Standortfrage weiter offen

ICE-Instandhaltungswerk: "Ohne Eingriff in die Natur geht es nicht"

28.7.2021, 16:33 Uhr

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass Nürnberg-Altenfurt nicht der einzige Standort ist, den wir untersuchen", stellt Carsten Burmeister gleich zu Beginn des Podcasts klar. Der Projektleiter für den Bau des neuen ICE-Instandhaltungswerks möchte nicht in den Verdacht geraten, dass die Deutsche Bahn sich bereits auf einen Standort festgelegt hätte, als im Oktober 2020 die Nachricht über die Neuansiedlung an die Öffentlichkeit gelangte.

Nach einem kurzen Moment der Freude von Seiten der Nürnberger Stadtspitze, hat die Politik inzwischen einen Schwenk vollzogen. Der Bayerische Staatsforsten hat klargestellt - nicht zuletzt auf Druck des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder -, dass man nicht bereit ist, die notwendigen Flächen an die Bahn zu verkaufen. Burmeister geht es bei der Standortprüfung um eine möglichst sachgerechte Abwägung unter Einbeziehung aller Interessen an allen Standorten. Und natürlich auch um die Erfüllung der Anforderungen der Bahn an ein solches Instandhaltungswerk.

35 bis 45 Hektar Fläche, eine Halle mit 480 Meter Länge, gute Erreichbarkeit sowohl für die zu wartenden Züge, als auch für die Beschäftigten - diese Eckpunkte sind gesetzt. Carsten Burmeister versucht anhand des Beispiels eines ICE, der um 23.25 Uhr aus Hamburg in Nürnberg ankommt, zu erläutern, was in den folgenden sechseinhalb Stunden passiert. Der Zug muss zunächst einmal in langsamer Fahrt in Richtung des Instandhaltungswerks gebracht werden, möglichst ohne große Behinderung des sonstigen Bahnverkehrs. Reinigung und Wartung müssen dann in einem extrem engen Zeitkorridor erfolgen, damit der ICE bereits um 5.55 Uhr wieder zur Abfahrt nach Hamburg bereitsteht.

Aufgrund der Länge der Züge, ist auch der Flächenbedarf relativ klar definiert, sagt Burmeister. Nach seiner Einschätzung sollte die Bahn bei optimaler Anordnung der Gebäude und Gleisanlagen aber mit 35 Hektar auskommen, so der Projektleiter. Er betont zudem, dass es sich bei der Berechnung um das "gesamte Paket" handelt, bei dem "Zu- und Abfahrtswege, Parkplätze, Lagerflächen oder Sozialgebäude inbegriffen sind".

Burmeister, der bereits in Köln-Nippes den Bau des dortigen Instandhaltungswerks verantwortet hat, rechnet im Podcast nochmals vor, dass bei der Erweiterung der ICE-Flotte auf 600 Züge, ein solches Werk in der Region Nürnberg unabdingbar ist. "Im Sinne der ´Starken Schiene´ brauchen wir in Nürnberg ein Werk in einer Größenordnung, bei der bis zu 25 Zügen gewartet werden können", so seine klare Ansage. Wichtig ist ihm zudem der Hinweis, dass selbst bei einer etwas reduzierten Fläche, der Längenbedarf unverändert bleibt und der liegt "etwas über drei Kilometer". Für den Projektleiter ist dies "die schwierigere Dimension, als die reine Flächendiskussion".

Neben allem Widerstand gegen die in der Prüfung befindlichen Standorte, hat Burmeister ebenso reichlich Zustimmung erfahren. "Wir erhalten viele Zuschriften, die sagen, wir brauchen dieses Werk in der Region", sagt er im Podcast. Auf einen "Vorzugsstandort" will er sich nicht festlegen, sagt Burmeister auf die Frage nach dem Muna-Gelände bei Feucht.

"An jedem möglichen Standort ist Sachlage sehr, sehr komplex und den einen Standort von dem man sagt, da gibt es gar keine Betroffenheiten oder keine Eingriffe, den gibt es nicht", macht der Projektleiter deutlich. Im Zuge des Raumordnungsverfahrens gehe es nun darum zu sehen "wo halten sich Chancen und Risiken am ehesten die Waage". Carsten Burmeister sieht in der Diskussion um das ICE-Instandhaltungswerk ein "Paradebeispiele für eine paradoxe Situation". Einerseits gehe es um die Mobilitätswende und mit dem ICE könnten Menschen "klimaneutral mit 300 km/h durch Deutschland transportiert werden", andererseits muss so "ein Werk irgendwo stehen" und ein Eingriff in die Natur ist damit unvermeidbar.

So sehr Carsten Burmeister davon überzeugt ist, dass solche Projekte auch weiterhin möglich sein müssen, so sehr verweist er auch auf die Zeitläufe, die inzwischen damit verbunden sind. Bis zu Fertigstellung vergehen mit der Planung und den Genehmigungsverfahren rund fünf bis sechs Jahre. Die reine Bauzeit nimmt sich mit dann rund zwei Jahren schon fast bescheiden aus. Doch hören Sie selbst...

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