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Landen in Erlangen Schwerkranke auf einer Baustelle?

Die Bauzeit des Operativen Zentrums der Uni-Kliniken verzögert sich - 10.06.2019 18:30 Uhr

Auf dem Dach des Operativen Zentrums in Erlangen soll der neue Hubschrauberlandeplatz des Universitätsklinikums entstehen. Genutzt werden kann er frühestens Ende 2020, Jahre später als ursprünglich geplant. © Melanie Schmitz/UK Erlangen


Ursprünglich sollte der neue Hubschrauberlandeplatz des Universitätsklinikums Erlangen ab dem Jahr 2017 genutzt werden können. Doch daraus wurde nichts. Das Operative Zentrum (OPZ), auf dessen Dach längst Patienten in Lebensgefahr und Schwerkranke mit dem Helikopter ankommen sollten, ist noch immer ein Rohbau, der Landeplatz nach wie vor nicht fertig.

Wann die auf dem Dach geplante Anlage genutzt und eine seit langem umstrittene Übergangslösung beendet werden kann, ist seit Ende vergangenen Jahres wieder unklar. Seinerzeit geriet der Zeitplan für das OPZ einmal mehr aus dem Takt. Bereits seit dem Sommer 2018 war der Neubau nur stockend vorangekommen. Zu Defiziten bei der technischen Gebäudeausrüstung gesellten sich planerische Fehler und Baumängel.

Rechtliche Schritte eingeleitet

Der Bauherr, das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg, kündigte deshalb Mitte November dem für Heizung, Lüftung und Sanitär zuständigen Ingenieurbüro. Die Folgen: eine um mindestens zwei Jahre verlängerte Bauphase und Mehrkosten, die in die Millionen gehen. Rechtliche Schritte gegen den Verantwortlichen seien eingeleitet, sagt Dieter Maußner, Leiter des zuständigen Staatlichen Bauamtes Erlangen-Nürnberg.

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Seit Jahresende sucht die Behörde nun nach einem Experten, der weit mehr als den betroffenen Bereich komplett neu planen muss. Doch die erste europaweite Ausschreibung verlief im Sande. Inzwischen läuft laut Maußner die nächste Runde. Bis Ende Juli können sich Ingenieurbüros bewerben – dieses Mal um mehrere Teilbereiche, wohl auch deshalb, um die Chancen zu erhöhen, in Zeiten einer boomenden Baukonjunktur überhaupt jemanden zu finden. Eine Planung aus einem Guss scheint unter diesen ohnehin komplizierten Bedingungen nur schwer vorstellbar, zumal es von Anfang an die Befürchtung gab, dass der für die aufwendige Technik im OPZ vorgesehene Platz von vorneherein zu klein bemessen war.

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Das OPZ entsteht auf einem engen Baufeld zwischen dem chirurgischen Bettenhaus und dem bestehenden OP-Trakt auf der Fläche des im Jahr 2015 abgerissenen alten Bettenhauses der Chirurgie. Allein an Baukosten hat der Freistaat bereits fast 200 Millionen Euro genehmigt. In dem achtgeschossigen OP-Zentrum sollen 20 OP-Säle, zwei Intensivstationen, eine chirurgische Hochschulambulanz und radiologische Untersuchungsräume untergebracht werden.

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Ursprünglich sollten im Jahr 2021 die ersten Patienten aufgenommen werden. Dieser Termin ist seit dem Planungs-Wirrwarr definitiv vom Tisch. Maußner: "Wir gehen nach wie vor von rund zwei Jahren Verzögerung wegen der Kündigung des Planers aus." Genauere, finanzielle Auswirkungen könne man derzeit noch nicht ermitteln.

Umstrittenes Provisorium

Bau-Insider sprachen bereits Ende 2018 hinter vorgehaltener Hand von einer Summe von bis zu 60 Millionen Euro, um die sich das 200-Millionen-Euro-Projekt allein durch die Planungsprobleme verteuern könnte. Während Maußner eine Verteuerung in dieser Größenordnung "viel zu hoch gegriffen" nannte und eine "Kostenmehrung von mehreren Millionen Euro" für wahrscheinlicher hielt, könnten durch den zeitlichen Verzug weitere Zusatzausgaben in Millionenhöhe hinzukommen. Neben den Baukosten, die laut Baupreis-Index aktuell pro Jahr rund fünf Prozent steigen, wird wohl auch der neue Hubschrauberlandeplatz teurer als geplant. Wer dafür aufkommen muss, ist offen. Laut Maußner soll der Landeplatz zwar zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt Ende 2020 oder Anfang 2021 in Betrieb gehen, allerdings "abgekoppelt von der Baustelle und separat betrieben". Mit anderen Worten: Eine weitere Zwischenlösung für den Landeplatz ist nötig, da zur Inbetriebnahme das darunter befindliche OPZ nicht fertig wird. Ein Konzept dafür entstehe momentan, so Maußner.

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Bis es so weit ist, muss das bisherige Landeplatz-Provisorium genutzt werden. Dieses war von Anfang an umstritten: der Standort, der wenige Fahrminuten vom Universitätsklinikum entfernt liegt und daher ein zusätzliches Umbetten für Patienten mit sich bringt, befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet.

Schon im Sommer 2010 hatte der Bauausschuss des Erlanger Stadtrats nur zähneknirschend akzeptiert, dass dieser provisorische Landeplatz, für den es seinerzeit keine alternative Zwischenlösung gab, für weitere sieben Jahre genutzt werden konnte. Anwohner, die sich durch den Fluglärm gestört fühlten, hatten längst gegen den Betrieb der Anlage im Landschaftsschutzgebiet geklagt.

Klappt es selbst Anfang 2021 nicht mit dem neuen Landeplatz auf dem Dach drohen weitreichende Konsequenzen – für das Uni-Klinikum, für die Stadt, vor allem aber für Schwerverletzte, die dann möglicherweise nicht mehr zur Behandlung nach Erlangen geflogen werden. 

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