Initiative im Nürnberger Land

PCR-Tests für Schüler und Kita-Kinder: "Labor entstand dank einmaliger Allianz"

1.8.2021, 05:58 Uhr
Im Nürnberger Land wurde ein PCR-Testlabor mit Hilfe einer eigens gegründeten GmbH aufgebaut.

Im Nürnberger Land wurde ein PCR-Testlabor mit Hilfe einer eigens gegründeten GmbH aufgebaut. © Roland Fengler, NN

Was hat Sie dazu bewegt, neben Ihrem Job dieses Labor auf die Beine zu stellen?

Johannes Bisping: Gleich aus welcher Rolle man es sieht, die Bildung unserer Kinder, die Schule und die professionelle Betreuung unserer kleinen Kinder ist immens wichtig und muss wieder funktionieren. Ein weiteres Corona-Home-Office-Jahr in den Schulen und Einrichtungen wäre fatal und das dürfen wir uns nicht leisten. Hier spreche ich als Vater, als Unternehmer, als IHK-Vorsitzender und als Bürger. Die Folgen aus den immensen Einschränkungen sind zu gravierend für unsere Kinder, für unsere Familien und auch für unsere Unternehmen.

Johannes Bisping aus Lauf hat die Idee eines eigenen PCR-Testlabors für das Nürnberger Land ins Rollen gebracht.

Johannes Bisping aus Lauf hat die Idee eines eigenen PCR-Testlabors für das Nürnberger Land ins Rollen gebracht. © Andreas Sichelstiel (PZ)

Wie kam es zu der Idee eines eigenen Labors?

Johannes Bisping: Im Dialog mit den Experten im Landkreis war es uns schnell klar, dass Schnelltests keine adäquate Möglichkeit für Schulen und jüngere Kinder bieten. Der Blick nach Österreich und die Möglichkeiten der Wicovir-Studie in Regensburg und Erlangen hat uns gezeigt, dass es mit PCR-Pooling ein hochwertiges aber auch niederschwelliges Angebot gibt, das hilft, die Schulen und Einrichtungen offen zu halten.

Nach Zusage für die Studienteilnahme war klar, dass eine großflächige Teilnahme mit dem Landkreis nur mit eigenem Labor möglich ist. Wir wollten nicht in einer Schule testen sondern das Angebot allen Schulen und Einrichtungen ermöglichen. Hierzu haben sich dann zehn regionale Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen geschlossen, um das Labor zu ermöglichen.

Wie finanziert sich das Labor?

Bisping: Die Investitionen wurden gemeinsam durch die Unternehmen aus der Region, wie auch durch den Landkreis gestellt. Die laufenden Kosten für Testungen in den Schulen und Kitas werden derzeit durch den Landkreis getragen. Hier hoffen wir auf entsprechende Unterstützung durch den Freistaat, der sich durch unseren Einsatz viele Millionen Euro an Kosten für Schnelltests spart.

Was waren die Schwierigkeiten beim Aufbau des Labors?

Bisping: Neben den großen Herausforderungen, das Labor fachlich und personell aufzubauen - auch in Zeiten von Lieferschwierigkeiten - waren vor allem die rechtlichen Themen die schwierigsten und langwierigsten. Die zahlreichen Verordnungen von Bund und Land waren die größte Herausforderung. Nachdem politisch das Verfahren begrüßt und gefordert wurde, hat es lange gedauert, klare Aussagen zu bekommen.

Wer ist in dem Aufbau des Labors noch beteiligt?

Bisping: Das Labor war und ist von Anfang an eine gemeinsame Initiative aus Landkreis, Wirtschaft, Gesundheitswesen und Organisationen im Landkreis gewesen. Eine wohl einmalige Allianz die sich aus einer Arbeitsgruppe gebildet hat. Hier wurde mit Landkreis, Landrat, Schulamt, Kommunen, Krankenhaus, Ärzten, IHK, BRK die Initiative gestartet und entwickelt. Das Labor wurde, um es schnell zu ermöglichen, durch eine neue Wirtschaftskraft Nürnberger Land GmbH mit 10 Firmen und Unternehmerinnen und Unternehmern in der Region als Gesellschafter aufgebaut und betrieben.

Seit einigen Wochen gurgeln zahlreiche Schul- und Kindergartenkinder schon fleißig im Rahmen der Studie - aber auch, um das Labor für die heiße Phase ab September vorzubereiten. Wie verläuft die Testphase bisher?

Bisping: Sehr gut, wir konnten nun im Rahmen der Studie dank des eigenen Labors als einziger Landkreis gesamt teilnehmen und in den wenigen Wochen zahlreiche Schulen und Kindergärten bereits testen. So werden inzwischen über 3.500 Kinder zweimal wöchentlich getestet. Die Erfahrungen und der Zuspruch aus den Schulen und Einrichtungen sind sehr gut. Sicher ist es für alle Beteiligten ein Organisationsaufwand. Dieser lohnt sich aber zweifelsfrei und ermöglicht auch zeitlich deutlich mehr Möglichkeit für den wichtigen Unterricht.

Besonders freut es mich, dass nun neben dem PCR-Pooling durch Gurgel-Proben nun auch schon erste Erfahrungen mit Lollis gemacht wurden. Wir können nun je nach Einrichtung und Alter beide Methoden im Landkreis anbieten. Die Kapazitäten für Herbst für 35.000 Kinder im Landkreis sind nun vorbereitet, hier haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und freuen uns, vielleicht ein gutes Beispiel für andere Landkreise zu sein.

Wissen Sie, ob es solch ein Projekt noch einmal in Bayern gibt? Oder ist es sogar ein Pilotprojekt?

Bisping: Durch die Wicovir-Studie gibt es bayernweit Teilnehmer, die sich an der Studie mit Gurgeltests beteiligt haben. Insbesondere natürlich die Initiatoren in Regensburg und Erlangen. Ein landkreisweites Pilotprojekt mit eigens errichteten PCR-Labor ist meines Wissens einmalig. Ein weiteres Labor wurde in Nürnberg und Fürth durch die Firma Datev errichtet, welche PCR-Pooling-Auswertungen auch für Schulen und Einrichtungen durchführt. Mit der Datev sind wir im Austausch und arbeiten eng zusammen. Gemeinsam werden wir auch unseren Beitrag im Herbst leisten. Beides Initiativen, die aus dem Bereich der Wirtschaft und IHK entstanden sind.

Haben Sie noch weitere Visionen?

Bisping: (lacht) Wir müssen gerade unsere Visionen verdauen und realisieren, daher bin ich vorsichtig. Aber im Ernst: Es geht uns darum dass wir kein weiteres Corona-Jahr in den Schulen und Einrichtungen verlieren, die Auswirkungen für unsere Kinder, für unsere Gesellschaft und auch für uns als Firmen sind wirklich fatal. So müssen wir alles mögliche tun, um das Leben in den Kindertagesstätten und in den Schulen zu ermöglichen. Hier haben wir für den Herbst sehr viel zu tun.

Weiter ist es uns - wie auch bei diesem Projekt zu sehen - wichtig, uns gemeinsam den Aufgaben in solchen Situationen zu stellen. Es ist richtig wichtig hier und da auch die Politik oder öffentliche Hand zu kritisieren. Mindestens so wichtig ist es aber, uns gemeinsam den Herausforderungen zu stellen. Die Pandemie hat es gezeigt, dass das nur gemeinsam geht. Ein Schulterschluss zwischen Öffentlicher Hand, Organisationen und Wirtschaft ist hier immens wertvoll.

Suchen Sie weiterhin noch Personal?

Bisping: Für den Moment haben wir es nun geschafft, ein tolles Team engagierter Personen zu finden. Je nach Bedarf und weiterer Konkretisierung der Behörden benötigen wir weitere Laborkräfte. Wir freuen uns über Bewerbungen von engagierten Menschen, die unterstützen wollen und fachkundige Laborerfahrung haben.

Zur Person: Johannes Bisping (47) ist Geschäftsführer der Bisping Media Group in Lauf, Aufsichtsratmitglied beim 1. FCN und Vorsitzender der IHK Lauf. Seit Mai ist er auch als Geschäftsführer der Wirtschaftskraft Nürnberger Land GmbH tätig, die das Testlabor betreibt.