Kanufahren: In aller Ruhe Heimat genießen

4.8.2010, 08:02 Uhr
Auf der Wiesent kann es am Wochenende hoch hergehen: Zahlreiche Freizeit-Kanuten machen sich auf den landschaftlich reizvollen Weg durch die Fränkische Schweiz.

Auf der Wiesent kann es am Wochenende hoch hergehen: Zahlreiche Freizeit-Kanuten machen sich auf den landschaftlich reizvollen Weg durch die Fränkische Schweiz. © Roland Huber-Altjohann

Auf der Wiesent geht es durchaus zu Sache: Die Flusswanderfahrt durch die Fränkische Schweiz bietet nicht nur Anfängern viel. Wer sich im oberen Teil der Kanustrecke zwischen Doos und Muggendorf versuchen will, sollte zumindest vor dem Naturwehr Alte Baumfurt unterhalb von Behringersmühle darüber nachdenken, den Fluss zu verlassen. Denn hier macht das Wildwasser seinem Namen alle Ehre. Die Passage hat es in sich, einige Schaulustige haben am Ufer sogar Stühle aufgestellt. Die Kentergefahr ist hoch! Ansonsten bietet die Wiesent eine angenehme Fließgeschwindigkeit, die die Bootsbesatzungen auch ohne allzu große Paddelanstrengungen flussabwärts treibt. Entlang der Strecke bieten sich die Mühlengasthäuser als idealer Rastpunkt an. Allerdings sollten die Boote für eine Tour am Wochenende unbedingt im Voraus gebucht werden.

Ruhiger Klassiker

Das gilt auch für die Altmühl. Auf dem langsamsten Fluss Bayerns geht es zwischen Gunzenhausen und Kelheim aber wesentlich gemütlicher zu als auf der vergleichsweise wilden Wiesent. Dafür muss umso kräftiger gepaddelt werden – ungeübte Flusswanderer sollten sich über einen Muskelkater nicht wundern. Für eine Einsteiger-Tour eignet sich etwa der Flussabschnitt zwischen Eichstätt und Beilngries. Zwei Tage sind für die Passage nötig, übernachtet werden kann direkt am Flussrand auf einem Bootszeltplatz. Für drei Euro pro Person und Zelt ein günstiges Vergnügen an einem schönen Augusttag. Die Strecke ist gefahrlos auch mit Kleinkindern befahrbar, zahlreiche schöne Biergärten liegen direkt am Ufer. Wer das Altmühltal bereits erwandert oder mit dem Fahrrad erkundet hat, darf sich über völlig neue Perspektiven freuen. Denn das Dahingleiten auf dem Fluss führt zu intensiven Landschaftserlebnissen.

Herrliche Aussicht

Ein wunderschönes Umfeld garantiert auch eine Kanutour auf der Pegnitz: Der Fluss ist zwischen Neuhaus und Hersbruck befahrbar. Das enge Tal bietet immer wieder spektakuläre Ansichten und mit dem Campingplatz bei Hohenstadt noch dazu eine sehr schöne Übernachtungsmöglichkeit. Besonders Wagemutige beenden ihren Ausflug erst nach einer Durchfahrt der Frankenalb Therme Hersbruck. Direkt nach dem Bad folgt ein gar nicht so unproblematisches Wehr, das manchen Freizeit-Kanuten auf den letzten Metern noch mit der (meist niedrigen) Wassertemperatur vertraut macht...

Weniger beengt als die Pegnitz, stattdessen weitläufig präsentiert sich der Obermain: Fast wie am Amazonas können sich Flusswanderer dort fühlen. Das Gewässer, das in den vergangenen Jahren renaturiert worden ist, ist von Bad Staffelstein bis Hallstadt auf 34 Flusskilometern befahrbar. Insgesamt elf Ein- und Ausstiegsstellen sind angelegt worden. Die Kiesinseln sollten dagegen umpaddelt werden, denn hier brüten und rasten Vögel. Dass drei Brauereigasthöfe am Weg liegen, vereinfacht die Suche nach einer geeigneten Einkehrmöglichkeit.

Der Regen in Ostbayern zählt mit insgesamt 107 befahrbaren Kilometern zu den beliebtesten und längsten Bootswanderstrecken in Deutschland. Eine fünftägige Tour ist möglich. Zu empfehlen ist die Strecke zwischen Cham und Nittenau. Hier halten sich die Schwierigkeiten in Grenzen, schöne Städtchen wie Roding säumen den Weg. Wer es wilder mag, sollte im Oberlauf beim Blaibacher See einsteigen. Bootsverleiher gibt es an allen Flüssen. Meist sind 2er- oder 3er-Kanus im Verleih, ebenso wie Schwimmwesten sowie wasserdichte Behälter für Kleidung und Proviant. Um den Rücktransport zum Ausgangspunkt kümmert sich der Verleiher.