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Kein klarer Sieger im TV-Duell zwischen Maly und Brehm

Trotz konträrer Meinungen hatten die Kontrahenten viel Respekt voreinander - 12.03.2014 21:29 Uhr

Der Kampf ums Nürnberger Rathaus ist in der heißen Phase. Am Mittwoch trafen die beiden schärfsten Kontrahenten, Amtsinhaber Ulrich Maly (links, SPD) und Sebastian Brehm (CSU) im TV-Duell aufeinander.

12.03.2014 © Eduard Weigert


Gleich mehrere Themen beschäftigen die Nürnberger vor der Kommunalwahl 2014. Dazu zählen vor allem die Verkehrs-, Parkplatz- oder Wohnungssituation, aber auch die Zukunft des Quelleareals, über die Bürger und Parteien uneins sind. Im TV-Duell im "Franken-Fernsehen" sollten die beiden Kontrahenten am Mittwochabend noch einmal die Gelegenheit bekommen, mit ihren Argumenten bei den Wählern zu punkten.

Los ging es mit einem Aufregerthema. Moderator Heiko Linder sprach zum Einstieg gleich das Verkehrschaos nach den ersten Schneeflocken im November an, für das der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) verantwortlich gemacht wird.

"Ich habe Vertrauen zu Sör", verteidigte Amtsinhaber Ulrich Maly den Winterdienst. "Natürlich ist zwei-, dreimal was schief gegangen, aber es sind 1000 Leute, die zu jeder Tages- und Nachtzeit für uns auf die Straße gehen, und auf deren Rücken sollte man keinen Wahlkampf machen", so der Oberbürgermeister. Herausforderer Sebastian Brehm sieht das anders: "Wir haben Glück gehabt, dass es nicht so viel geschneit hat." Sör sei eine zu große Einheit, die ursprünglich mit dem Ziel geschaffen wurde, Kosten zu reduzieren und mehr Bürgerservice zu bieten. "Aber das Gegenteil ist eingetreten." Deswegen wolle die CSU Sör abschaffen, sagte Brehm. "Wir brauchen stattdessen kleine, dienstleistungsorientierte Einheiten."

In Sachen Sauberkeit halten Brehm und die CSU weiterhin am Konzept eines Kommunalen Ordnungsdienstes fest. "Wir wollen damit diejenigen heranziehen, die die Stadt verschmutzen", sagte der 42-Jährige. Maly meinte hierzu: "Jeder will eine saubere Stadt." Doch für Ordnungwidrigkeiten sei ausschließlich die Polizei da, so der OB.

Auch als es um den möglichen neuen Konzertsaal ging, wurden die unterschiedlichen Standpunkte der beiden Kontrahenten noch einmal klar. Brehm favorisiert als Standort weiterhin das Gelände des ehemaligen Augustinerhofs: "Es ist die letzte freie Fläche in der Innenstadt, die wir für die Kultur nutzen können", sagte der CSU-Kandidat. Er sei sich sicher, dass der Konzertsaal an dieser Stelle die Stadt beleben würde. Maly hingegen hält den Augustinerhof als Standort weiterhin für nicht ideal. "Ein Konzertsaal belebt nicht, und wenn, dann nur kurz vor und kurz nach einer Veranstaltung", so der 53-Jährige.

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Der Frankenschnellweg als "Herzensangelegenheit"

Einig waren sich Brehm und Maly beim Frankenschnellweg, mit dessen Ausbau so bald wie nur irgendwie möglich begonnen werden soll. Momentan sei man ohnehin vom Gericht in Ansbach abhängig, das drei Klagen gegen das Großprojekt bearbeitet. Solange könne man nicht viel tun. Brehm erklärte den Ausbau der A73 zur "Herzensangelegenheit der CSU". Maly konterte und sprach von einer "Herzensangelegenheit der Menschen".

Ein anderes Verkehrsthema ist die Nordanbindung des Flughafens. Brehm bemängelte, der Airport Nürnberg sei "der einzige Flughafen in Deutschland, der nicht an die Autobahn angebunden ist." Der Verkehr schlängelt sich deshalb durch die Wohngebiete. Maly gab zu bedenken, dass der Airport immer weniger Passagiere anzieht. Die Planungen einer Anbindung basieren jedoch auf Zahlen aus der Vergangenheit, als der Airport noch deutlich mehr frequentiert war. "Da ist es nur legitim zu sagen, lasst uns nochmal drüber nachdenken, schließlich müssten wir zehn Hektar Wald fällen." Angesichts der momentanen Entwicklungen sehe er die Nordanbidung kritisch, so der SPD-Politiker.

Eine Frage aus der Netzgemeinde brachte dann das Thema Falschparken in der Innenstadt auf die Agenda. Brehm möchte mehr Parkplätze in der Stadt schaffen. Maly hingegen wies erneut darauf hin, dass man beispielsweise in der Südstadt und in Johannis schlichtweg nicht noch mehr Parkplätze schaffen könne. "Sie sagen immer nur, wie es nicht geht, Herr Maly", ging Brehm den Oberbürgermeister daraufhin an. "Das ist der Unterschied zwischen uns beiden." Erstmals hatten die Zuschauer das Gefühl, dass das Duell etwas an Fahrt aufnimmt.

Wenn es um die Zukunft des Quelleareals im Nürnberger Westen geht, könnten die Positionen kaum unterschiedlicher sein. "Ihnen, Herr Brehm, werfe ich Verkrampfung auf einen Abriss vor", sagte Maly. Brehm blieb jedoch stur: "Die jetzige Lösung ist nicht das, was Nürnberg braucht. Wir müssen einfach den Mut haben, das Gebäude auch zum Teil abzureißen. Wir brauchen Wohnraum". Letzter Punkt auf der Tagesordnung war schließlich das seit über 20 Jahren mehr oder weniger dem Verfall überlassene Volksbad, für das Brehm und Bayerns Finanzminister Markus Söder just am Mittwochmorgen ein Sanierungskonzept vorgestellt hatten. Maly tat diese Aktion als "billiges Wahlkampfschnäppchen" ab. Es folgten die Schlussplädoyers der beiden Kontrahenten - und das Duell war schon beendet. Einen klaren Sieger gab es nicht. Überraschungen auch nicht.

 

Ihre Meinung ist gefragt: Wer hat Sie im TV-Duell mehr überzeugt? Abstimmen können Sie hier.

 

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Von Stefan Hofer und Peter Schulze-Zachau

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