Intensivstationen voll, Personal fällt aus

Klinik-Kollaps droht: Dramatische Corona-Situation in Bamberg

Tobi Lang
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Online-Redakteur

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16.11.2021, 16:03 Uhr
Viele Intensivstationen in Bayern haben mit Personalmangel zu kämpfen. 

Viele Intensivstationen in Bayern haben mit Personalmangel zu kämpfen.  © Jan Woitas, dpa

Tag um Tag spitzt sich die Situation an Bayerns Krankenhäusern zu. Am Dienstag meldeten die Kliniken im Freistaat etwas weniger als zehn Prozent freie Intensivbetten - ein Tiefstwert. Besonders dramatisch, das teilt das örtliche Landratsamt mit, sei die Situation in Bamberg. In einer Mittelung sprechen die Behörden von einer "krisenhaften Situation", die Gesundheitsversorgung in der gesamten Region stehe vor dem Kollaps.

"Uns drohen südbayerische Verhältnisse: Wir hatten noch nie in der gesamten Pandemie so viele Menschen mit Corona in Kliniken und wir müssen damit rechnen, dass schon bald die Hälfte aller Intensiv-Behandelten in Kliniken Covid-Patienten sein werden", sagt Michael Sackmann. Er ist ärztlicher Leiter für die Krankenhaus-Koordinierung im örtlichen Krisenstab. "Alle nicht dringlichen Eingriffe müssen unterbleiben."

"Die nächste Stufe ist der komplette Klinik-Notfall"

Das hat gleich mehrere Gründe. 78 Covid-Patienten werden derzeit in den Kliniken in Bamberg und dem Umland behandelt, 13 von ihnen liegen auf einer Intensivstation. Zudem fallen reihenweise Mitarbeiter im Pflegebereich aus. Drei von zehn OP-Sälen mussten bereits außer Betrieb gesetzt werden, um die Covid-Patienten versorgen zu können. "Die nächste Stufe ist der komplette Klinik-Notfall", teilt das Landratsamt mit.

"Wir haben eine komplette Ebene für Covid-Patienten frei geräumt und sieben zusätzliche Intensiv-Betten geschaffen", sagt Georg Pistorius, ärztlicher Direktor am Klinikum Bruderwald. "Alle Stationen werden nur mit minimaler Besetzung gefahren." Anderswo im Umland sieht die Situation nicht besser aus.

"Sehen auch ambulante Versorgung gefährdet"

Auch die Gesundheitsämter sind in der Krise. "Bei einer seit Beginn dieses Monats täglich dreistelligen Zahl von Neuinfektionen können wir das Infektionsgeschehen nicht mehr zeitnah nachverfolgen“, sagt Lothar Riemer, stellvertretender Leiter des Fachbereiches Gesundheitswesen beim Landratsamt. Allein über das das Wochenende habe es mehr als 400 Neuinfektionen gegeben.

Die Probleme reichen bis zu den niedergelassenen Ärzten - auch wegen coronabedingter Ausfälle. "Wir sehen auch die ambulante Versorgung gefährdet", sagt Matthias Dreyer, der in Burgebrach bei Bamberg eine Praxis führt.