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Doppelmord in Schnaittach: Risse in der perfekten Familie

Prozess um Schnaittacher Doppelmord beleuchtet Abgründe des Paares - 27.02.2019 11:56 Uhr

Ingo und Stephanie P. spielten das traurige Paar. Wochenlang kursierten in Schnaittach schon Gerüchte – am 22. Januar 2018 rückte die Polizei dann mit schwerem Gerät an. © Foto: Udo Schuster


Einen derartigen Polizeieinsatz hat es in Schnaittach zuvor wohl noch nicht gegeben. Am frühen Morgen des 22. Januar vergangenen Jahres versammelten sich die Einsatzkräfte auf dem Schnaittacher Rasthof. "Wir haben auf das Kommando gewartet", erinnert sich der Einsatzleiter. Als das kam, rückten die Beamten aus. Aufgabe Nummer eins: Sichtschutzblenden aufbauen. Wichtig dabei: Möglichst keine Spuren zerstören. "Die Garage hatte einen neuen Boden", so der Beamte. Die Polizisten brachen ihn auf. Zum Vorschein kamen Matratzen, Koffer, Textilien.

Das Aufbruchkommando arbeitete sich vor und fand im Anbau hinter geschlichtetem Holz einen gemauerten Vorsprung. Stück für Stück wurde er geöffnet. Das bis dahin als vermisst geltende Ehepaar kam zum Vorschein. Als das Schwurgericht Fotos von dem Einsatz in Augenschein nimmt, steht Ingo P. (26) auf. Fast so, als würde er nicht wissen, wie es damals in der Garage und dem Anbau ausgesehen hat, betrachtet auch er die Bilder.

Ein Jahr später

Mittlerweile – mehr als ein Jahr später – ist im Schnaittacher Ortsteil Lohmühle wieder Ruhe eingekehrt. Die gepflegten Vorgärten werden für das Frühjahr aufgehübscht. Die ordentlichen Fassaden der Häuser strahlen wie eh und je. Es ist die Idylle des Ortes, die den Doppelmord umso grausamer erscheinen lässt. Dass es aber gerade hinter perfekten Fassaden oft gar nicht so perfekt zugeht, berichten Nachbarn, die zwar nicht beobachten, aber trotzdem alles sehen und hören.

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Doppelmord von Schnaittach: Ehepaar erschlagen und eingemauert

Dieser Fall erschütterte die Region: Ein 25-Jähriger steht unter Verdacht, seine Eltern im Dezember 2017 brutal ermordet und im Anbau ihrer eigenen Garage in Schnaittach eingemauert zu haben: Seit Mitte Februar 2019 stehen Sohn Ingo P. und dessen Ehefrau Stephanie P. vor dem Schwurgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten neben Mord auch versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.


Freilich: Elfriede P. erzählte immer wieder, wie stolz sie auf ihren Ingo war. Auf seine schulischen Leistungen, auf das musikalische Talent. Nachbarn berichten aber auch, dass die 66-Jährige durchaus launisch sein konnte und ihr Kind nicht aus den Augen ließ. "Ein regelrechter Kontrollfreak", beschreibt eine Nachbarin Elfriede P. Sie erinnert sich noch heute, wie sich die Nachbarin aufgeregt hat, als sie unter Ingos Bett einmal Süßigkeiten und "Pornopapierchen" fand. Auch den Ratschlag der Mutter, sich mehr zu bewegen, nahm der in Schnaittach als der "dicke Ingo" bekannte Junge laut Nachbarn nicht an. "Da hätte man als Eltern vielleicht auch einmal Vorbild sein müssen", lästert die Nachbarin.

Fast scheint es, als habe Ingo es seiner Mutter nicht recht machen können. "Als er einmal Pralinen gemacht hat, hat sie sich beschwert, weil er die Küche versaut hat", erzählt eine andere Nachbarin. "Der Ingo hat sich doch nie frei entfalten können." Stattdessen lief er auch mit 17, 18 Jahren noch mit seinem Vater im Partnerlook herum: Hemd und kurzärmelige Weste. "Das ist doch nicht richtig", empört sich die Nachbarschaft.

Welches Strafmaß ist angemessen?

Und nicht nur das: Auch in Liebesdingen wollte Elfriede P. mitreden können. Als Ingo seine Eltern auf der Terrasse fragte, was sie denn davon halten würden, wenn er und Stephanie sie zu Großeltern machen, meinte Elfriede P. nur: "Du spinnst doch!"

Auch die junge Beziehung war nicht perfekt

Die Risse in der perfekten Familie – die gab es wohl auch in der Beziehung zwischen Ingo und seiner drei Jahre jüngeren Stephanie. Im August 2017 – vier Monate bevor Elfriede und Peter P. starben – kontaktierte die 23-Jährige einen alten Bekannten. "Ich hatte das Gefühl, dass sie etwas mit mir anfangen will", erzählt dieser vor Gericht. Die beiden trafen sich, es folgte SMS-Kontakt. "Liebst Du mich immer noch?", wollte Stephanie von ihm wissen. Aber der alte Bekannte wollte nicht, Stephanie war schließlich mit Ingo zusammen – und wirkte auch glücklich, zumindest auf ihre Familie.

"Ingo war sympathisch. Ich hab gedacht, der passt", erinnert sich
Stephanies Onkel an seinen Geburtstag im August 2017 beim Griechen
in Burgthann, wo er den jungen Mann das erste Mal gesehen hat. Auch Heiligabend verbrachten Ingo und Stephanie mit der Familie – damals waren Elfriede und Peter P. seit zwei Wochen tot. Eines kam Stephanies Onkel aber schon komisch vor: Seine Nichte freute sich nicht über das Liebeslied, das Ingo bei der Feier für sie sang. Der Onkel ist noch heute verstört. "Das Madla, die kann doch sowas gar nicht", sagt er über den Anklagevorwurf.

Schnaittacher Doppelmord: Verdächtige googelten wegen Blut

Und doch scheint im Kopf der Nichte mehr vorzugehen, als es sich ihr Onkel vorstellen kann, der die 23-Jährige als naiv, leicht zu beeinflussen und verwöhntes Einzelkind beschreibt. Die Auswertung ihres Handys ergibt, dass bereits im Herbst fleißig Haushaltswaren und Zubehör im Internet bestellt wurden: Schüsseln, Glasstäbe, Aktivkohle, Teststreifen, Backsoda, ein Glastopf, eine Schutzbrille. Für sich genommen ist jeder Gegenstand harmlos. Auf Ingos Handy aber findet sich eine Anleitung, wie man aus der Chemikalie GBL die auch als "flüssiges Ecstasy" bekannte Droge GHB herstellt, die je nach Dosis die Libido steigert oder zu einem komatösen Zustand führt – und dafür braucht es all das. "Tragen sie einen Laborkittel und eine Schutzbrille", heißt es darin. "Seien Sie sich der Risiken bewusst, die mit der Herstellung von GHB einhergehen." Was folgt, klingt wie ein Kochrezept mit einigen Tücken und wird im Prozess verlesen. Elfriede P. sollen die beiden die Substanz in den Kaffee gekippt haben. Die 66-Jährige bemerkte den komischen Geschmack; die Dosis, die sie zu sich nahm, brachte sie nicht um.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Julia Vogl E-Mail

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