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Elf Tote nach Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Schnaittach

Kritik an der Informationspolitik - Bürgermeister verteidigt die Einrichtung - 18.12.2020 11:19 Uhr

Anfang Dezember wohnten 78 Menschen in dem Altenheim in der Schulstraße in Schnaittach. 50 davon haben sich mit dem Coronavirus infiziert, davon sind mittlerweile elf gestorben und ebenso viele genesen.

18.12.2020 © Udo Schuster


Anfang des Monats hatte die Pegnitz-Zeitung erstmals über Infektionen in der Einrichtung berichtet, zu diesem Zeitpunkt waren 14 Bewohner positiv getestet worden. Alle waren symptomlos, wie der Leiter der Einrichtung damals sagte. Dass es dabei nicht bleiben würde, war zu erwarten. Bewohner von Pflegeheimen gelten aufgrund ihres hohen Alters und der Vorerkrankungen als gefährdet.

Von den 78 Bewohnern Anfang Dezember haben sich nach Auskunft des Heims mittlerweile 50 infiziert. 28 sind noch erkrankt, elf sind genesen. "Wir haben alle Schutzmaßnahmen aufgefahren, die wir auffahren konnten", heißt es vom Seniorenzentrum. Man halte sich an alle gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Bewohner. In der Einrichtung gelten schon seit Monaten strenge Auflagen. Mittlerweile darf man Pflegeheime ohnehin nur noch mit maximal drei Tage altem negativen Test und FFP2-Maske betreten.

Es ist nicht der einzige Ausbruch in Alten- und Pflegeheimen im Landkreis, bereits in der ersten Welle waren mehrere Einrichtungen betroffen, in der zweiten Welle unter anderem Heime in Lauf, Winkelhaid und Artelshofen. Auch dort gab es Tote.

"Die einzige Schuld trägt dieser Virus"

Unter den Opfern der Pandemie in dem Schnaittacher Heim ist der Onkel von Schnaittachs Bürgermeister. Frank Pitterlein kennt die Einrichtung in der Schulstraße von häufigen Besuchen. "Mein Eindruck ist, dass dort hochwertige Arbeit geleistet wird", so Pitterlein. Es dürfe jetzt nicht darum gehen, einen Schuldigen zu finden. "Die einzige Schuld trägt dieser Virus", so der Bürgermeister, die Entwicklung sei tragisch. Hat die Politik es versäumt, die Heime besser zu schützen? "Ich glaube nicht, dass Fehler gemacht worden sind", sagt Pitterlein. "Als Gesellschaft wollten wir nicht wahrhaben, dass es viele ‚stumme‘ Infektionen gibt."


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"Katastrophe" - Kritik an der Informationspolitik

Kritik äußert hingegen Claudia Müller (Name geändert), deren demente Mutter in dem Schnaittacher Heim lebt – allerdings nicht an den Sicherheitsvorkehrungen, sondern am stockenden Informationsfluss. "Die Kommunikation ist eine Katastrophe", sagt sie. Müller erfuhr nach eigener Aussage vom Corona-Ausbruch erst aus der Zeitung. Einen Tag vorher hatte sie noch im Seniorenzentrum angerufen, weil sie einen Besuchstermin vereinbaren wollte. Das ginge jetzt nicht, weil man "eventuell einen Coronafall" habe, erinnert sie sich an die Antwort am Telefon.

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In der Pegnitz-Zeitung las Müller, dass zu diesem Zeitpunkt bereits neben den 14 Bewohner auch zehn Mitarbeiter positiv getestet wurden. Inzwischen ist auch ihre Mutter infiziert, es geht der über 90-Jährigen aber relativ gut. Nur müde sei sie, so müde, dass sie ganze Tage im Bett verbringe. "Man kann mit ihr telefonieren", sagt die Tochter, aber das Thema Corona könne sie wegen ihrer Demenz "nicht so fassen, sie lebt in ihrem Kosmos".


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Wie Weihnachten wird, steht für Müller in den Sternen. Wenn ihre Mutter die Infektion übersteht, kann sie sie dann gefahrlos abholen? Wie lange dauert ihre Isolierung noch? Was ist, wenn sich die Symptome verschlechtern? Sie wünscht sich mehr Informationen über die Situation in dem Heim: "Es kann doch nicht so schwer sein, drei Zeilen in eine E-Mail zu schreiben und an die Angehörigen zu schicken." Die Pegnitz-Zeitung hat bei der Einrichtung nachgefragt, wie die Kommunikation mit Angehörigen läuft. Dazu wolle man sich nicht äußern, so die Antwort.

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Andreas Kirchmayer / Andreas Sichelstiel

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