Kommentar: Söder macht Laschet zum Pyrrhussieger

Alexander Jungkunz
Alexander Jungkunz

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20.4.2021, 06:18 Uhr
Echte Parteifreunde: Das Klima zwischen Armin Laschet und Markus Söder dürfte dauerhaft vergiftet sein.

Echte Parteifreunde: Das Klima zwischen Armin Laschet und Markus Söder dürfte dauerhaft vergiftet sein. © Michael Kappeler, dpa

31 Stimmen für Armin Laschet, neun für Markus Söder, sechs Enthaltungen: ein klares Votum aus dem CDU-Parteivorstand. Eigentlich. Aber: Ist es klar genug für Söder?

Das bleibt abzuwarten. Möglich, dass er wieder auf den breiten Rückhalt verweist, den er - anders als der CDU-Chef - an der Basis hat. Auf die (momentan) eindeutigen Umfragen. Dass er es also nicht lassen kann, die offenen und von ihm tatkräftig mit herbeigeführten Wunden der Union noch zu vertiefen.

"Noch so einen Sieg, und wir sind verloren"

Laschet ist ein klassischer Pyrrhussieger. "Noch so ein Sieg, und wir sind verloren", soll der König Pyrrhus nach einem erbittert erkämpften Sieg über die Römer gesagt haben. Es ist die Frage, ob Laschet noch einen Sieg erringt. Ob er die Bundestagswahl für die Union gewinnen kann.

Und Markus Söder war es, der diese Frage bundesweit stellte. Mit aller Wucht. Und mit der klaren Antwort: Nein, Laschet kann es nicht. Das sehen viele so, auch in Laschets Partei, wo der Rückhalt für den Nürnberger groß ist - alarmierend groß für den amtierenden Parteivorsitzenden.

Jetzt weiß das ganze Land, dass die Union uneins ist

Jetzt weiß also die ganze Republik, dass die Union sehr wahrscheinlich uneins in den Wahlkampf geht. Mit einem Kandidaten, den viele für unfähig halten. Den seine Anhänger womöglich mit allen Kräften unterstützen - die Anhänger des Unterlegenen werden dies kaum mit Leidenschaft tun.

Und das ganze Land hat gesehen, wie altbacken diese CDU, aber auch die CSU daherkommt. Ohne klare Regeln für eine ganz zentrale Entscheidung: Wie küren wir denn einen gemeinsamen Spitzenkandidaten in diesem komplizierten Konstrukt der Schwesterparteien? Dafür gibt es kein Verfahren, kein Muster.

Der alte Söder tauchte wieder auf

Das braucht man dann nicht, wenn man einen Machtkampf so beilegt wie die Grünen. Man braucht es aber dringend, ganz dringend, dann, wenn man ihn so auskämpft wie Laschet und Söder, die nun beide beschädigt sind. Laschet ganz massiv. Söder deshalb, weil er so sehr wieder den "alten" Söder zeigte: brutal, ruchlos, besserwisserisch gegenüber jeder Konkurrenz.

Und: Mal schauen, wie die CSU das Ergebnis dieser dramatischen, sieben Stunden langen Nachtsitzung der CDU wertet. Überraschungen hat Markus Söder genügend präsentiert in diesem Drama.

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