Lärmmessungen in der Gustavstraße

8.12.2012, 12:13 Uhr

© H.J. Winckler

„Solange nicht differenziert wird, ist es nur eine Machtfrage“, gibt Jörg Sichelstiel, Dekan der evangelischen Gemeinde St.Michael, zu bedenken. „Wenn man das Problem weiterhin auf zu laut oder zu leise reduziert, kann das zu keinem Ergebnis führen – dafür ist eine Bürgerversammlung auch kein geeignetes Forum.“

Sichelstiel und seine Kollegen, die Pfarrer Volker Zuber und Hans-Ulrich Pschierer, hatten sich bereits im Vorfeld der Bürgerversammlung von vergangenem Donnerstag in einem offenen Brief an die verfeindeten Parteien gewandt. „Wir bitten alle Beteiligten dringend, die Wohlverhaltensklausel des Kompromisses umzusetzen: Beleidigungen und Verunglimpfungen des jeweils anderen in der Öffentlichkeit sind zu unterlassen“, lautet die Kernaussage.

Er setze auf die Rückkehr zur Sachlichkeit, betont Sichelstiel weiter. „Wie viele Plätze sind genehmigt, wie lange und wie oft darf gefeiert werden und wie laut darf es dabei werden“ – so lauteten die Sachfragen, die es ohne Polemik und Anfeindungen zu klären gilt.

Zumindest was die gegenseitigen Attacken im Internet anbelangt, sieht Sichelstiel eine positive Entwicklung. „Da ist schon einiges entfernt worden, was ich sehr erfreulich finde“, sagt der Dekan. Nun gelte es, in vielen kleinen Schritten zu einem gangbaren Kompromiss zu finden.

Dabei könnten im nächsten Jahr nüchterne Messergebnisse eine Rolle spielen. Die Stadt Fürth hat nämlich diesen Herbst begonnen, Messungen durchzuführen, die einen unzweifelhaften „Ist-Wert“ der Lärmbelastung in der Gustavstraße abbilden sollen.

Wie Jürgen Tölk, der stellvertretende Amtsleiter des Amtes für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz, der NZ auf Anfrage erklärte, sollen diese Messungen nun bis in den Herbst 2013 ein Jahr lang in einem stichprobenartigen Raster immer wieder erfolgen: „Wir wollen die Lärmentwicklung in der Straße in ganz alltäglichen Situationen, wie einem sonnigen Samstagvormittag oder einem verregneten Abend unter der Woche ebenso dokumentieren wie bei Sondersituationen, etwa wenn die Fans von Greuther Fürth nach dem Frankenderby hier feiern.“ Man habe beim Ordnungsamt aufgrund der nun genehmigten Freiflächen mit Außenbestuhlung und der Anzahl sowie Öffnungszeiten der Lokale Prognosen erstellt, die nun mittels der Messungen mit der tatsächlichen Situation abgeglichen werden sollen, erklärt Tölk.

Auch die Lärmentwicklung durch Raucher, die wegen der Gesetzgebung zum Nichtraucherschutz zum Rauchen die Lokale verlassen müssen, sollen im Zuge dieser Messungen erfasst werden.

Verwandte Themen


4 Kommentare