-1°

Montag, 30.11.2020

|

Auf Fahrradsuche in "Reddnbach"

Erster und vorerst letzter Termin in der "Neuen Mitte" - 29.10.2020 13:24 Uhr

Hartmut Pürner (im Vordergrund) stellte sein Buch "Das verschwundene Fahrrad" vor, Rainer Turba moderierte und musizierte.

28.10.2020


Für den rückengeplagten Bob Meyer sprang kurzfristig Rainer Turba als Moderator und Musiker ein, als nach Lauf emigrierter Röthenbacher bestens mit den Besonderheiten von "Reddenbach" oder "Rainbow", wie Insider es nennen, vertraut. Denn ein bisschen Kenntnis der "Szene" schadet nicht, wenn man sich mit dem jungen Hartmut Pürner auf die 63 Seiten lange Suche nach seinem gestohlenen, 300 Mark teuren Herkules-Rad mit Torpedo-Schaltung begibt, "mein ganzer Stolz", wie er betont.

Pürner, Jahrgang 1967, ist Röthenbacher in der vierten Generation. Für die OZSE war er beruflich über ein Jahrzehnt lang in Friedensmissionen in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Albanien unterwegs. Inzwischen lebt er mit seiner Familie in Frankreich, direkt an der Grenze zur Schweiz. Seine Wurzeln allerdings hat er nie vergessen – im Gegenteil.

Einst "Klein-Istanbul"

In seinem Buch nimmt er den Leser deshalb nicht nur mit auf die Suche nach dem Fahrrad, sondern zugleich auf einen Streifzug durch das Röthenbach der späten 70er-Jahre. Als die Stadt noch "verschrien" war, als man wegen seiner Brille schon mal "gefotzt" wurde – und das natürlich tunlichst vor den eigenen Eltern verheimlichen wollte. Aber auch eine Stadt mit ganz besonderen Menschen, wie dem Pfarrer, der Menthol-Zigaretten raucht und mit Pürners Vater regelmäßig Karten spielt, dem SPD-Bürgermeister, dem über Jahrzehnte der Ruf des Unantastbaren anhaftet, oder eben der türkischen Familie in der Conradty-Siedlung, damals noch als "Klein-Istanbul" tituliert, die den traurigen Hartmut spontan zum Essen einlädt.

Pürners Buch ist weit mehr als eine nostalgische Detektivgeschichte, immer wieder bezieht der geschichtsinteressierte und -studierte Sohn des langjährigen CSU-Stadtrats Ernst Pürner klar politische Position, sei es zum Zweiten Weltkrieg oder zur politischen Situation seiner Heimatstadt, in der in den 70er- und 80er-Jahren die SPD "die Macht" war.

Viele seiner Anekdoten lassen aber vor allem schmunzeln, etwa die Szene, die er in der "Neuen Mitte" zum Besten gibt: Da trifft er im Wald am Steinberg auf drei Amerikaner, die – damals undenkbar – auf sogenannten Mountain­bikes unterwegs sind und ihren Kopf mit Helmen schützen. Für den geplätteten Hartmut, der mutig sein Schul­englisch zusammenkratzt, eine nachhaltige Begegnung.

"Verschwundenes Fahrrad" zu kaufen

Pürner und Turba spielen sich bei der Lesung die Bälle zu, verfallen beim Plaudern auf der Bühne bewusst ins Fränkische. Und greifen beide immer wieder zur Gitarre. Während Pürner einige Eigenkompositionen zum Besten gibt (zum Beispiel "Irgendwo über Rainbow" auf die Musik von "Somewhere over the rainbow"), singt Rainer Turba unter anderem das "Reddnbach-Lied" von Bob Meyer, allesamt Liebeserklärungen an Röthenbach.

Ob "dem Pürner sei Glanner", der er trotz seiner gut 1,90 Meter bis heute geblieben ist, sein Rad am Ende wiederfindet, sei hier nicht verraten. Offen bleibt auch die Frage, ob er es am Tag nach der Lesung rechtzeitig wieder zurück nach Frankreich geschafft hat, wo ab 21 Uhr eine Ausgangssperre verhängt wurde ...

"Das verschwundene Fahrrad" von Hartmut Pürner ist für zehn Euro erhältlich im Service-Center der Pegnitz-Zeitung in Lauf und bei Schreibwaren Tichatschke in der Rückersdorfer Straße in Röthenbach.

Stefanie Buchner-Freiberger

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Röthenbach