Dienstag, 01.12.2020

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Zusammenhalt als Antrieb fürs Ehrenamt

Adam Hildel, Urgestein der Turnerschaft 1861, blickt zurück auf ein Leben für "seinen" Sportverein - 14.02.2020 16:07 Uhr

Legendäres Ereignis in der langen Geschichte der Turnerschaft 1861: der Lauf nach Wolfsberg. Hier laufen Adam Hildel (links) und zahlreiche andere „VIPs“ aus Herzogenaurach ins Zentrum der Partnerstadt ein. Vorne rechts etwa Bürgermeister Hans Ort, 5. von links der mehrfache Senioren-Weltmeister Willi Scheidt.

14.02.2020 © Foto: Rainer Groh


Über 50 Jahre lange hatte er sich für "seine" Turnerschaft 1861 Herzogenaurach eingesetzt – auch nach seinem altersbedingten Rücktritt 2013. Zuletzt war es aber deutlich ruhiger geworden um den mittlerweile 86-Jährigen. Der Grund dafür ist ein trauriger: Im Herbst war seine Ehefrau Marga gestorben; selbst für ein Energiebündel wie Adam Hildel war das ein Schicksalsschlag, über den er nur schwer hinweg kam.

Doch "Mister Turnerschaft", der sich täglich auf seinem Hometrainer fit hält, wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht (auch dank der Mithilfe der seiner Familie und der Vereinsfamilie) aus diesem "Loch" befreit hätte. So willigte er nun in einen vor längerer Zeit angefragten Pressetermin über sein ehrenamtliches Wirken ein.

Typisch "Herziauri"

Adams Hildels Vita ist typisch "herziaurisch": Die Großeltern und Eltern hatten eine Schuhfabrik, womit sein beruflicher Einstieg vorgegeben war. Es folgten als Arbeitgeber Adidas, Medicus in Nürnberg, eine Weiterbildung in Pirmasens sowie Salamander Kornwestheim. 1958 heiratete er seine Sportkameradin Marga Schramm, der Ehe entstammen Tochter Isolde sowie die Söhne Erwin und Peter.

1975 erfolgte ein beruflicher Richtungswechsel, indem er Geschäftsführer der Herzogenauracher Lebenshilfe wurde. Parallel eröffneten er und seine Frau 1981 in Herzogenaurach ein Sportgeschäft. Von 1979 bis 1991 arbeitete der umtriebige Hildel zudem für das Unternehmen "Erfo-Beton" in Neustadt-Birkenfeld, um dann noch bis im 1999 geschlossenen Sportgeschäft aktiv zu sein.

Sein sportliches Engagement – sein Herz gehörte stets der Leichtathletik – begann, als er mit 14 Jahren gemeinsam mit anderen Jugendlichen der TSH alte, von der damaligen Rollbahn der Wehrmacht entnommene Steine vom Teer befreite, um diese als Grundlage für ein Sportheim am Dohnwald zu verwenden. Adam Hildel erinnert sich gerne: "Wir hatten einen tollen Zusammenhalt, jeder half jedem und dabei hatten wir auch unsere Gaudi." Eben dieser Zusammenhalt und die Teamfähigkeit waren es, die ihn immer wieder motivierten – und mit ihm zahlreiche Mitglieder der Turnerschaft, die ihn über die Jahrzehnte hinweg ebenso tatkräftig begleiteten.

Wenn es um die TSH ging, war ihm kein Weg zu weit oder zu aufwändig. Ob die Werbung für die Festlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen 1961, als er mit einem auf dem VW- Käfer montierten Lautsprecher in der Region unterwegs war, oder bei externen Wandertagen, wo er mit dem Kameraden Hans Detzel groß beflockte Werbung machte: Adam Hildel fand stets Wege, neue und erfolgreiche Veranstaltungen zu initiieren.

1962 wurde er für zehn Jahre Schriftführer des Vereins, für ihn jedoch kein "Ruhekissen". So bestritt er 1967 in Höchberg seinen ersten Volkslauf über zehn Kilometer. Für einen "Sprintertypen" wie ihn eine beachtliche Überwindung. Es folgte 1972 seine Wahl zum Vorsitzenden der Turnerschaft, ein Posten, den er ununterbrochen bis 2015 in verschiedenen Funktionen ausübte (die TSH hatte sich inzwischen für ein mehrköpfiges Vorstandsteam ausgesprochen).

Als einen besonderen Höhepunkt für den Verein bezeichnet Adam Hildel die Austragung des mittelfränkischen Bezirksturnfestes 1977, als der damalige Festturnwart Klaus Brandmeier 2000 Teilnehmer begrüßen konnte, die man zum Teil in den Schulturnhallen untergebracht hatte. Gerne erinnert sich Hildel auch an den von ihm erfundenen Staffellauf in die österreichische Partnerstadt Wolfsberg im Frühjahr 1989, bei dem er ebenfalls etappenweise mitlief.

So reiht sich eine Veranstaltung an die nächste, die in Hildels Vorstandszeit aus der Taufe gehoben wurden und auch aktuell noch über die Region hinaus Sporttreibende immer wieder nach Herzogenaurach locken. Dies war auch möglich, weil man es mit viel Eigenleistungen und Herzblut schaffte, die Sportanlage zu optimieren, angefangen vom stattlichen Vereinsheim, in dem der 2. Vorsitzende Dieter Siebert den Innenausbau durchführte, bis zur 400m- Kunststofflaufbahn. Besonders hervorgehoben hat Hildel dabei das "Kompetenzteam", eine Gruppe von Vereinsmitgliedern, die seit 20 Jahren vor Ort überall dort Hand anlegt, wo Selbstinitiative machbar ist.

Bei seinem Blick zurück meinte der bemerkenswert rüstige Hildel: "Ich wurde von allen vier Bürgermeistern in meiner Amtszeit stets unterstützt. Und ohne die Hilfestellung der Waldcorporation Anfang der 1970er Jahre hätte es keine Laufbahn gegeben. Dankbar bin ich auch für die vielen Sportfreunde und Gleichgesinnten im Verein, die immer wenn nötig angepackt haben. Wir haben dadurch für unsere TS und die Mitglieder einiges erreicht, glaube ich."

Lob vom Nachfolger

Dies bestätigt nachhaltig Gerd Ankermann, einer seiner Nachfolger im Vorstand der Turnerschaft: "Adam ist ein Vorbild für den ganzen Verein. Unser Ehrenvorsitzender war nicht nur selbst ein guter Sportler, er hat wie kein anderer Sport gelebt. Er hat die TSH geprägt, den Umbau der Sportstätte, seine Weitsicht das Training zu professionalisieren, die Mitglieder zu motivieren, den Verein zu tragen. Ich bewundere ihn dafür."

Das tut nicht nur Ankermann, zahlreiche Ehrungen (hier nur die bedeutendsten) hat er erhalten: die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste von im Ehrenamt tätigen Frauen und Männern, die Herzogenauracher Stadtmedaille in Silber, die Goldene Verdienstnadel mit Brillanten des BLSV.

Ich bewundere ihn. Er hat wie kein anderer Sport gelebt.

VOLKER SCHNELLER

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