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"Kontaktperson 1": Fränkin erzählt von Corona-Quarantäne

Heroldsbergerin Daniela Mailänder seit Tagen isoliert - was macht das mit ihr? - 04.03.2020 07:06 Uhr

Die Heroldsbergerin Daniela Mailänder, Jahrgang 1982, arbeitet beim CVJM Bayern und entwickelt neue Formen von Kirche. Die Nürnberger Jugendkirche Lux hat sie mitgegründet. In Karlsruhe sollte sie auf einem Kongress vor 10 000 Teilnehmern zum Thema "Kirche, die an die Ränder geht“ sprechen – ehe ihr das Coronavirus dazwischen kam.


Frau Mailänder, zuerst: Wie fühlen Sie sich gerade gesundheitlich?

Ich fühle mich gut. Ich habe Heuschnupfen und eine Nase, die immer so ein bisschen vor sich hintrieft. Aber das hatte ich auch schon vor dem Kontakt mit dem Corona-Infizierten.


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Corona ist das Stichwort: Sie wollten zu einem dreitägigen Kongress in Karlsruhe – und jetzt hängen Sie zwei Wochen lang in Baden-Württemberg fest. Was ist passiert?

Ich hatte Mittwochabend Kontakt zu einer Person, die mit dem Coronavirus infiziert ist. Das habe ich am Freitag kurz vor Mittag erfahren und musste mich dann umgehend in Quarantäne begeben. Ich bin eine "Kontaktperson 1" – so heißen diejenigen, die direkt mit einem Infizierten in Berührung waren.

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Wie haben Sie davon erfahren?

Die Kongressleitung hat mich und 19 andere Kontaktpersonen in einen Raum gerufen und uns informiert. Die Leitung war in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt Karlsruhe, das die Quarantäne angeordnet hat.

Haben die bestimmt, wo Sie hinmüssen?

Die haben uns eine Frist gesetzt bis Freitagabend, 18 Uhr. Also genau 48 Stunden ab dem Kontakt mit dem Infizierten, weil die Mediziner glauben, dass man ab dann selber ansteckend sein könnte.


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Und durften Sie den Ort für Ihre Quarantäne selber wählen.

Ja. Klar war nur: Den Weg dorthin musste ich alleine beschreiten, also keinen Kontakt mit jemandem bis dorthin haben. Am liebsten war denen, ich nehme das eigene Auto.

"Sicherheitsabstand zu anderen Personen"

Und wo sind Sie nun?

Ich bin jetzt im Landkreis Calw. Dort hat meine Tante eine möblierte Ein-Zimmer-Wohnung, die ich nutzen darf. Auch meine Eltern leben in dem Ort. Meine Mutter stellt mir das Essen vor die Tür. Und ich hatte ja eh den Koffer gepackt für den Kongress, habe also was zum Anziehen.

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Dürfen Sie die Wohnung nie verlassen? Steht da ein Polizist vor der Tür, der das kontrolliert?

Nein, das kontrolliert niemand. Ich habe vom Gesundheitsamt Karlsruhe ein Merkblatt mit Regeln bekommen. Darauf steht, dass ich auch mal an die frische Luft darf, aber dabei mindestens drei Meter Sicherheitsabstand zu anderen Personen halten muss. Einkäufe erledigen meine Eltern für mich.

Wie sehen Ihre Tage jetzt aus?

Ich habe mir heute morgen ganz normal für halb sieben den Wecker gestellt, bin aufgestanden und versuche, meinen üblichen Tagesrhythmus einzuhalten. Mit drei Mahlzeiten, morgens etwas Sport, Zeit an der frischen Luft. Und ich habe mir tatsächlich einen Plan gemacht, wie ich die nächsten Tage nun verbringe. Ich habe meinen Laptop dabei, meinen E-Book-Reader, mein Smartphone und in der Wohnung Internet, kann kommunizieren von früh bis spät und tief in die Nacht. Ein bisschen Struktur zum Festhalten ist jetzt, glaube ich, ganz gut.

"Am Freitagabend ging es mir richtig schlecht"

Gibt es Auflagen oder Aufgaben, die Sie täglich erfüllen müssen?

Das scheint von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt anders zu sein. Das Gesundheitsamt Erlangen-Höchstadt, bei dem ich gemeldet bin, hat mir gesagt, ich müsse ein Tagebuch führen. Momentan zuständig für mich ist allerdings das Gesundheitsamt Calw. Die meinten, ich muss kein Tagebuch führen. Von Bremen habe ich gehört, dort müsse man zweimal täglich Fieber messen. Ich habe das Gefühl, dass da alle erst noch ihren Weg finden müssen. Ich selber halte mich an das Merkblatt vom Gesundheitsamt Karlsruhe.

Fühlen Sie sich psychisch belastet?

Am Freitagabend ging es mir richtig schlecht. Aber Samstagfrüh hab ich mich gezwungen, was zu essen und frische Luft zu atmen – und Sonntagabend dann diesen Plan erstellt, wie ich die Zeit angehen möchte. Das ist jetzt hier nicht verschwendet. Es kommen zwar immer wieder die Momente, in denen ich wütend über die Situation bin. Aber mir hilft auch mein Glaube, dass es einen Gott gibt, der mich in der Hand hält.

Was Daniela Mailänder bald plant

Wie ist der weitere Ablauf?

Gestern war ich in einem neu eingerichteten Diagnosezentrum hier. Die haben mich in Schutzanzügen aus dem Auto abgeholt und einen Abstrich gemacht. Wenn dieser Test negativ ist, wird am Ende der Quarantäne noch einer gemacht. Und wenn der wiederum negativ ist, dann darf ich nach Hause.

Wenn Sie wieder in die Freiheit entlassen sind: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich werde wahrscheinlich erst mal ganz fest meine drei Kinder umarmen. Die sind 8, 6 und 2 Jahre alt. Gerade der 2-Jährige, der kann überhaupt nicht verstehen, dass ich nicht mehr komme. Wenn alles gut läuft, werde ich nächste Woche Donnerstagfrüh heimkommen nach Heroldsberg. Wir haben Karten für ein Musical am Samstag, "Martin Luther King" in Bayreuth. Falls das nicht wegen des Virus’ abgesagt wird, freue ich mich darauf, mit meinem Mann dahin zu gehen.

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