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Freitag, 18.10.2019

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Wolfgang Krebs begeisterte in Großenseebach

Gelungener Auftakt für den Großenseebacher Herbst: Kabarettist führt gleich ganze Politikerriege vor - 07.10.2019 06:00 Uhr

Schwatzmann vor Watzmann: Eine bajuwarisch-alpine Wahlplakat-Kulisse hatte Wolfgang Krebs auf die Bühne gestellt – und als Edmund Stoiber eine rhetorische Glanznummer hingelegt. © Foto: Max Danhauser


Sich auf die Bühne zu stellen und das Alltagsgeschehen auf den Arm zu nehmen, das machen viele Kabarettisten und treffen dabei Gesellschaft wie den Einzelnen. Auch Krebs trifft den Nerv – auf eine ganz eigene Art und Weise. Denn er vermittelt den Humor nicht in einer Rolle, sondern er schlüpft immer wieder in verschiedene, meist prominente Rollen.

Verwandlungskünstler

Ein Verwandlungskünstler durch und durch, optisch, charakterlich, stimmlich, gestisch. Parodie und Präzision. Krebs nimmt die Politprominenz in einer unvergleichlichen Art auf den Arm, hält Politik und Gesellschaft den Spiegel vor. Und doch werden am Ende beide über sich selbst lachen können.

Krebs nimmt auch die Heimat, das Ländliche, gleich wo dies sein mag, aufs Korn. Trotzdem vermittelt er immer wieder: Das Land hat seine Vorteile. Zumal man ja bei Fahrverboten ohnehin nicht mehr in die Städte käme. Der Heimatbegriff spielt immer wieder eine Rolle – und auch Großenseebach findet sich den Abend über immer wieder. Als Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber mit seiner Transrapid-Rede loslegt, lässt der Parodist auch den kleinen Ort an der Seebach einfließen. Stoiber verdreht gern die Worte. "Sortieren sie sich das einfach selbst", sagt er einem schallend lachendem Publikum.

Sein Vorhaben, Bürgermeister Bernhard Seeberger (Freie Wähler) an die CSU abzuwerben, schlug nach unseren Informationen übrigens fehl. Seeberger saß nämlich in der ersten Reihe und bekam so manches Mal sein Fett weg. "Vorne sitzt die Prominenz, hinten die Intelligenz". Stoiber will eine Mauer – hinter Aschaffenburg, um den innerdeutschen Zuzug nach Bayern und damit den Wählerverlust der CSU zu verhindern. Politisch sind Krebs’ Figuren eher schwarz – eigentlich ganz anders als sein Humor. Vielleicht sogar ein bisschen grün, wie neuerdings auch Ministerpräsident Söder. Der rufe prompt "Franken First" aus und habe mittlerweile erkannt, dass es sich bei Douglasien nicht um eine Parfümkette handelt.

Auch als Schlagersänger, Künstlername Meggy Montana, hatte Wolfgang Krebs die Lacher auf seiner Seite.


Krebs ist als Klischee-Bayer und Land-Lobbyist Schorsch Scheberl ein lustiger Sympathieträger und beweist als Schlagersänger Meggy Montana aus dem Allgäu auch musikalische Entertainerqualitäten.

Krebs beherrscht die bayerischen Dialekte und darf sich unverblümt über die Regionen des Freistaates lustig machen – die Sympathien hat er allemal bei sich. Ähnlich wie Angela Merkel, die die hiesigen Dialekte mit Klicklauten der Suaheli vergleicht und die "Stämme" des Freistaates nur nach vorheriger Tetanus-Spritze besucht. Dennoch ist sie sehr interessiert beim Oberpfälzer-Bellen und bei den Franken, die Worte nie ganz zu Ende sprechen. Sie will bei Gesundheitsminister Spahn übrigens nachfragen, ob die Schwaben ausreichend mit Logopäden versorgt sein. Auch Aktuelles bringt Krebs mit ein, sei es Fridays for Future, der Diesel oder Seehofers Sinneswandel.

Ludwig II. und die Mieten

Umso überzogener aber deutlicher wirkt es, wenn er gerade in der Rolle des Neuschwanstein-Erbauers König Ludwig II. auf die steigenden Mieten in den Städten schimpft.

Raute vor Blazer: Stoibers Wolfratshauserner Frühstücksgast Angela Merkel war ebenfalls ein gefundenes Fressen für den meisterhaften Parodisten Krebs. © Foto: Max Danhauser


Und für die, die ihn gelegentlich im Radio zu hören bekommen, spielte er einen solchen Beitrag mit verschiedenen Stimmen auf der Bühne. Da waren dann auch Hubert Aiwanger und Günther Beckstein zu hören.

Ein Abend, der dem Auftakt des Jubiläumsherbstes mehr als gerecht wurde. Das Publikum zollte Krebs mit guter Stimmung und reichlich Applaus Respekt. Der ein oder andere wird sicher noch mehr von Krebs hat sehen wollen und gedacht haben: "Geh zu, bleib da!".

MAX DANHAUSER

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