Montag, 09.12.2019

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Weit gereiste Azubis in Etzelskirchen

Etzelskirchener sagt Fachkräftemangel den Kampf an und scheut dabei auch den Papierkrieg nicht - 18.10.2019 18:47 Uhr

Insgesamt 27 Azubis lernen derzeit im Etzelskirchener Seniorenzentrum, unter ihnen auch junge Leute aus Bosnien, dem Kosovo oder Kamerun. © Foto: Katrin Bayer


Insgesamt 27 Männer und Frauen lernen dort gerade den Beruf des Altenpflegers bzw. der Altenpflegerin. Mit dabei sind auch weit gereiste junge Leute, die für ihre Ausbildung zum Teil aus anderen Kontinenten in den Höchstadter Ortsteil gekommen sind.

Eine von ihnen ist Dorine Tiefack. Die 30-jährige Kamerunerin hat über das Internet den Kontakt zum hiesigen BRK gesucht. In ihrer Heimat absolvierte sie ein Informatik-Studium, doch interessierte sich auch stark für Soziales. Sie machte ein Praktikum in einem Krankenhaus, half Waisenkindern und im Altenheim. "Doch bei uns gibt es nicht viele Altenheime", sagt Tiefack.

Und weil sie schon in der Schule Deutsch gelernt hatte, sah sie sich nach einer Perspektive in Deutschland um – und stieß auf den BRK-Kreisverband Erlangen-Höchstadt. Wie in solchen Fällen üblich, wenn die Bewerber von sehr weit herkommen, gingen einige E-Mails hin und her. "Wir müssen ja erst herausfinden, ob es derjenige ernst meint", sagt Jan Pyschny, der stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführer.

Tiefack meinte es ernst, im September begann sie ihre Ausbildung in Etzelskirchen und ist sichtlich glücklich. "Das hier ist meine Leidenschaft." Pflegedienstleiterin Beate Bednarski ist ganz begeistert von der Afrikanerin: "Es ist Wahnsinn, was sie in so kurzer Zeit gelernt hat." Und auch die Einrichtungsleiterin Octavia-Sorina Mercan bestätigt, dass sich die Auszubildenden "alle sehr bemühen".

Die Bewohner, so Bednarski, würden die weit gereisten Azubis sehr schätzen und seien neugierig, was diese zu erzählen hätten. Hin und wieder, so berichtet Bednarskis Pflegedienstleiterinnen-Kollegin Nicole Stegmeyer, kämen zwar schon Nachfragen, warum hier so viele ausländische Auszubildende arbeiten. "Aber wenn wir das dann mit dem Fachkräftemangel erklären, ist das auch okay", sagt Stegmeyer.

Mit Dorine Tiefack begonnen hat Emir Arnautovic aus Bosnien. Der Kontakt zu ihm entstand privat über eine Frau, die aus seiner Heimat stammt und schon lange hier in Franken lebt. Obwohl er erst seit kurzem in Etzelskirchen ist, spricht er bereits respektabel Deutsch. "Am Anfang war es schwer, die Leute zu verstehen, aber es wird von Tag zu Tag besser", sagt der junge Mann. Er wollte eigentlich mit seiner Ehefrau hier beginnen, doch bei ihr gab es noch Probleme mit dem nötigen Sprachzertifikat. Sie wird nun im Winter kommen und bis zum Ausbildungsstart im nächsten September Bundesfreiwilligendienst leisten.

Überhaupt kann Jan Pyschny ein Lied vom Papierkrieg singen, der durchzufechten ist, bis die künftigen Fachkräfte wirklich anfangen dürfen zu arbeiten. "Die Politik kann da viel versprechen, aber am Ende trifft immer ein einzelner Mensch eine Entscheidung", so Pyschny.

Und allzu oft würden die Behörden Stolpersteine bereithalten und Zuständigkeiten hin- und herschieben. Er erzählt auch von einem Mitarbeiter, der selbst nach mehreren Jahren lediglich einen Duldungsstatus hat. Das Problem: "Er ist über ein Drittland eingereist."

Was den Status der direkt eingereisten Beschäftigten nach Abschluss ihrer Ausbildung angeht, ist Pyschny aber guter Dinge: "Ich gehe davon aus, dass, wer Fachkraft ist und sich ein Leben hier aufgebaut hat, auch bleiben darf." Vonseiten des BRK sei die Übernahme ohnehin gewährleistet: "Die erste Generation der Altenpfleger geht bald in Rente und selbst wenn alle ehemaligen Auszubildenden bei uns bleiben, können wir die Lücken nicht füllen."

Um den jungen Leuten den Start in Deutschland zu erleichtern, baut das BRK neben dem Seniorenheim zehn Wohnungen. Maximal 31 Personen können dort in rund einem Jahr einziehen. Denn die Azubis haben es schwer auf dem hiesigen Wohnungsmarkt, in Zukunft können einige von ihnen direkt neben ihrer Arbeitsstätte wohnen.

Auf die Dienste professioneller Azubi-Vermittler verzichtet das BRK übrigens bewusst: "Wir wollen nicht im großen Stil aus einem Land gute Leute abziehen", sagt Pyschny. Die Auszubildenden kommen deshalb aus ganz verschiedenen Ländern.

Die nächsten Azubis stehen bereits in den Startlöchern. Im September 2020 soll unter anderem eine Frau von den Philippinen ihren Dienst in Etzelskirchen beginnen. "Wir versuchen, so viele Menschen wie möglich auszubilden", sagt Jan Pyschny. "Denn das ist die einzige Möglichkeit, in den nächsten Jahren noch an Fachkräfte zu kommen."

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