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Dienstag, 18.06.2019

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Weisendorfer wollen ein Bürgerbegehren

Widerstand gegen Rinderstall für 480 Masttiere angekündigt - 12.01.2019 06:57 Uhr

Protest und Information: 60 bis 70 Bürger versammelten sich vor der Biogasanlage in Kairlindach. Die Polizei sicherte das „Betretungsverbot“. © Foto: André De Geare


Eingeladen war wiederum auch Jürgen Schenk, der den Rinderstall bauen will, eine Investition von 3 Millionen Euro. Allerdings flatterte den Grünen unlängst per Einschreiben ein "Betretungsverbot" des Bauherrn bezüglich seines Grundstücks ins Haus. Entsprechend blieb Landwirt Schenk auch der Veranstaltung gleich vor seinem Grundstück fern.

Anwesend hingegen waren Christian Zwanziger, der neugewählte Grünen-Landtagsabgeordnete aus Erlangen-Stadt, und mehrere Vertreter des Bund Naturschutz.

Wie Christiane Kolbet im Vorfeld sagte, wollten die Grünen auch präsent sein, um die "Stimmung in der Bevölkerung zu hören. Wir wollen wissen, ob sich Widerstand gegen das Vorhaben in Weisendorf formiert. Diesen würden wir dann koordinieren".

Davon auszugehen war nicht unbedingt, so Kolbet: "In Weisendorf wurde auch die Spedition und die Biogasanlage geschluckt."

Geplant sind zwei Hallen. Die Rinder sollen freilaufend in großen Boxen à 3,5 Quadratmeter rechnerisch gehalten werden, auch vom Gras umliegender Wiesen ernährt werden, auf Stroh stehen. Der entstehende Mist, laut Betriebsbeschreibung 5800 Tonnen pro Jahr, soll in der benachbarten Biogasanlage verwertet werden: eine "Win-win-Situation" nannte dies der Rindermäster. Unterstrichen hat der Bauer, dass die gesetzlichen Vorgaben für einen Mastbetrieb eingehalten werden. Ihm selbst sei am Wohl seiner Tiere gelegen. Er hofft mit dem Abschluss des Flächennutzungsplans der Gemeinde Weisendorf auf den zeitnahen Beginn seines Vorhabens.

Dieses indes will ein Teil der beim Ortstermin am Donnerstagabend vor der Biogasanlage Anwesenden verhindern. Bürger aus Weisendorf, Kairlindach, Großenseebach und Mechelwind, darunter eine Reihe von Mitgliedern und Amtsträgern im Bund Naturschutz, hatten sich eingefunden. Eine Polizeistreife sicherte das Grundstück, das nicht betreten wurde.

Katrin Zimmer, die Mutter des Schülers Leon Zimmer, der das Vorhaben durch Facebook-Veröffentlichungen bekannt machte, war ebenfalls anwesend. Der Weisendorfer Grünen-Gemeinderat Norbert Maier, der im Bauausschuss des Marktgemeinderats gegen das Vorhaben gestimmt hatte, nannte noch einmal Zahlen: 240 Bullen und 240 Färsen sollten in den Ställen mit Boxen aufgezogen werden.

Die etwa drei Quadratmeter Platz pro Tier sah er so: "Das kam mir sehr klein vor. Das kann man besser machen."Er zitierte eine Geländegröße von 2308 Quadratmetern plus Fahrsilo auf 1733 Quadratmetern. Die Bauten hätten Dimensionen von 71 mal 32 Meter für die Stallungen, 48 mal 36 Meter für das Silo. Das sei "riesig".

Vor allem die Wasserproblematik – die Tiere müssen getränkt werden, andererseits fallen Ausscheidungen an, die womöglich in einer Art"Güllelagune" bis zum Abpumpen gesammelt würden – stieß auf Bedenken. Um den Wasserbedarf zu decken, soll ein Brunnen gebohrt werden.

Massentierhaltung

Ob es zum Thema Massentierhaltung eine Gesamtstrategie gebe, wollte Frank Meyer-Fembach aus Mechelwind wissen und nannte zum Vergleich den im Nachbarort Mechelwind abgelehnten mobilen Hühnerstall. Christian Zwanziger, neu im Landtag, sah es so: "Der Masterplan des Ministeriums ist von der Idee her eine super Sache, doch das wurde vor Jahren neoliberal zurückgedrängt. Der einzige Hebel auf kommunaler Ebene ist Bürgerbegehren, Kommunalwahlen, Petition an den Landtag."

Der geplante Rinderstall mit 480 Tieren liege unter den Kriterien für eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die ab 500 Tieren greift.

Norbert Maier und Christiane Kolbet verdeutlichten, entschieden werde im Landratsamt "nach Recht und Gesetz". Der "Hebel" sei der Flächennutzungsplan, den der Marktgemeinderat Weisendorf im Februar verabschieden will. Dafür gebe das Gremium die Parameter vor.

Die zunehmende Größe der Traktoren für den An- und Abtransport waren Christian Butzbacher aus Weisendorf ein Dorn im Auge. Er sprach von "Größenwahn, Kapitalismus und Profitgier. Das ist nicht in Ordnung. Es stecken immer Investoren dahinter. Wir müssen umdenken".

Die gebürtige Kairlindacherin Elke Wirth prangerte einen "ganzen Graben mit toten Fischen im Sommer" an und "bestialischen Gestank", der dazu führte, dass man sich nicht mehr im Freien aufhalten wollte. Vom Landratsamt würden die Beschwerden nicht ernst genommen, nachdem die teils süßliche Geruchsbelästigung nicht permanent sei.

"Nur kritisieren funktioniert nicht", wandte hingegen Hans Gumbrecht aus Mechelwind ein und forderte ein neutrales Gutachten. "Das Wasserwirtschaftsamt sollte ein Wort sprechen." Dies provoziere lediglich Gegengutachten, stellte Ernst Rappold fest. Nur mit einem Bürgerbegehren mit dem ersten Schritt, zehn Prozent der Weisendorfer Wahlberechtigten zur Unterschrift zu bewegen, komme Bewegung in die Sache.

Christian Wosegien vom Bund Naturschutz appellierte, auf die Gemeinderäte und den Bürgermeister zuzugehen, zumal 2020 Kommunalwahlen anstehen. Landtagsabgeordneter Zwanziger hielt auch den Dialog mit dem Bauern Schenk für wichtig.

Sechs Personen müssen ein Bürgerbegehren namentlich anstrengen, klärten die Initiatoren des Treffens auf.

Der Gemeinderat entscheidet nach der Fragestellung über die Rechtmäßigkeit. Binnen drei Monaten muss ein Bürgerentscheid erfolgen. Schließlich müssen 20 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gehen und dann entscheidet die Mehrheit.

ZAm Dienstag, 15. Januar, um 20 Uhr findet ein Treffen im Jägerhof statt mit der Zielsetzung, ein Bürgerbegehren in Gang zusetzen. 

Edith Kern-Miereisz E-Mail

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