Sonntag, 15.12.2019

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Zoff in Mühlhausen: Wer darf wo spazieren gehen?

Schilder, die die Eigentümerin der Lempenmühle aufgestellt hat, sorgen für reichlich Ärger - 28.09.2019 07:00 Uhr

Ziemlich versteckt liegt die Lempenmühle bei Mühlhausen - und auch von Spaziergängern, die in der Nähe unterwegs sind, möchte die Eigentümerin offensichtlich in Ruhe gelassen werden. Rund um das Anwesen stehen Schilder, die auf ein Betretungsverbot aufmerksam machen. © Foto: Maria Däumler


  Das kritisiert nun ein anderer Mühlhausener Bürger und Mühlenbesitzer. Er verweist auf Artikel 26, Absatz 1 des Bayerischen Naturschutzgesetz, der besagt: "Jedermann hat das Recht auf den Genuss der Naturschönheiten und auf die Erholung in der freien Natur."

Die Spaziergänger, die in der Nähe der Lempenmühle unterwegs seien, würde die Mühlenbesitzerin unfreundlich ansprechen, selbst wenn sie nur auf dem dort öffentlichen Weg laufen würden, schreibt der Kritiker in einem Brief an die Nordbayerischen Nachrichten.

Außerdem verwehre sie den "wenigen Spaziergängern den Zugang zum Bach auch bei niedrigem Gras". Inzwischen gebe es schon Strafanzeigen in dieser Sache, so der Beschwerdeführer, der ferner beklagt, dass seit Aufstellung der Verbotsschilder auch der Eichpfahl der Lempenmühle nicht mehr frei zugänglich und so nicht mehr überprüfbar sei.

Brief ans Landratsamt

Der Mann hat inzwischen auch das Landratsamt Erlangen-Höchstadt aufgefordert, hier tätig zu werden, weil es nicht gehe, dass "begüterte Menschen das freie Zugangsrecht der Bevölkerung zur freien Natur aus anscheinend egoistischen Gründen beschneiden", schreibt er in seinem Brief. Doch so einfach ist das nicht.

Wie Hannah Reuter-Özer, Pressesprecherin des Landratsamtes, in Erfahrung gebracht hat, "gibt es zwar grundsätzlich ein freies Betretungsrecht nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz und rein theoretisch hat jeder ein Recht auf Erholung in der freien Natur. Doch gelten hier auch Einschränkungen." So dürfe man Wiesen während der Zeit der Vegetationszeit nur auf vorhandenen Wegen betreten, erläutert sie.

Solche Schilder sind rund um die Lempenmühle aufgestellt. © Foto: Maria Däumler


Außerhalb dieser Zeit dürfe man das Gelände nicht absperren oder den Zugang zur freien Natur verbieten, sagt Reuter-Özer. Weil die Wiesen um die Lempenmühle aber in Privatbesitz der Mühlenbesitzerin sind, könne man ihr wahrscheinlich nicht das Aufstellen von Verbotsschilder verbieten.

Wie weiter zu erfahren war, hat die Eigentümerin der Lempenmühle, auf Antrag bei der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt vier Wiesenflächen mit einer Größe von 3,09 Hektar zu befriedeten Bezirken erklären lassen. Der Bescheid vom 26. März 2019 besagt, so Reuter-Özer, dass man "dort nicht mehr jagen und keine Tiere töten darf". Ein Betretungsverbot beinhalte dieser Bescheid aber nicht. Die Sprecherin rät daher Leuten, die dort Spazierengehen wollen: "Es ist wohl eher sinnvoll, das Gespräch zu suchen."

Gerne hätten wir auch die Besitzerin der Lempenmühle nach ihrer Sicht der Dinge befragt, doch leider war weder eine Telefonnummer herauszufinden, noch hat jemand am mit Kamera abgesicherten Mühlenanwesen auf Klingeln reagiert.

Der Mühlhausener Bürgermeister Klaus Faatz (CSU) hat nach eigenem Bekunden erst kürzlich von diesen Querelen erfahren. Sein Kommentar dazu ist kurz und knapp: "Das ist wohl eher ein Privatkrieg, da möchte ich mich nicht einmischen."

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