Brückenabbau mit zahllosen Pannen

Das waren die Gründe für das Stauchaos auf der A9 bei Schnaittach

6.7.2021, 09:13 Uhr
Wer hier, am Fuße des Hienbergs, auf der A 9 im Stau stand, hatte die dreistündige Wartezeit immerhin schon fast hinter sich. Die Fahrzeuge stauten sich weit über den Hienberg hinaus, sogar noch jenseits der Anschlussstelle Hormersdorf standen Autos und Lkw.

Wer hier, am Fuße des Hienbergs, auf der A 9 im Stau stand, hatte die dreistündige Wartezeit immerhin schon fast hinter sich. Die Fahrzeuge stauten sich weit über den Hienberg hinaus, sogar noch jenseits der Anschlussstelle Hormersdorf standen Autos und Lkw. © Foto: Udo Schuster

Wie in einer Pressemeldungen angekündigt worden war, wurde die A9 in der Nacht zum Sonntag in dem Bereich zunächst in beiden Fahrtrichtungen komplett gesperrt. Der Grund war das Ausheben einer Stahlbogenbrücke, die durch Umwelteinflüsse und die daraus entstehender Korrosion im Laufe der Jahre stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Es handelte sich um eine Fuß- und Radwegverbindung in das Schnaittacher Naherholungsgebiet Hailloh, die seit 23 Jahren die dreispurige A9 überspannt.

Zu Beginn der Abbauaktion lief die Autobahnsperrung planmäßig. Die für den Aushub erforderlichen Kräne trafen pünktlich am vorgesehenen Standort ein. Im Einsatz war auch der einzige 800-Tonnen-Kran innerhalb Bayerns, wie der Geschäftsführer der beauftragten Firma aus Deggendorf berichtete. Da der Kran auf sogenannten Flüsterasphalt stand, mussten großflächige Unterlagen ausgelegt werden, um den Druck großflächig zu verteilen. Der neunachsige Autokran mit 43 Metern Länge wiegt zusammen mit den Gegengewichten mehr als 220 Tonnen.

Brücke schwerer als erwartet

Bereits während des Aufbaus des Krans kam es jedoch immer wieder zu Verzögerungen. Ursprünglich war der Plan, am Samstagabend etwa gegen 22 Uhr die 64 Meter lange Brücke auf die vorbereitete westliche Seite neben den Fahrspuren in Richtung Nürnberg abzustellen. Im Laufe der Nacht kamen weitere Probleme dazu, zum Beispiel war das anzuhebende Bauwerk mit seinem Gewicht von 78 Tonnen wohl schwerer als ursprünglich kalkuliert. Zusätzliche statische Berechnungen wurden deshalb nötig.

Am Sonntag dann wurde im Morgengrauen endlich das Brückenteil in einem Stück angehoben und mit einer 90-Grad-Drehung an den vorgesehenen Platz gehoben. Rund eine Stunde dauerte diese Aktion - doch erneut kam es zu Problemen. Da Schwierigkeiten mit der Befestigung auftraten, konnte die Brücke nicht abgelegt werden - die vorgefertigten Löcher zur Befestigung der Brücke auf den provisorischen Stahlaufnahmen passten nicht.

Die Folge: Ein massiver Stau. Der Verkehr stand bis weit über den Hienberg und die Anschlussstelle Hormersdorf hinaus still, zeitweise reichten die Fahrzeugkolonnen sogar noch weiter zurück. Die ausgeschilderte Umleitungsstrecke durch das Schnaittachtal war völlig überlastet. Teilweise brauchten die Verkehrsteilnehmer für eine Strecke von zehn Kilometern ganze drei Stunden. Das Bayerische Rote Kreuz aus dem Nürnberger Land verteilte Getränke für die im Stau stehenden Fahrzeuglenker. Insgesamt waren 32 BRK-Helfer auf dem Autobahnabschnitt im Einsatz.

Eine Belastungsprobe war der Abbau auch für die umliegenden Bewohner. Die Schnaittacher und Einheimische im Simmelsdorfer Gemeindegebiet sowie in Neunkirchen ächzten unter dem Verkehr, der komplett über die Landstarßen umgeleitet wurde. Wohnwagengespanne und Lastwagen teilten sich mit den Autos nicht nur die offiziell beschilderte Umleitung - manch staugeplagter Fahrer nutzte auch andere "Schleichwege".

Die Bürger sprachen von katastrophalen Zuständen. Dies brachte auch das BRK auf den Plan. Die Anforderung kam laut BRK Einsatzleiter Fabio Viktorin am späteren Sonntagnachmittag von der Verkehrspolizei. Denn neben einigen Rettungseinsätzen klagten einige Verkehrsteilnehmer auch über gesundheitliche Probleme und man wusste nicht genau, wie lange die Autobahnsperrung in Richtung Süden noch anhalten würde. Deshalb kam am Schnaittacher Rotkreuzhaus auch der Einsatzleitbus des BRK aus dem Nürnberger Land zum Einsatz. Indes waren die 32 Helfer mit mehreren Fahrzeugen auf der Autobahn im Dienst, um Getränke anzubieten.

Verkehr fließt erst gegen 21 Uhr wieder

Gegen 21 Uhr normalisierte sich die Lage, der Verkehr konnte wieder einigermaßen regulär fließen - letztlich zwölf Stunden später als ursprünglich angekündigt. Die Planung zu diesem Brückenprojekt lief für alle beteiligten Firmen bei weiten nicht optimal, so die Aussage aller Beteiligten.

Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer wird nun instandgesetzt, die Sanierung soll Ende Oktober abgeschlossen sein. Danach wird das Bauwerk in einem Stück wieder eingehoben. Dann allerdings wird eine graue Farbgebung das gewohnte Blau der Brücke ersetzen. Die Gesamtkosten für die Sanierung und die erneute Installation werden sich voraussichtlich auf rund eine Million Euro belaufen.

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