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In der Corona-Pandemie: Landkreis Nürnberger Land ernennt Versorgungsarzt

Er wird die ambulante ärztliche Versorgung koordinieren - 06.04.2020 11:17 Uhr

Dr. Martin Seitz ist zum Versorgungsarzt des Landkreises ernannt worden. In seiner Praxis in Heuchling ist er aber wie gewohnt erreichbar.


Demnach sollte jeder Landkreis einen Versorgungsarzt ernennen, der die ambulante ärztliche Versorgung koordiniert. In einer großen Videokonferenz hatten Vertreter des Ärztlichen Kreisverbands und der Kassenärztlichen Vereinigung zuvor Vorschläge ausgearbeitet und an den Landrat weitergeleitet. „Ich habe dann eine E-Mail von Armin Kroder bekommen, ob ich bereit wäre, diese Aufgabe zu übernehmen, und kurz darauf kam eine E-Mail vom Gesundheitsministerium mit einer rund 50 Seiten langen Anordnung“, sagt Seitz. Zeit, darüber nachzudenken, was auf ihn zukommen könnte, blieb ihm da wenig.

Ressourcen sinnvoll verteilen

Wie er erklärt, besteht seine Aufgabe nun darin, die medizinische Versorgung umzustrukturieren und die Ressourcen – damit sind auch Ärzte und Fachkräfte gemeint – so zu verteilen, dass die Ärzte mit den neuen Herausforderungen, die durch die Corona-Pandemie entstehen, zurecht kommen. „Wenn ein Anästhesist gerade keine Operationen durchführen muss, könnte er zum Beispiel ins Hersbrucker Krankenhaus gehen, wo es jetzt eine Corona-Teststrecke gibt, und dort Abstriche durchführen“, gibt er als Beispiel.


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Auch muss er sich um die Verteilung der Schutzausrüstung an die Arztpraxen kümmern. Seitz beklagt Engpässe, etwa bei Mundschutzen und Kitteln. „Ich erfülle die Anforderungen, die an mich gestellt werden, aber das was ich dazu brauche, ist bisher nicht erfüllt“, so Seitz. Er glaubt allerdings, dass es bald besser wird. In der täglichen Sitzung des Krisenstabs spricht er sich außerdem mit THW, Feuerwehr, BRK und allen anderen Organisationen ab, die im Landkreis für den Katastrophenschutz zuständig sind.

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„Es geht vor allem um organisatorische Dinge und nicht unbedingt um medizinisches Fachwissen“, sagt Seitz. Weil der neu ernannte Versorgungsarzt sowohl Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands im Nürnberger Land als auch Vertreter des Hausärzteverbands ist, steht er in engem Kontakt mit den rund 400 niedergelassenen Ärzten im Landkreis.

Kritik von Kassenärztlicher Vereinigung

Eigentlich liegt der Auftrag, die ärztliche Versorgung sicherzustellen und Schutzausrüstung zu verteilen, bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Durch die neue Regelung im Freistaat ging diese Aufgabe nun allerdings an den jeweiligen Landrat und den von ihm ernannten Versorgungsarzt über – eine Tatsache, die der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, stark kritisiert hat.


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Martin Seitz kann die Aufregung zwar nachvollziehen, hält die Ernennung von Versorgungsärzten jedoch für notwendig. „Diese besondere Situation erfordert schnelle und flexible Entscheidungen. Der Kassenärztliche Kreisverband ist ein sehr großer Betrieb, der aufgrund seiner Strukturen einfach nicht schnell genug reagieren kann“, meint er.

Aufgabe ist Teamwork

Die Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Nürnberger Land sei allerdings sehr gut, so Seitz weiter. Auch die Ärzte zeigten große Bereitschaft, in diesen Krisenzeiten tatkräftige Unterstützung zu leisten. „Wir sind ein Team. Keiner könnte etwas ohne den anderen machen“, sagt der Arzt und betont auch die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und dem Katastrophenschutzteam.

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Seitz ist nicht nur Allgemeinmediziner, sondern sitzt auch für die Freien Wähler im Laufer Stadtrat. Auch in seiner Funktion als Politiker erachtet er die aktuellen Maßnahmen für sinnvoll, doch lässt er auch die wirtschaftliche Situation nicht außer acht: „Man muss der Wirtschaft bald wieder Luft geben, aber wenn das zu früh geschieht, könnte sich der Schaden vergrößern.“ Wegen des Coronavirus solle man nicht in Panik verfallen. „Wenn wir uns vernünftig verhalten, werden wir das überstehen. Das Virus wird aber bleiben, nur eben nicht mehr so stark verbreitet“, ist seine Einschätzung.

Rebecca Haase

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