Keine Faschingsferien: Lehrer setzen auf Unterricht "light"

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Nina Dworschak

Volontärin Region & Bayern

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15.2.2021, 18:46 Uhr
Auch in der Faschingswoche müssen die meisten Schüler in Bayern pauken - allerdings nicht so hart wie sonst.

Auch in der Faschingswoche müssen die meisten Schüler in Bayern pauken - allerdings nicht so hart wie sonst. © Rolf Vennenbernd, NN

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen beispielsweise setzt in der Faschingswoche auf wiederholen und vertiefen - zumindest in Jahrgangsstufe fünf bis zehn. Laut Schulleiterin Katarina Keck sei das Ziel der Woche, die Kinder wieder auf einen Stand zu bringen. "Alle Arbeitsaufträge und Hausaufgabe, die bisher nicht gemacht wurden, können aufgeholt werden." Für die höheren Jahrgangsstufe heißt es allerdings Unterricht nach Plan - mit Faschingseinlage: "Eine Kollegin hat heute im OP-Outfit unterrichtet."

Vom sogenannten Unterricht "light" hält das bayerische Kultusministerium wenig. Die Regierung Oberbayern hat einen Brief an die Schulbehörden verschickt mit der Bitte, die Lehrer zu melden, die auf den Regelschulbetrieb in Gestalt des Distanzunterrichts verzichten. Dieses Vorgehen kritisiert die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Simone Strohmayr scharf.

Klaudia Böhmetzrieder, Schulleiterin der Werner-von-Siemens-Realschule in Erlangen hat ihren Lehrkräften geraten, eine "Entschleunigungswoche" einzubauen. Wie die konkret aussieht, liege in der Hand der jeweiligen Lehrkraft. "Der Unterricht findet nach Stundenplan statt und es gibt keine konzipierten Projekte. Es gibt aber verschiedene Aktionen, die in den Unterricht mit eingebaut werden können", so Böhmetzrieder. Die Schüler selbst haben gemeinsam mit Verbindungslehrern für die Woche verschiedene Aktionen geplant, wie beispielsweise Klassenshootings mit der Maske vor dem Computer. Dass jüngere Schüler eine Entschleunigung nötiger haben als ältere, liege laut Böhmetzrieder auf der Hand.

Überhöhte Erwartungen

Dass in der Faschingswoche die Erwartungen von Kultusministerium und Eltern besonders hoch ist, weiß die Präsidentin des Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband Simone Fleischmann. Die Drohung von oben, in Einzelfällen die Schulaufsicht zur Kontrolle des Unterrichts heranzuziehen, findet Fleischmann falsch. Für sie sei dies der vergebliche Versuch, bis in den Unterricht hineinzuregieren. "Wir als Lehrkräfte und Schulleitungen sind die Experten vor Ort und werden Schule und einen Unterricht machen, der den aktuellen Herausforderungen entspricht."


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Das Kultusministerium selbst räumt ein, dass die konkrete Ausgestaltung des Unterrichts bei der Schule vor Ort liege. Allerdings gehe die Schulaufsicht den Hinweisen nach, in denen "kein Unterrichtsangebot aufrecht erhalten wird". Davon lässt sich die Erlanger Schulleiterin Keck nicht unter Druck setzen. "Die können ruhig kommen, wir wissen was wir unseren Schülern schuldig sind."

Am Dürer-Gymnasium in Nürnberg wird diese Woche nicht viel anders gemacht, erklärt Schulleiter Reiner Geißendörfer. "Wo es gelingt, kann man die Schüler auch an längeren Zügeln laufen lassen, je nachdem, wie viel Struktur die Kinder brauchen." In Anbetracht der ausgefallenen Faschingsferien stellt er sich die Frage: "Was machen wir vor Ostern, wenn den Kindern langsam die Luft ausgeht?"

Privatschulen dürfen schließen

Anders als staatliche dürfen private Schulen in den Faschingsferien auch online zu machen. Die Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg hat entschieden, den Unterricht am Rosenmontag und Faschingsdienstag ausfallen zu lassen. Der Schulleiter Mark Meinhard begründet die Entscheidung mit den anhalten Online-Unterricht seit den Weihnachtsferien. "Ich bin davon überzeugt, dass elf Wochen Unterricht in dieser Form eine sehr große Belastung sind. Auch für die unterrichtenden Kollegen." An andere Privatschulen in der Region, wie die Montessori-Schule in Lauf und der freien Walddorfschule in Wendelstein, findet jedoch Unterricht statt.

GEW begrüßt schülerorientierten Unterricht

Der Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte den Beschluss der Landesregierung zur Streichung der Faschingsferien von Beginn an. Mit einer Online-Petition versuchte die Bildungsgewerktschaft, die Entscheidung umzukehren - ohne Erfolg. Nun ruft sie Lehrkräfte dazu auf, die Mehrarbeit in dieser Woche geltend zu machen. Die Vorsitzende der GEW, Martine Borgendale betont: "Die Idee hinter dem Ferienausfall war, Präsenzunterricht nachzuholen. Das findet aber nicht statt." Das Ziel der Streichung sei damit verfehlt. Sie begrüßt es, wenn Schulen die Faschingswoche dazu nutzen, schülerorientierten Unterricht in Form von Projekttagen zu machen. "Damit Schüler trotz ausfallenden Ferien das Gefühl haben, auch Mal etwas anderes zu machen."