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Kein Abschlussfeuerwerk mehr: Fürther Kärwa geht auf Öko-Kurs

Stadt will Umweltschutz mehr in den Fokus rücken - 05.02.2020 15:19 Uhr

Die Fürther Kirchweih ist ein Publikumsmagnet, nun soll die nachhaltiger werden. Wie genau, das ist noch unklar.

04.02.2020 © Hans-Joachim Winckler


Den Anstoß hatten die Grünen schon während der Kärwa des Jahres 2019 gegeben, im November schlug der örtliche Bund Naturschutz (BN) in dieselbe Kerbe: Die Michaelis-Kirchweih, sie müsse künftig ökologischer ausgerichtet werden – sei es bei der Verwendung von Geschirr, sei es bei der Wahl von Lebensmitteln oder Waren, beim Einsatz von Energie und bei der Mülltrennung. In Zeiten der Klimakrise komme man daran nicht mehr vorbei.

Lasershow statt Feuerwerk

Den städtischen Wirtschaftsreferenten Horst Müller, der kraft Amtes für das ebenso zugkräftige wie aufwendige Fest zuständig ist, musste man freilich nicht lange bitten: Er stehe dem Ansinnen "aufgeschlossen" gegenüber, bekräftigte er nun auf Anfrage der FN erneut. Die Kirchweih müsse sich "weiterentwickeln".

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Und Müller ist bemüht, keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines Bemühens aufkommen zu lassen. Deshalb sagt er: Es dürfe nicht "bei Lippenbekenntnissen bleiben, die gerade dem Zeitgeist entsprechen" – eine Formulierung, die man wohl eher von Naturschützern erwartet hätte als von einem der CSU zugehörigen Referenten.


Eine Million Besucher und Knatsch: So lief die Michaelis-Kirchweih 


Man müsse nun konkrete ökologische Bedingungen für die Verträge mit Schaustellern und Händlern entwickeln – ein Novum für Fürth, "einschneidend", wie Müller es nennt. Motto: Wer nachhaltig zu Werke geht, könnte seine Chancen auf einen Platz in der Fürther Budenstadt deutlich erhöhen.

Mit Betroffenen zusammensetzen 

Dabei ist Müller um Konsens bemüht, er will sich mit den Betroffenen zusammensetzen: Wie und was ist realistisch, was ist umsetzbar, wie werden Verstöße sanktioniert?

Unstrittig etwa dürfte sein, dass man Energiesparlampen verwendet, schwieriger werde es schon, wenn man eine möglichst ökologische Anreise verlangt. Denn ein Schausteller aus dem Norden hätte dann automatisch schlechtere Karten als sein Kollege aus der hiesigen Region. Ist das mit dem Diskriminierungsverbot der EU vereinbar?

Alles auf einmal werde man bis zur nächsten Kirchweih keinesfalls umsetzen können, glaubt Müller, "Schritt für Schritt" müsse der Kriterienkatalog entwickelt werden. Dass überhaupt ein Einstieg in "ökologisch nachhaltigere Bewerbungsrichtlinien" gelungen ist, den auch der zuständige kommunale Ausschuss kürzlich abgesegnet hat, lässt die Fürther Grünen frohlocken; sie sehen es als ihren Erfolg.

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"Klimaschutz ist nicht nur im Alltag wichtig. Gerade bei Veranstaltungen dieser Größenordnung kann man durch das Drehen an Stellschrauben den ökologischen Fußabdruck deutlich verbessern", heißt es in einer Mitteilung der Partei. Nun müsse man sich an den Nachhaltigkeitskonzepten anderer Volksfeste orientieren und prüfen, inwieweit sie für Fürth passen. Man sei sich "sicher, dass die Neuerungen für den Kärwa-Spaß kein Hindernis sind".

Eine bisher obligatorische Bespaßung indes ist im Licht der ökologischen Bemühungen bereits passé. Beschlossen wurde, was der BN angeregt, der OB aufgegriffen und die SPD nun zum Antrag erhoben hatte: Das traditionelle Abschlussfeuerwerk im Wiesengrund wird entfallen, um das Landschaftsschutzgebiet zu schonen – ohnedies, ließ das Ordnungsamt wissen, ist es dort verboten. Ersetzt werde es, so Horst Müller, wie gewünscht durch eine "attraktive Licht- und Lasershow".

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Wo diese über die Bühne gehen soll, bleibt jedoch offen. Den Bereich des Stadttheaters habe man bereits als zu beengt verworfen, das Rathaus-Areal liege zu sehr am Rand der Kärwa. Die Suche geht deshalb weiter. Zeit ist ja noch bis zum Herbst.

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