Schwierige Arbeiten

Zwei Glocken schweben herab

Matthias Kronau
Matthias Kronau

Redaktion Herzogenaurach

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6.10.2012, 00:00 Uhr
Mesner Georg Wluka nimmt die „Feuerglocke“ entgegen. Die größere Glocke steht schon auf dem Anhänger.

Mesner Georg Wluka nimmt die „Feuerglocke“ entgegen. Die größere Glocke steht schon auf dem Anhänger.

„So was sieht man nicht alle Tage“, meint auch der Mesner von St. Magdalena, Georg Wluka. Zwei der vier Glocken müssen vom 45 Meter hohen Turm geholt werden. Das Gerüst endet in 30 Meter Höhe, dort, wo die Glocken durch ein Fenster ins Freie gehievt werden sollen. Der „Mittelkämpfer“ aus Sandstein, der das Fenster teilt, ist schon vorher entfernt worden.

Thomas Hollering (links) und Alexander Jähner in heikler Mission: Gleich schwebt die Glocke nach unten.

Thomas Hollering (links) und Alexander Jähner in heikler Mission: Gleich schwebt die Glocke nach unten. © Edgar Pfrogner

Es ist an diesem Tag die heikle Aufgabe von Kranführer Rudolf Baader unten und Alexander Jähner und Thomas Hollering oben auf dem Gerüst, die sanierungsbedürftigen Glocken sicher auf den Erdboden zu bringen. Zuerst die Glocke von 1425. Bei ihr hat man feine Risse an der Krone festgestellt. Damit sie aus der Glockenstube herausgeholt werden kann, ist sie schräg gestellt. Thomas Hollering sitzt innen und bedient einen Kettenzug, Alexander Jähner gibt dem Kranführer die nötigen Anweisungen. Der hebt die Glocke an. Eng geht es zu, bis die Glocke durchs Fenster und am Gerüst vorbei endlich frei schwebt.

Ausgefranste „Feuerglocke“: Der Schlagring mit der sogenannten „Schärfe“ ganz unten ist nicht mehr in Topzustand, wie leicht zu erkennen ist.

Ausgefranste „Feuerglocke“: Der Schlagring mit der sogenannten „Schärfe“ ganz unten ist nicht mehr in Topzustand, wie leicht zu erkennen ist.

Die große Glocke gleitet herab und wird auf einen Anhänger platziert. Kurz darauf steht auch die zweite Glocke hier, es ist die „Feuerglocke“ von 1641. Auch sie muss saniert werden, der Schlagring sieht bereits ziemlich mitgenommen aus.

Einige Bürger haben sich eingefunden. Darunter der Heimatkundler Fritz Spieß. Er ist somit der einzige, der zum zweiten Mal Augenzeuge wird, wie die „Feuerglocke“ vom Turm auf den Boden schwebt. „1943 stand ich auch hier. Wir sind von der Schule schnell hergelaufen, weil wir gehört hatten, dass Glocken runter kommen.“ Kirchenglocken in ganz Deutschland sollten damals für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden. Die Feuerglocke blieb dann doch verschont und wurde 1947 wieder eingebaut.

Jetzt also erneut ein Glockenausbau – in Friedenszeiten. Die Millimeterarbeiter Alexander Jähner und Thomas Hollering fahren die Glocken zunächst in den Betrieb der „Bayreuther Turmuhren“. In den nächsten Tagen dann kommen die Schwergewichte ins Glocken-Schweißwerk Lachenmeyer nach Nördlingen.

Ehe aber Jähner und Hollering losfahren, wird eine Waage an die große Glocke gehängt. Oder vielmehr umgekehrt: Der Kran hebt die Glocken noch einmal kurz hoch, und die Digitalgewichtsanzeige weist aus, was bisher immer nur geschätzt werden konnte: Die große Glocke aus dem Jahr 1425, sie wiegt stolze 1056 Kilogramm. Die Feuerglocke bringt es immerhin auf exakt 600 Kilogramm. Nach der Reparatur werden die massiven Klangkörper in fünf Wochen wieder hoch gehievt. Im wahrsten Sinne des Wortes keine leichte Aufgabe.

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