Mit der Flasche aufgezogen

Nach tragischem Tod der Mutter: Ein neues Zuhause für zwei Rehkitze

13.9.2021, 13:58 Uhr
Barbara Gänsbauer war die Ersatzmutter für die beiden Rehkitze, zog sie mit der Flasche auf. Auf diesem Foto sind Rosa und Rudi vier bis fünf Wochen alt.

Barbara Gänsbauer war die Ersatzmutter für die beiden Rehkitze, zog sie mit der Flasche auf. Auf diesem Foto sind Rosa und Rudi vier bis fünf Wochen alt. © Schuster

Familie Gänsbauer, die die beiden mit der Flasche großgezogen hat, kann die Tiere also hin und wieder besuchen. Ursprünglich war geplant, die Rehe im Wald auszusetzen.

Barbara Gänsbauer, die Ersatzmutter von Rosa und Rudi, ist froh, dass ihre Schützlinge im vier Hektar großen Gehege endlich ihren Bewegungsdrang ausleben können. Immerhin, das ist sicher, werden sie dort nicht von einem Auto überfahren.

Sogar der Bayerische Rundfunk hatte über die Handaufzucht berichtet, nachdem die Pegnitz-Zeitung die Geschichte der Rehe erzählt hatte, die nur knapp über 2000 Gramm wogen, als sie entdeckt wurden.

Tod der Mutter

Es war ein Regentag Ende Mai, als sich die ganze Familie Gänsbauer auf die Suche nach den Kitzen machte, denn kurz zuvor hatte Vater Georg Gänsbauer die Geiß tot aufgefunden. Das bedeutet im Regelfall den sicheren Tod für ihre Kitze.

Ein lautes Fiepen führte Tochter Luisa Gänsbauer – sie ist Jägerin – zu dem kleinen Bock, zu Rudi. Rehkitze rufen so ihre Mutter. Noch immer war aus dem Gebüsch Fiepen zu hören. Mit einer Wärmebildkamera entdeckte Tierarzt Ralph Faltenbache schließlich Rosa. Er war es auch, der Ziegenmilch für die erste Fütterung organisierte.

Alle vier Stunden aufstehen

Fortan war Barbara Gänsbauer die Ersatzmutter. Dies bedeutete für die Oberndorferin aber auch, den Wecker alle vier Stunden läuten zu lassen, um den Nachwuchs zu versorgen. Nach rund drei Wochen in der Obhut der Familie brachte es Rosa auf über 4,5 Kilogramm und ihr Bruder auf vier Kilogramm.

Die Kitze wurden im geschätzten Alter von etwa zwei Wochen aufgenommen und sind damit jetzt etwa 18 Wochen alt. Kitze die bei ihrer Geiß aufwachsen, werden etwa bis zum Alter von sechs Monaten gesäugt. Zum Ende der Säugezeit nehmen sie aber keine wesentlichen Mengen Milch mehr auf, sondern ernähren sich größtenteils selbstständig. Damit ist ein Absetzen der Milch jetzt möglich.

Bestens vorbereitet

Auf das Suchen und Äsen von Kräutern und Blättern wurden die beiden von ihrer Ziehmutter bestmöglich vorbereitet, so dass das Umsetzen in das Gehege problemlos verlaufen dürfte, glaubt Tierarzt Faltenbacher.

Auch dass die Familie den Kontakt zu den Jungtieren auf ein Minimum beschränkt hat und sich die Rehe so nicht zu sehr an den Menschen gewöhnt haben, dürfte helfen. Der Tierarzt warnt davor, vermeintlich alleingelassene Jungtiere aufzunehmen. Es ist immer besser, den Jagdpächter zu informieren.

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