtesten Ausflugsziele der Aurachstädter ist, gehört für so manchen Alteingesessenen Obermembach auch irgendwie zu Herzogenaurach dazu. Das "Erholungsdärfla" nennt das beschauliche, knapp 40-Seelen-Dorf der Herzogenauracher Heimatverein auf seiner Homepage.

Auch die Erlanger sind auf das zweite Waldkrankenhaus aufmerksam geworden und pilgern im Sommer in Scharen in das kleine Dorf in der Gemeinde Heßdorf. Durch die Mönau, das Waldstück zwischen der Gemeinde und Erlangen, führen gar Trampelpfade, deren Ende – wer hätte es gedacht – in Obermembach liegt.

An Obermembach kommt man eigentlich nicht zufällig vorbei, auch auf normalen Straßen nicht. Denn die Dorfstraße ist eine Sackgasse, die dort endet. Dies mag auch ein Erfolgsgeheimnis sein. Weit ab vom Schuss überzeugt das Gasthaus vor allem im Sommer mit ruhiger, idyllischer Lage. Der Biergarten bot rund 250 Sitzplätze und grenzt direkt an einen herrlichen Weiher.

Auch wenn die Schweine zur Wurstverarbeitung nicht mehr aus eigener Zucht stammen, so wird die Wurst im Hause Gumbrecht doch noch selbst gemacht.

Neben typisch fränkischen Brotzeiten gab es auch noch allerlei anderes: Zweimal die Woche, immer mittwochs und donnerstags, gab es bisher Schlachtschüssel. Besucherandrang war garantiert. Eine weitere Besonderheit: Die Gäste hatten Biere von drei verschiedenen Brauereien zur Auswahl. Ob nun die willkommene Abkühlung und Verschnaufpause auf diversen Rad- und Wandertouren oder der gezielte fränkische Brotzeitausflug: In Obermembach war für so ziemlich jeden etwas dabei.

Das "Waldkrankenhaus" ist im Übrigen seit Jahren das Vereinslokal der Herzogenauracher Imker, was es auch weiterhin bleiben soll. Schließlich befindet sich dort im Obergeschoss auch ein Imkermuseum.

Für immer und ganz wird das Gasthaus in Obermembach also wohl nicht geschlossen bleiben. Wann und wie der eingeschränkte Betrieb weitergehen soll, ist noch nicht geklärt. Wirt Hans Gumbrecht meinte, dass sich das aber in den nächsten Wochen herausstellen werde.

MAX DANHAUSER

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