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Doppelmord in Schnaittach: Vergiftete Muffins waren erfolglos

Prozessbeginn gegen das Ehepaar auf Februar festgelegt - 18.12.2018 17:23 Uhr

Ab dem 19. Februar 2019 stehen der 26-Jährige und dessen Ehefrau aus Schnaittach vor Gericht, die seine Eltern umgebracht haben sollen. © Daniel Karmann/dpa


Ende Dezember 2017 galt ein Paar aus dem Nürnberger Land als vermisst, Ende Januar fand die Polizei zwei Leichen – mit Hilfe von Spürhunden entdecken die Ermittler Elfriede (66) und Peter P. (70) auf deren eigenem Grundstück in Schnaittach. Tot, eingemauert im Anbau ihrer Garage. 

Rund ein Jahr später, ab 19. Februar 2019, werden sich Ingo (26) und Stephanie P. (23) vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten müssen. Die Schwurgerichtskammer plant mit Verhandlungstagen über mehrere Wochen, die Staatsanwaltschaft hat 61 Zeugen und elf Sachverständige benannt. Das junge Paar lebte mit den Eltern unter einem Dach – und wenn die Vorwürfe der Anklage zutreffen, lasten ein Doppelmord und zwei Mordanschläge auf den Gewissen von Ingo und Stephanie P. 

In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2017, so die Anklagebehörde, erschlug Ingo P. seine Mutter mit einem Zimmermannshammer. Sie lag im Bett, als er sie umgebracht hat, gleich darauf tötete er, so der Vorwurf, seinen hinzukommenden Vater. 

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Doppelmord von Schnaittach: Ehepaar erschlagen und eingemauert

Dieser Fall erschütterte die Region: Ein 25-Jähriger steht unter Verdacht, seine Eltern im Dezember 2017 brutal ermordet und im Anbau ihrer eigenen Garage in Schnaittach eingemauert zu haben: Seit Mitte Februar 2019 stehen Sohn Ingo P. und dessen Ehefrau Stephanie P. vor dem Schwurgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten neben Mord auch versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.


Die eindeutige Identifizierung der Frau war später nur mit Hilfe einer DNA-Bestimmung möglich, zu schwer sollen ihre Verletzungen am Kopf gewesen sein. Ob sie zur Tatzeit schlief? Möglich, dass Rechtsmediziner in der Beweisaufnahme diese Frage beantworten können. 

Viele weitere Fragen sind offen: Stephanie P. soll in jener Nacht zum Tatzeitpunkt nicht zu Hause gewesen sein – "im Strafverfahren muss ganz genau betrachtet werden, ob und wie tief die Frau überhaupt in die Tat verstrickt ist", sagt ihr Strafverteidiger Alexander Seifert. Co-Verteidiger Michael Spengler hält sich dagegen bedeckt. Noch will er sich öffentlich nicht äußern.

Tatsächlich sind die Vorwürfe der Anklage voller Wucht: Bereits im Herbst 2017 soll das junge Paar Mutter Elfriede P. vergiftete Muffins aufgetischt haben, in die kleinen Kuchen waren angeblich giftige Pflanzensamen gebacken. Nachdem sie das Gebäck verzehrt hatte, kämpfte die Frau mit Vergiftungserscheinungen, doch überlebte. 

Heimtücke und Habgier 

Wochen später servierte Ingo P. seiner Mutter angeblich ein Getränk, versetzt mit einer giftigen Chemikalie – doch diesmal soll der Geschmack so auffällig gewesen sein, dass sie nur einen kleinen Schluck nahm. Nur deshalb überlebte die Frau, vermuten die Ermittler. 

Angenommen, die Vorwürfe treffen zu – wäre es denkbar, dass Elfriede P. ahnte, dass ihr der Sohn nach dem Leben trachtete? Die Staatsanwaltschaft führt Heimtücke, Habgier (das Geld der Eltern) und die Idee, mit dem Mord eine andere Straftat (die Giftanschläge) zu verdecken, ins Feld. Setzte Ingo P. in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2017 nur seine Mordpläne fort?

Am 28. Dezember meldete er seine Eltern als vermisst, am 29. Dezember heirateten Ingo und Stephanie P., am 22. Januar 2018 wurden die Körper der Eltern im Anbau an der Garage mit Presslufthämmern freigelegt. Ingo P. verzettelte sich damals in Widersprüche, Spezialeinsatzkräfte nahmen ihn und seine Frau fest. Beide sitzen seither in U-Haft.  

Ulrike Löw Gerichtsreporterin

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