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Inklusion in der digitalen Welt

Der Bezirk hat ein Angebot für geistig behinderte Jugendliche entwickelt. - 04.05.2020 18:52 Uhr

Betroffene haben mehr emotionale Probleme als unauffällige Spieler. © Georg Wendt (dpa)


Zu ihrem Recht auf volle Teilhabe am Leben gehört für Menschen mit Behinderung natürlich auch das: ein eigenes Handy und Surfen im Internet. Das selbständige und sichere Bewegen in der digitalen Welt bleibt Betroffenen allerdings nicht selten verwehrt. Die Medienfachberatung des Bezirks Mittelfranken hat deshalb inklusive Angebote entwickelt. Zunächst sind sie für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung gedacht.

"Wir wollen bei der Inklusion ganz vorne mit dabei sein", sagte Bezirkstagspräsident Armin Kroder (FW), "wenn wir das nicht machen, wer dann?" Bei dem neuen pädagogischen Angebot arbeitet die Medienfachberatung eng mit dem Bezirksjugendring Mittelfranken zusammen, der für das Thema Inklusion eine eigene Fachstelle unterhält.

Mit insgesamt über einer halben Million Euro im Jahr unterstützt Ansbach die Arbeit des Jugendrings, ein Netzwerk der Jugendringe und -verbände in Mittelfranken, und der Medienfachberatung. Bertram Höfer, Vorsitzender des Bezirksjugendrings, betonte den hohen Stellenwert dieses Engagements: "Egal woher jemand kommt, egal wo jemand wohnt – wie in anderen Bereichen müssen Barrieren für Menschen mit Einschränkungen in der digitalen Welt überwindbar sein." Bei einer inklusiven Medienpädagogik geht es laut Höfer es darum, die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt zu unterstützen, sie also nicht nur vor Gefahren zu warnen, "die es auch gibt", sondern die Chancen zu sehen, die sich bieten.

Klaus Lutz von der Medienfachberatungsstelle erinnerte daran, dass Mittelfranken vor rund 20 Jahren mit der Einrichtung einer solchen Stelle in Bayern eine Vorreiterrolle spielte. "Heute gibt es das mit hauptamtlichem Personal in jedem Bezirk."

Er freute sich, dass der Anstoß, das neue Angebot zu entwickeln "aus der Politik" kam, nämlich aus dem Bezirkstag. "Solche Impulse sind wichtig", meinte Lutz. Man habe vorerst Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung in den Blick genommen, weil sie in dieser Altersklasse die größte Gruppe unter den Menschen mit Einschränkungen stellten.

Zu den inklusiven Angeboten der Fachstelle gehören zum einen Workshops für Schulklassen oder Jugendgruppen und sonderpädagogische Einrichtungen. Sie widmen sich den Themen Handynutzung, Datenschutz, Gaming, also Computerspiele, und Mobbing. Zu Computerspielen gibt es eigens für Jugendliche Info-Flyer. Sie sind in sogenannter leichter Sprache formuliert.

Darin geht es zum Beispiel um die Frage, warum die Altersfreigabe geregelt ist und wo man die Angaben dazu findet, wie viel Zeit man einplanen sollte oder woran man selbst erkennen kann, dass man vielleicht schon süchtig nach Computerspielen ist. Auch Tipps zum Umgang mit persönlichen Daten gibt es, oder es wird darauf hingewiesen, dass solche Spiele zusätzlich Geld kosten können.

Ab September soll es, so Lutz, zudem Fortbildungen in inklusiver Medienpädagogik für Fachkräfte geben.

Info: www.medienfachberatung-mfr.de

MICHAEL KASPEROWITSCH

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