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Karpfensaison beginnt: Frankens Teichwirte vor Problemen

Kormoran und Biber bedrohen die Bestände - Auch Wassermangel macht Sorgen - 02.09.2019 05:14 Uhr

Für Walter Jakob ist die Karpfenzucht noch immer ein Traumjob. Die große Nachfrage gleicht die Probleme wieder aus. © Foto: Ralf Rödel


In der Oberpfalz sind bereits Teiche zugeschüttet worden und werden nun als Maisfelder genutzt. Nach dem Kormoran und dem Biber bedroht jetzt der gefräßige Fischotter die Karpfenbestände. Wegen der Klimaveränderung bleiben manche Teiche leer, in andere muss wegen der Dauerhitze Sauerstoff gepumpt werden. Die Liste der Probleme bei der Karpfenzucht ist lang, doch Walter Jakob lacht: "Ich freue mich, dass ich einen der schönsten Berufe habe. Und ich bin dankbar, dass die Bevölkerung unser regionales Produkt schätzt."

Der Teichwirt aus dem Markt Mühlhausen im Kreis Erlangen-Höchstadt ist zu Beginn der Karpfensaison trotz aller Widrigkeiten optimistisch. Er erwartet "dank der Wärme" eine gute Ernte. Die Fische seien gut gewachsen.

"Mehr Biodiversität geht doch gar nicht" 

Walter Jakob (55) ist an seinen Teichen in seinem Element. "Mehr Biodiversität geht doch gar nicht", sagt er über die vom Schilf bewachsenen Ufer. Und sogar zum Hochwasserschutz trägt die Teichwirtschaft bei. Bei lokalem Starkregen fangen die Teiche große Wassermassen auf.

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Er kommt blau, in knuspriger Panade oder in den exotischsten Varianten auf den Teller: der Karpfen. In Franken ist das Fischgericht eine echte Tradition und vor allem in den Herbst- und Wintermonaten sehr beliebt. Doch in welchem Lokal in Nürnberg und Umgebung gibt's denn tatsächlich den besten Karpfen? Unsere User haben vergangenes Jahr die Sieger in Sachen Geschmack und Exklusivität gekürt.


Das ist die positive Weltsicht eines Mannes, der mit seinem Familienbetrieb eine tausendjährige Tradition bewahrt, die einst von Mönchen begründet wurde und weite Teile Frankens und der Oberpfalz landschaftlich prägt.

Doch "Fischjakob", wie er genannt wird, ist auch Realist. Er sieht bei den abgestuft angelegten Weiheranlagen, dass in diesem Jahr die obersten oft überhaupt kein Wasser hatten oder dort Notabfischungen stattfanden, weil sich der Grundwasserspiegel senkte. "Wir leiden noch unter dem Wassermangel des letzten Jahres und spüren die Klimaveränderung deutlich", sagt er.

Doch Franken sind erfinderisch. Mit Solartechnik werden die Weiher belüftet, wenn sie zu warm werden und die Karpfen dem Erstickungstod nahe sind. Andernorts werden Pumpen mit Dieselaggregaten angetrieben: "Der Energieeinsatz schlägt sich in den Preisen nieder", räumt er ein. Wissenschaftler haben ohnehin errechnet, dass der Karpfenpreis im Großhandel mit 2,50 Euro zu niedrig angesetzt ist. Vier Euro wären realistisch, heißt es in Fachkreisen.

Keine Prämien für Nachhaltigkeit

Kritisch wird von Verbänden wie von Verbraucherschützern gesehen, dass die Teichwirtschaft ein Stiefkind in der Europäischen Union ist. Landwirte bekommen Prämien für den Naturschutz. Doch die Karpfenzucht wird in der selben Abteilung geführt wie die Hochseefischerei, da sind Prämien für besonders umweltschonende Maßnahmen fremd.

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Dabei ist der Karpfen das wohl nachhaltigste Fischprodukt überhaupt. Die Umweltorganisationen WWF und Greenpeace stufen ihn in ihren Fischführern als "unproblematisch" ein. Das schafft kein anderer Fisch. Vom Teich bis zur Pfanne sind es meist nur wenige Hundert Meter, die Umweltbilanz ist einzigartig. Gefüttert werden die Tiere mit regionalen Produkten wie Getreide oder gequetschten Erbsen, Lupinen und Ackerbohnen, oft aus eigenem Anbau. Der chemische und pharmazeutische Aufwand von künstlichen Aquakulturen ist den Teichbauern fremd. Aber auch bei ihnen geht die Klage über zunehmende Bürokratisierung um, etwa beim Futternachweis.

Größere Schäden erst nächste Saison

In den Ortschaften rund um die Teiche ist der Karpfen Kult. Doch deutschlandweit spielt er kaum eine Rolle. Gerade 160 Gramm von den 19,7 Kilo Fisch, die ein Deutscher pro Jahr durchschnittlich isst, stammen vom Karpfen. Als rühmliche Ausnahme galt da der frühere Landrat von Erlangen-Höchstadt, Eberhard Irlinger, der es pro Saison auf 115 halbe Gebackene brachte. Das brachte dem SPD-Politiker sogar den Spitznamen "roter Kormaran" ein.

Der echte Kormoran ist dagegen ein Dauerproblem. Und trotz staatlichen Bibermanagements lässt sich auch der Nager beim Nestbau kaum bremsen; er schädigt die Teichanlagen. Und nun steht die nächste Bedrohung an: Nach der Oberpfalz und Unterfranken hat der Fischotter auch Mittelfranken als Jagdgebiet entdeckt. Mit größeren Schäden wird bereits nächste Saison gerechnet.

Jakob – er bewirtschaftet 60 Teiche – kennt die Bedrohungen, schließlich ist er Vorsitzender der Teichgenossenschaft im Aischgrund, wo es mehr als 7000 Teiche gibt. Die Genossenschaft bietet regelmäßig Fortbildungen an, kooperiert mit dem Institut für Fischerei in Höchstadt. Wenngleich mittlerweile einige Kollegen die Karpfenwirtschaft aufgegeben haben, gibt es für Jakob keine Alternative zu seinem Traumjob: "Ich freue mich, dass unser Produkt so stark gefragt ist. Da muss man einfach optimistisch bleiben."

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