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Kommentar: Österreich will den letzten Rest Skisaison retten

Das Land lebt zu 15 Prozent vom Tourismus, nun setzen sie verzweifelt auf den Start im Januar - 03.12.2020 14:23 Uhr

Österreich lässt keine Ausländer mehr ins Land - für manche Skigebiete lohnt es sich nicht, nur für Einheimische aufzusperren.

20.01.2020 © Frank Rumpenhorst, NN


Lange wollte Österreich trotz Bedenken aus vielen anderen Ländern - wegen hoher Corona-Infektionszahlen - ihre Skigebiete zur Weihnachtszeit für Touristen und Einheimische öffnen. Nun kommt es doch anders: Das Land macht seine Grenzen dicht.

Haben die Österreicher ernsthaft gedacht, sie beenden den eigenen harten Lockdown, sperren vor Weihnachten die Skigebiete auf und alles wird wieder ein bisschen gut? Weil dann endlich wieder Urlauber hereinströmen? Ja habe die Ehre.

In Europa und Deutschland stiegen und steigen trotz Lockdown-light die Covid-19-Fallzahlen, bestenfalls stagnieren sie. Markus Söder hat eine weitere Verschärfung schon angedeutet, und eine Gemeinde nach der anderen beschränkt den Ausgang ihrer Bürger. Bund und Länder appellieren, touristische Reisen zu unterlassen und nehmen dabei in Kauf, dass auch unsere Gastronomen darben – im Ferienland Bayern surrt noch lange kein Lift, darf kein Hotel aufsperren.


Harter Lockdown in Österreich: Das ändert sich für die Bürger


Darum ist es – wie so vieles – Quatsch, zu behaupten, Söder und Merkel ginge es darum, den eigenen Gastronomen und Skigebieten Vorteile gegenüber ausländischer Konkurrenz zu verschaffen. Das gehört in die Schublade "Ressentiments gegen Piefkes".

Winterurlaub ist wichtig für die Kassen

Österreich lebt zu 15 Prozent von Tourismus und Freizeit. Winterurlauber sind wichtiger als Sommergäste, eine Milliarde Euro spülen sie mehr in die Kassen von Hoteliers, Gastronomen und Liftbetreibern. Die stellen Jahr für Jahr immer teurere Projekte in die Bergwelt, ihre Lobby hat einen ungleich größeren Einfluss als bei uns. Sie treibt die Politik vor sich her, was vor wenigen Tagen im Statement von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger gipfelte: Sie habe keine Angst, in einem Skigebiet infiziert zu werden.

Ja, auch ich werde das Skifahren sehr vermissen. Ja, es ist ein Sport an der frischen Luft, den man individuell auf der Piste ausüben könnte. Am Lift, im Skibus und im Hotel kommen aber alle zusammen. Da können sie "Abstand halten"-Papperl mit 1,50 Meter Distanz auf den Boden picken, wie sie wollen: Menschen aus ganz Europa wären sich in vielen Situationen deutlich näher gekommen. Machen wir uns ehrlich: Vorerst können wir uns das Skifahren abschminken.

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Christkindlesmarkt: Zehn Dinge, die wir dieses Jahr vermissen!

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es ihn bereits, heute ist der Nürnberger Christkindlesmarkt einer der bekanntesten Weihnachtsmärkte der Welt. Der Budenzauber auf dem Hauptmarkt, im Herzen der historischen Altstadt, zieht jährlich etwa zwei Millionen Besucher aus vielen verschiedenen Ländern an. Doch in diesem Jahr ist alles anders, wegen Corona sagte die Stadt den Christkindlesmarkt ab. Wir zeigen, welche schönen Dinge wir in diesem Jahr vermissen.


Österreich kann sich der Realität nicht verweigern

Österreich hat’s zum Teil ja auch selbst verbockt. Ischgl wurde zum Reizwort, das man nicht mehr erklären muss. Wir trugen im Sommer in Deutschland in Läden und Restaurants brav Maske und erlebten jenseits der Grenze eine alpine, kumpelhafte "Ah geh, des bassd scho"-Einstellung auf den Hütten, wo trotz Vorschrift kaum jemand Maske trug. Fotos vom Gedränge am Lift des Kaunertaler Gletschers von Ende Oktober gingen um die Welt.

Österreich kann sich der Realität nicht mehr verweigern, will Handlungsfähigkeit beweisen und steuert nun um. Es öffnet seine Skigebiete zu Weihnachten nur für Einheimische – was sich für viele Liftbetreiber kaum rentiert. Einreisende müssen bis 10. Januar in Quarantäne, danach dürfen sogar Hotels öffnen. Der Februar ist der umsatzstärkste Monat der Saison. Den wollen sie wenigstens retten.


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