Mittwoch, 25.11.2020

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Wildunfälle nehmen zu: Die besten Tipps für Autofahrer in Erlangen-Höchstadt

Polizei und Jagdverband erklären, wie Betroffene nicht haftbar werden. - 20.11.2020 12:38 Uhr

Ein Reh liegt tot am Straßenrand: Die Zahl der Wildunfälle in Deutschland nimmt immer weiter zu.

11.11.2020 © Foto: Patrick Pleul/dpa


Ein etwa 20 Kilogramm schweres Reh hat bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern des Pkw eine Aufprallgewicht von fast einer halben Tonne, rechnet der Deutsche Jagdverband vor. Und gerade jetzt im Herbst steigt die Zahl von Wildunfällen. Warum ist das so?

Ein Grund sei das Pilzesammeln in den Herbstmonaten, sagt Manfred Weidinger, Jäger aus Eckental und Leiter der Hegegemeinschaft Erlangen Oberland. Pilzesammler und andere Personen, die im Wald spazieren gehen, schrecken Wild auf und treiben es nach außen.

Wichtig sei daher eigentlich, die Wege nicht zu verlassen. Denn das Wild brauche ein bis zwei Tage, um an seine alte Stelle zurückzukehren und muss dabei gegebenenfalls auch die ein oder andre Straße überqueren.

Natürliche Deckung fehlt

Im Herbst befänden sich auch mehr Tiere im Wald, denn wenn alle Felder abgeerntet seien, fehle ihnen die natürliche Deckung. Außerdem gehe das Reh alle paar Stunden auf Nahrungssuche und könne auch so Straßen überqueren.

Die größte Gefahr besteht bei Dämmerung, also in den frühen Morgen- und in den Abendstunden. Am besten verhindern lässt sich eine Kollision mit Wild, wenn der Fahrer nicht zu schnell unterwegs ist - denn das verkürzt den Bremsweg.

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Ab Tempo 80 steigt die Gefahr, dass das Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig halten kann. "Wenn 80 erlaubt ist kann man auch 70 fahren", betont Sabine Röhrer, Dienststellenleiterin der Polizeiinspektion Höchstadt. Weidinger rät zudem, den Blickwinkel nicht nur auf die Straße zu richten, sondern auch nach links und rechts in Wald und Flur. Denn die Augen des Wildes reflektieren das Scheinwerferlicht und leuchten dann. So kann man Tiere frühzeitig erkennen.

Auf die Hupe

Wer ein Tier am Wegesrand entdeckt, sollte anhalten, das Fernlicht ausschalten und vielleicht sogar hupen, um das Tier zu vertreiben, heißt es seitens der Polizei.

Sabine Röhrer betont, dass es damit aber noch nicht immer getan sei. Denn Wildtiere sind meist nicht allein unterwegs. Man muss mit Nachzüglern rechnen. Sollte doch eine Kollision drohen, sei es besser zu bremsen und einen kontrollierten Zusammenstoß zu riskieren, als unkontrolliert auszuweichen. Auch der ADAC warnt vor solchen Manövern.

Warum? Röhrer sagt, ein Tier gebe nach, ein Baum nicht. Wer schnell versucht auszuweichen, riskiert also oft einen schwereren Unfall. Röhrer empfiehlt jedem Fahrsicherheitstraining – das helfe immer.

Der ADAC betont, die in neuen Fahrzeugen verbauten Notbremssysteme seien zwar gut, hatten in Wildunfall-Tests aber keine hundertprozentige Sicherheit geboten.

Nie anfassen

Sollte es doch zu einer Kollision kommen, gilt: Warnblinker einschalten, die Unfallstelle sichern, sich eine Warnweste überstreifen und ein Warndreieck aufstellen. Das schreibt der Deutsche Jagdverband auf seiner Homepage. Sind zusätzlich Personen verletzt, muss der Fahrer den Notruf wählen und Erste Hilfe leisten.

Wichtig sei es, tote und verletzte Tiere nie anzufassen und Polizei oder einen Jäger zu informieren. Sie kommen dann zur Unfallstelle. Lebt ein Tier noch, wird vor Ort entscheiden, ob es gerettet oder – meist mit einer Schusswaffe – erlöst wird. Flieht ein Tier, soll man sich die Richtung der Flucht merken, damit ein Jäger das Tier mit einem ausgebildeten Jagdhund später verfolgen kann. Weitere wichtige Tipps und ein Video gibt es hier.

Auch wichtig: Unbedingt eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung ausstellen lassen.

MAX DANHAUSER nn

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