Zeckern, der Ort "rechts von der Erdkugel"

8.6.2020, 06:57 Uhr
Die „Zeckerner Radler“, eine Gruppe mit Mitgliedern zwischen 50 und 82 Jahren, kommen weit herum. Hier waren sie, als sie den Ilmtal-Radweg entlangfuhren, in Eberstedt/Thüringen.

Die „Zeckerner Radler“, eine Gruppe mit Mitgliedern zwischen 50 und 82 Jahren, kommen weit herum. Hier waren sie, als sie den Ilmtal-Radweg entlangfuhren, in Eberstedt/Thüringen. © Foto: Roland Lang

Und weil es bei den Männern aus dem Hemhofener Ortsteil immer lustig zugeht, hat sich als Antwort der Spruch "das ist rechts von der Erdkugel, weil links kein Platz mehr war" eingebürgert.

Ungefähr einmal im Monat sind die Radfahrer zwischen 50 und 82 Jahren miteinander unterwegs, unternehmen Tagestouren und einmal im Jahr auch eine längere Fahrt. Seit 20 Jahren ist das nun schon so und zum Jubiläum sollte es heuer eigentlich eine große Donautour werden – Corona wird das nun allerdings wahrscheinlich verhindern. Eine Gruppe, die miteinander Rad fährt? Gut, so außergewöhnlich, dass man es damit in eine Zeitung schafft, ist das ja nun eigentlich nicht. Das Besondere an den "Zeckerner Radlern" ist jedoch, dass sie ihren eigenen Haus- und Hof-Berichterstatter haben. Denn Kurt Schrödl hält alle Touren schriftlich fest, am Jahresende gibt es stets ein heiß ersehntes Heftlein mit allerlei Anekdoten – und zwar im Gegensatz zu klassischen Vereinsberichten in einem, wie könnte es bei dieser Truppe anders sein, nicht gerade bierernsten Stil.

"Ich hab’ zum Schreiben Spitznamen gebraucht", erinnert sich Schrödl. Und so hat dann jeder einen bekommen, um den "Bäcker vom Brunnsee" geht es in den Heften oder auch den "Dampfblauderer".

Gerade weil es den Radlern aus Zeckern eher um Land und Leute als auch sportliche Höchstleistungen geht, erleben sie auch so viel, was nachher niederschreibenswert ist. Schrödl erinnert sich zum Beispiel an den Besuch in einer winzigen Brauerei, deren Besitzer aber offensichtlich gar keine Lizenz besaß.

Jedenfalls rückte die Polizei mit mehreren Fahrzeugen an, der Brauer verschwand in Windeseile und auch die Radler suchten besser das Weite. Oder ihre Ostfriesland-Fahrt, wo sie in einer Mühle übernachteten und bei einem Umzug mit der Dorfkönigin ins Gespräch kamen. Irgendetwas los ist ja immer irgendwo, wenn man unterwegs ist und sich auf die Menschen einlässt und so kann es schon mal leicht passieren, "dass wir die Zeit vergessen", sagt Kurt Schrödl.

Und wenn es schön warm ist, kann es zu noch mehr "Verzögerungen" kommen, zumindest, wenn die Truppe an einem Badeweiher vorbeikommt: "Denn von uns hat dann eigentlich jeder eine Badehose dabei." Bei ihren großen Touren schauen sie sich noch dazu die Städte an, die auf ihrem Weg liegen.

Normalerweise finden sich in den Heften Fotos, in der Jubiläumsauflage sind hingegen nur (humoristische) Zeichnungen geplant, die Schrödl, der vor seinem Ruhestand 45 Jahre bei Schaeffler gearbeitet hat, ebenfalls selbst anfertigt.

Für die Herren sind die Touren auf jeden Fall fester Bestandteil ihres Lebens, "das möchten wir nicht missen". Geradelt wird, solange es die Gesundheit hergibt. Und wenn es mal nicht mehr so geht, kann man ja aufs E-Bike umsteigen.

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